Katastrophenfall schützt Trinkwasser

von Redaktion

Das Ausrufen des Katastrophenfalls wegen des Waldbrands bei Ruhpolding lag vor allem am Trinkwasserschutzgebiet Laubau. Selbst im Worst Case für die „Existenzgrundlage“ von 30.000 Menschen wäre weiterhin Wasser aus dem Hahn gekommen. Dennoch hatte der Schutz des Gebietes gute Gründe.

Ruhpolding – Als „oberstes Ziel“ beschrieben, geriet das Trinkwasserschutzgebiet Laubau schnell in den Fokus der Löschmaßnahmen. Schon bei der ersten Pressekonferenz anlässlich des Waldbrandes am Saurüsselkopf hatte Wolfgang Krämer vom Landratsamt Traunstein betont, dass hiermit ein wesentliches Kriterium für das Ausrufen des Katastrophenfalls erfüllt sei. „Mit dem Wasserschutzgebiet ist die Existenzgrundlage für die Bevölkerung betroffen“, erklärte der Abteilungsleiter für Sicherheit. Doch selbst im Worst Case hätte das nicht bedeutet, dass 30.000 Menschen plötzlich ohne Trinkwasser dastehen.

Trinkwasserversorgung
nicht beeinträchtigt

Niemand müsse dieses „Angstszenario“ befürchten, wie er auf Nachfrage versichert. Und durch die Löschmaßnahmen wurde das Übergreifen des Feuers auf das sensible Gebiet abgewendet: Die Trinkwasserversorgung war weder gefährdet noch beeinträchtigt. „Bis das Trinkwasser aus dem Hahn der einzelnen Verbraucher kommt, legt es einen langen Weg und viel Mühe zurück“, erklärt er, weshalb dem 3.000 Hektar großen Schutzgebiet dennoch eine so hohe Bedeutung zugekommen ist. Denn: Das grundsätzliche Ziel ist es, dass weitestgehend reines Grund- und Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden kann, ohne dass man es schwer aufbereiten muss.

Das Areal wird in drei unterschiedliche Zonen eingeteilt. Der vulnerabelste Bereich ist die Stelle mit der direkten Entnahme (Brunnen). Diese erste Schutzzone sei klassischerweise eingezäunt und bestehe nur aus wenigen Quadratmetern. „Die sogenannte Schutzzone 2 hängt sehr stark von der Geologie ab. Hier geht es darum, mikrobiologische Verunreinigungen zurückzuhalten“, so Krämer. Hier kommt die 50-Tage-Linie ins Spiel: Das heißt, am Rand der Zone 2 dauert es 50 Tage, bis das Wasser durchsickert und am Brunnen ankommt. Das soll auch dafür sorgen, dass etwa Krankheitserreger rechtzeitig absterben. In der dritten Schutzzone, die viel größer ist, geht es um die chemische Gefährdung.

Wie Krämer ausführt, gibt es noch ein zweites wichtiges Thema: Der Schutzwald sorgt mit seinen Hanglagen und dem Unterboden einerseits für eine natürliche Filterschicht, andererseits stellt er auch ein gutes Mittel bei Starkregen gegen Murgänge oder gegen Lawinen dar. Es ist dieser natürliche Kreislauf, den die Behörden unbedingt schützen wollen: für die Gegenwart, aber auch für die Zukunft. „Es handelt sich nicht um eine akute Gefährdung des Trinkwassers, etwa wenn Chemikalien ausgelaufen wären. Der Brand ist zum Glück nicht in die zweite Schutzzone vorgedrungen, aber selbst da würde es 50 Tage dauern, bis überhaupt Schadstoffe im Trinkwasser messbar wären.“

Beim Eindringen der Flammen in die zweite Zone wären technische Eingriffe nötig gewesen, unter anderem durch den Einbau von Filtrations- und Desinfektionsanlagen. „Das machen wir bei kurzfristigen Störfällen im Trinkwasser auch so, das hätten wir in den Griff bekommen“, teilt der Abteilungsleiter mit. Wäre die Schutzzone 1 betroffen gewesen, wäre tatsächlich eine Gefährdung des Trinkwassers im Raum gestanden – mit noch größeren Aufbereitungsmaßnahmen als Konsequenz und dem drohenden Verlust des Schutzgebietes.

„Deswegen wollen wir das Feuer so schnell es geht aufhalten, um möglichst viel Waldfläche zu erhalten oder wieder aufzuforsten. Das Schutzgebiet spielt nicht nur für heute und morgen eine Rolle, sondern auch für zukünftige Generationen: Dass es Wasser gibt und die Ressource Wasser auch geschützt bleibt“, betont Krämer. Für die Gemeinde Ruhpolding selbst dient Laubau nur als „Backup“, wie er sagt, da man hier auf andere Quellen zurückgreife. Vielmehr versorge das Schutzgebiet Traunstein, Inzell sowie Teile von Siegsdorf und damit insgesamt 30.000 Menschen.

Auch wenn der Waldbrand trotz erster Erfolge noch nicht gelöscht ist: Schon jetzt laufen Gespräche über die Wiederaufforstung, die viele Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Mittwoch bei der Pressekonferenz schilderte, fällt auch der Staatswald in seine Zuständigkeit.

Aiwanger: „Werden
niemanden im Stich lassen“

Durch die Flammen seien viele Fichten, Tannen und Lärchen betroffen, im Tal dagegen eher Buchen und Bergahorne. „Das sind wertvolle Bestände und wir müssen den Schutzwaldcharakter erhalten.“ Manche Bäume fielen auch dem Schlagen der zehn bis 30 Meter breiten Schneisen zum Opfer, um die Ausbreitung aufzuhalten.

Aiwanger betonte, dass eine schnelle Bestandsaufnahme benötigt und vermutlich eine gezielte Nachpflanzung benötigt werde. „Müssen Lawinenverbauungen erneuert und repariert werden oder braucht es neue, wo man bisher auf Baumschutz setzen konnte? Wir werden niemanden im Stich lassen“, versicherte der Minister. Weil es sich um Flächen der Bayerischen Staatsforsten handelt, kommen die Kosten auf den Freistaat zu und damit nicht auf die Gemeinde Ruhpolding, wie er abschließend erklärte.

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