Frust bei FDP über Überläufer Walter Pakulat

von Redaktion

Auf eine „Anstandspause“ hat Walter Pakulat verzichtet. Nur eine Woche nach seinem Austritt aus der FDP machte er seinen Eintritt in die Bayernpartei öffentlich. Mit Folgen für den Kreistag. Was sein Ex-Parteikollege dazu sagt und wer aufgrund des Wechsels zurückstecken muss.

Rosenheim – Wirklich überraschen dürfte diese Meldung niemanden mehr: Walter Pakulat ist der Bayernpartei beigetreten. Und hat damit das bestätigt, was wohl vor allem seine Ex-Parteifreunde in der FDP Rosenheim Land erwartet haben. Denn erst kürzlich ist er aus der FDP ausgetreten und hat der Partei damit ihren einzigen Sitz im Rosenheimer Kreistag genommen. „Ich wusste nicht, dass er es so schnell macht“, sagt der Kreisverbandsvorsitzende der FDP, Heinz Hilgendorf, auf OVB-Anfrage zum Übertritt. „Aber wir sind nicht weiter überrascht.“

FDP enttäuscht:
„Er hat uns betrogen“

Man habe nun bestätigt bekommen, was man zum Zeitpunkt von Pakulats Austritt bereits geahnt habe. Dennoch: „Die Enttäuschung ist groß.“ Besonders auch, da Pakulat nicht einmal eine „Anstandspause“ eingelegt habe. „Alle Achtung, was er für ein Parteisoldat ist“, ärgert sich Hilgendorf. Zudem wollte Pakulat seinen Posten im Kreistag nicht für ein anderes Parteimitglied räumen. „Das hatte er konsequent abgelehnt“, sagt der FDP-Vorsitzende. „Er hat uns betrogen.“

Bayernpartei spricht von
„sehr großem Erfolg“

Bei der FDP hat Pakulat also eindeutig verbrannte Erde hinterlassen. Auf fruchtbaren Boden hingegen traf der Ex-FDP-ler bei den Kreistagsmitgliedern der Bayernpartei. Denn ihnen fehlte zur Fraktionsstärke nur noch ein Mitglied. Mit dem Überlauf zur Bayernpartei krönte Pakulat sie also zur Drei-Personen-Fraktion, bestehend aus ihm, Helmut Freund und Robert Zehetmaier. Damit öffnet er auch die Ausschusstüren im Kreistag. Dementsprechend ist man bei der Bayernpartei „hocherfreut“ über den Überläufer von den Liberalen. „Dass die Bayernpartei mit Walter Pakulat einen derart engagierten, erfahrenen und kommunalpolitisch versierten Mandatsträger gewinnen konnte, ist für unsere Partei ein sehr großer Erfolg“, erklärt Freund.

Vor der Wahl sei ein Wechsel Pakulats auf Kreistagsebene nicht zur Sprache gekommen, betont Freund. „Sein Wechsel ist relativ kurzfristig konkret geworden.“ Und bei der Bayernpartei empfing man Pakulat mit offenen Armen. Politisch und in Bezug auf die Programmatik standen sich Pakulat und die Bayernpartei ohnehin nah, erklärt Freund. Und: „Es ist ein sehr schöner Nebeneffekt des Ganzen, dass wir nun in Fraktionsstärke auftreten können.“

Landrat: Entscheidung
kam überraschend

Ein solcher Wechsel wie der von Pakulat ist nicht ungewöhnlich. „In den 24 Jahren, in denen ich dem Kreistag angehöre, kam es immer wieder einmal vor, dass Kreistagsmitglieder aus Fraktionen ausgetreten sind oder die Partei beziehungsweise die zugehörige Gruppierung gewechselt haben“, erklärt Landrat Otto Lederer auf OVB-Anfrage. Er merkt aber auch an: „Dass dies so kurz nach der Kommunalwahl stattfindet, ist eher selten.“

Für Lederer kam die Entscheidung Pakulats überraschend, wie er sagt. „Auch wenn es schon seit vielen Jahren eine gewisse Nähe zwischen Walter Pakulat und der Bayernpartei gibt.“ Das zeigte sich auch schon bei der Wahl des Bruckmühler Gemeinderats. Dort trat Pakulat schon für die Bayernpartei an.

Bayernpartei erhält
Sitz der Linken

Zwischen Enttäuschung bei der FDP und Freude bei der Bayernpartei gehen mit dem Wechsel auch Änderungen für den Kreistag einher. Denn: „Den geänderten Stärkeverhältnissen im Kreistag ist bei der Besetzung von Ausschüssen Rechnung zu tragen“, erklärt Lederer. Das heißt konkret: Die Bayernpartei erhält einen Sitz im Kreisausschuss – zulasten der Linken. Zudem erhält die neue Fraktion einen Sitz in jedem Ausschuss mit 14 Mitgliedern, wie eine Sprecherin des Landratsamts auf Anfrage erklärt.

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