Ein Abschiedvoller Hoffnung

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Am Bahnsteig beobachte ich, wie sich zwei Brüder verabschieden. Der eine hat den anderen zum Zug begleitet, den Koffer noch ins Abteil gehoben und winkt nun dem abfahrenden Zug hinterher. Der Bruder fährt davon – aber etwas von ihm bleibt spürbar da: die Erinnerungen und die Vertrautheit, die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden. Abschiede fallen uns Menschen nicht leicht.

Kinder ziehen aus. Geliebte Angehörige und Freunde sterben, brechen auf in andere Städte oder neue Lebensabschnitte. Manche Abschiede schmerzen besonders, weil wir sie uns nicht ausgesucht haben. Christi Himmelfahrt ist genau so ein Moment. Die Freunde Jesu stehen da und schauen ihm nach, erzählt die Apostelgeschichte. Fast ein wenig verloren. Aber die Bibel berichtet nicht von einem Abflug Jesu in weite Ferne.

Seine Nähe bleibt in einem Auftrag an seine Freunde: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Gott zieht sich nicht aus der Welt zurück. Er legt die Hoffnung dieser Welt in unsere menschlichen Hände. Darum ist Christi Himmelfahrt viel mehr als ein freier Donnerstag mit Biergarten für die feiernden Väter und Gelegenheit zu einem Kurzurlaub. Dieser Feiertag erinnert daran, dass der Himmel nicht irgendwo fern über den Wolken ist. Er beginnt dort, wo Menschen einander aufrichten, trösten und neue Hoffnung schenken. Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis dieses Festes: Der Himmel ist Gottes Vertrauen in uns mitten in der Welt. Vielleicht brauchen wir gerade deshalb morgen diesen Feiertag. Nicht als Brücke ins Wochenende. Sondern als Brücke zueinander.

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