Breitbrunn – „Leere Speicher helfen gar nichts“ und sich auf die Marktkräfte zu verlassen „ist viel zu risikoreich“, daher forderte der Bayerische Staatsminister Hubert Aiwanger bei einem Ortstermin beim größten Gasspeicher von ganz Bayern die Anlage einer nationalen Gasreserve. Er besichtigte jüngst zusammen mit Vertretern der Firma das Betriebsgelände und sprach sein klares „Nein“ zu der angedachten und schon beantragten Stilllegung des Gasspeichers aus.
Betrieb für Uniper
nicht mehr rentabel
Aiwanger warf in seiner Stellungnahme auch einen Blick über die Grenze nach Frankreich und nahm das französische Modell staatlicher Gasauktionen als Vorbild einer ähnlichen Lösung, um potenziellen Gasengpässen vorzubeugen. Auch der Staat ist an Uniper beteiligt, hat allerdings aus Brüssel die Auflage bekommen, bis Ende 2026 seine Anteile auf maximal 25 Prozent zu reduzieren.
1998 war der Gasspeicher, ein sogenannter Porenspeicher, zwischen Eggstätt und Breitbrunn in Betrieb gegangen, doch aufgrund der Marktsituation, die sich 2025 für den Konzern als unrentabel erwiesen hat, beantragte dieser 2025 die Stilllegung der riesigen Station. Als einer der größten Gasspeicherbetreiber in Europa sorge „Uniper Energy Storage“ dafür, dass Energie jederzeit dann flexibel zur Verfügung stehe, wenn sie gebraucht werde.
Doch mit einer Auslastung von acht Prozent sei der Speicherbetrieb einfach nicht rentabel, so Chief Operating Officer Holger Kreetz. Er nannte drei wesentliche Gründe, warum „aktuell keiner Gas speichert“. Zum einen sehen die Gastrader keinen Grund, um im Sommer billigeres Gas zu kaufen und für den Winter im Gaslager zu „bunkern“. Gewinne erzielten diese nur, wenn sie dann im Winter dieses teurer verkaufen könnten. Zum anderen gehörten Uniper nur die überirdischen Anlagen, die unterirdischen seien von der NAFTA geleast und der Vertrag laufe 2027 aus. Kreetz: „Es ist derzeit 10.000 Mal so viel Energie in Gasspeichern vorhanden als in Batterien“, deshalb seien diese ein zentraler Bestandteil der Energieversorgung. Dies betreffe aber nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa. 70 Prozent der Energie an kalten Wintertagen komme aus Gasspeichern, so sein Plädoyer. „Doch momentan verlieren wir mit dem Speicher Geld“, nannte er die geplante und beantragte Stilllegung, die der Konzern schon im vergangenen Jahr beantragt hatte. Er und sein Kollege Christian Barr, CFO bei Uniper, zeigten sich daher überaus dankbar, dass sie bei Staatsminister Hubert Aiwanger, in seinem Ressort, das auch für Bayerns Wirtschaft und Energieversorgung zuständig ist, zu einem Ortstermin gekommen waren.
Aiwangers Ansicht nach spiele ein Hinwarten zum Herbst und Winter nur den „Zockern“ in die Tasche und er war sich sicher, dass letztlich eine Lösung sei, die „politischen Vorgaben“ zu ändern. Ansonsten „spielen wir nur den Zockern in die Tasche“.
„Die Bundesregierung muss jetzt Zeichen setzen“, so sein Appell an die Bundesministerin Katharina Reiche, auf Bundesebene für Wirtschaft und Energie zuständig. Sein Appell galt aber auch der Bundesnetzagentur. Traditionell Aufgabe der Bundesnetzagentur ist unter anderem die Ausgestaltung der Bedingungen, zu denen Strom- und Gasanbieter die Netze zur Belieferung ihrer Kunden nutzen können. Zugleich wacht diese auch über den Wettbewerb.
Aiwanger zeigte zwar Verständnis für Uniper und den Wunsch der Stilllegung, machte aber auch vor Ort klar, dass hier durch das Bergamt ein eindeutiges „Nein“ erfolge. Auch für das gezielte Ausströmen des Kissengases, welches verhindert, dass der Speicher Schaden nimmt und Wasser eindringt, werde es keine Genehmigung geben. Der Speicher zwischen Breitbrunn und Eggstätt sei einfach zu wichtig für die Versorgung des Südens mit Energie, unterstrich er.
Speicher von
systemischer Bedeutung
Die Zahlen sind beeindruckend: Fast eine Milliarde Kubikmeter Arbeitsgas kann der Pufferspeicher im Süden Bayerns fassen. „Wenn wir jetzt beginnen, ihn zu füllen, dann sind wir im Oktober fertig“, so Alexander Gez, Betriebsbestandsleiter aller Anlagen von Uniper in Bayern.