Ruhpolding/Landkreis Traunstein – Der Waldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding entwickelt sich zum befürchteten Szenario: Auch Tage nach dem Ausrufen des Katastrophenfalls kann von Entwarnung und Durchatmen keine Rede sein. Zwar besteht für die Bevölkerung und das Trinkwasserschutzgebiet keine akute Gefahr. Und die Sorge, dass sich der Brand beim Einbruch der Nacht von Dienstag auf Mittwoch über die Staatsgrenze nach Österreich ins Heutal ausbreitet, hat sich nicht bewahrheitet. Doch wie Kreisbrandrat Christof Grunder betont: „Wir sind immer noch dabei, die Ausbreitung zu verhindern.“
Extreme Belastung
für die Helfer
Der Einsatzleiter, der bereits Einblicke in die großen Belastungen für Mensch und Maschine gegeben hat, schilderte bei der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag im Landratsamt Traunstein, dass die Lage zwar stabiler geworden sei. Grund dafür war neben dem unermüdlichen Einsatz der Helfer die Entscheidung, mit den Helikoptern aus der Luft die Ränder des Brandgebiets zu befeuchten. Dass im Wald Brandschneisen geschlagen wurden, half ebenfalls. Doch insbesondere der südliche Bereich bereitete neue Probleme (Live-Ticker zum Nachlesen).
„Zu Fuß und mit Fahrzeugen ist das Steilgebirge teilweise überhaupt nicht zugänglich. Permanent kommen Steinschläge hinunter und damit auch abgebranntes oder brennendes Material“, erläutert Grundner, der die Zusammenarbeit mit den anderen Behörden und Organisationen sowie die „schnellen, pragmatischen Lösungsansätze“ lobt.
Für den Versuch, die Ausbreitung einzudämmen, ist ein Taktikwechsel am heutigen Donnerstag geplant: Die Helikopterflüge werden reduziert, dafür kommen mehr Bodenkräfte zum Einsatz. „Das geht nur von den Wegen aus, was sehr aufwendig und personalintensiv ist. Außerdem müssen wir viel Material und Ausrüstung vorhalten“, verdeutlicht der Kreisbrandrat die anspruchsvolle Aufgabe.
Die Lage sei weiterhin „sehr angespannt“ und die Wetterprognose bereite weitere Sorgen: Regen wäre hilfreich, aber ein Unwetter mit Starkwinden könnte die Feuer neu entfachen.
Zur Brandursache lässt sich immer noch nichts mitteilen: Laut Grundner ist das Gelände weiterhin nicht zugänglich. „Das Feuer hat sich vom Gipfelbereich aus ausgebreitet, aber noch war niemand dort oben. Was genau passiert ist, können wir nicht sagen.“ Eine Prognose, wann der Waldbrand gelöscht ist, wollte er nicht abgeben. „Das kann nicht gesagt werden. Die Sicherheit der Kräfte im Gelände steht an erster Stelle: Da muss man sehr vorsichtig sein und genau abwägen. Die Planungen für die nächsten Tage laufen bereits.“
Landrat Andreas Danzer dankte dem Einsatzleiter und seinem Führungsteam, aber auch sämtlichen Helfern und Beteiligten für die „hervorragende Arbeit in einer hochdynamischen Lage“. Schon jetzt geht der Blick der Behörden in Richtung Zukunft, wie im Landratsamt deutlich wurde. Danzer gab an, sowohl mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger als auch mit Umweltminister Thorsten Glauber Kontakt aufgenommen zu haben. „Es wird im Nachgang einiges zu bereden geben“, verdeutlichte der Traunsteiner Landrat.
Was er damit meint: Auch die Wiederaufforstung des Schutzwaldes gerät in den Blickpunkt. „Es wurde die volle Unterstützung zugesagt“, versicherte Danzer. Wie viele Flächen sind betroffen? Was ist mit dem Wald, dem Boden und deren Funktionen? Fragen für die Zeit nach dem Ende des „K-Falls“. „Jetzt liegt der Fokus darauf, die Lage stabil zu halten, die tausend Glutnester zu bekämpfen, die Sicherheit der Kräfte zu gewährleisten und das Trinkwasserschutzgebiet Laubau zu schützen.“
Staatsminister Aiwanger nannte den Waldbrand einen „Super-GAU“, der nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Katastrophe sei, und würdigte die „vorbildliche Arbeit der Kräfte“. Auch er zeigte sich überzeugt davon, dass von Durchatmen keine Rede sein kann: Viele Glutnester glimmen unter der Erdoberfläche weiter und „ein frischer Wind kann plötzlich alles von Neuem entflammen“. Man sei sich der Verantwortung bewusst, weil eine so große Fläche betroffen sei, und werde alles gezielt absuchen und sich anschauen müssen. „Es wartet auch nach dem Löschen eine Menge Arbeit“, betonte Aiwanger.
Die „Betroffenheit der Ruhpoldinger Bevölkerung“ brachte Bürgermeister Justus Pfeifer zum Ausdruck. Der Saurüsselkopf sei mit seinem umliegenden Talkessel ortsbildprägend. „Wenn man tagsüber Rauchschwaden aufsteigen sieht und nachts den hellen Feuerschein erblickt: Das trifft einen persönlich ganz besonders“, verdeutlichte Pfeifer, dass es nicht nur ihm, sondern vielen Einwohnern ähnlich ergehe. Dass die Feuerwehr und die Gemeinde überörtliche Unterstützung zur Verfügung gestellt bekommen, dafür sei er „sehr dankbar“.
Deutlicher Appell
an den Freistaat
Als Bürgermeister seien ihm nicht nur die langfristige Wiederaufforstung wichtig, sondern auch die Prävention und Aufklärung. „Von Waldbränden und Trockenheit werden wir im Zuge des Klimawandels immer mehr betroffen sein“, setzte er an und teilte in Richtung von Aiwanger mit: „Es wird daher wichtig, dass die Gemeinden frühzeitig die Kapazitäten bekommen, schon vor dem Ausrufen des Katastrophenfalls tätig werden zu können. Den Kommunen muss etwas an die Hand gegeben werden, damit sie schon im frühen Stadium solcher Brände mit großem Gerät eingreifen können.“
Der Minister erklärte daraufhin zumindest, dass man sich auch landespolitisch hinterfragen müsse, ob die Technik zum Löschen ausreiche und ob genügend Hubschrauber zur Verfügung stünden. Der Brand- und Katastrophenschutz werde immer wichtiger, weil man mit mehr Waldbränden in Zukunft rechnen müsse. „Der Staat wird alles dafür tun, einsatzfähig zu sein“, betonte er.