Den Eltern verkaufte er sich als „netter Onkel“

von Redaktion

Er passte auf die Kinder der betroffenen Familien auf, nahm die vier Mädchen mit zu Ausflügen und Shopping-Touren – und missbrauchte sie weit über hundert Mal. Jetzt hat das Landgericht einen Mann aus dem Landkreis Rosenheim zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Landkreis Rosenheim/ Traunstein – Nach nur zwei Verhandlungstagen hat das Traunsteiner Landgericht kürzlich in einem Fall schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ein Urteil gefällt: Ein Mann aus dem südlichen Landkreis Rosenheim muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis.

Taten zogen sich
über fünf Jahre

Außerdem ordnete der Vorsitzende Richter Andreas Bartschmid einen Alkoholentzug an. Die Therapie kann der 44-Jährige allerdings erst nach vier Jahren und einem Monat Haft antreten.

Der Angeklagte räumte die Taten gleich zum Prozessbeginn ein. Insgesamt 115 Taten wurden ihm vorgeworfen.

Das Urteil lautete auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung und Kinderpornografie. Durch das Geständnis blieb es den vier betroffenen Mädchen erspart, noch einmal vor Gericht aussagen zu müssen.

Alles spielte sich zwischen Anfang 2019 und Frühjahr 2024 ab. Das jüngste der Kinder war damals gerade mal acht Jahre alt. Heute sind die Mädchen zwischen 14 und 19. Die Mädchen stammen aus vier verschiedenen Familien.

Richter Bartschmid sprach von „ekeligen und abstoßenden Praktiken“. Oft ging es bis zum ungeschützten Geschlechtsverkehr, manchmal war auch ein zweites Mädchen bei dem Missbrauch dabei.

Eine der Geschädigten sagte laut einem Ermittler der Kriminalpolizei, sie hätte „fast jeden Tag“ Geschlechtsverkehr mit dem 44-Jährigen gehabt. Laut Gericht habe der Mann einem der Mädchen auch einmal den Mund zugehalten, bis es keine Luft mehr bekam, weil sie „Nein“ sagte. Weite Teile der Verhandlung fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

„Manche der Eltern wollten es erst gar nicht glauben“

Für die vier betroffenen Familien, die sich untereinander gut kannten, war der Angeklagte so etwas wie „der nette Onkel“: Er passte auf die Kinder auf, beschenkte die Mädchen immer wieder mal, zahlte ihnen Nagelstudios, Friseurbesuche oder Shopping-Touren, berichtete der Kriminalpolizist. Später habe er sie auch mit Alkohol oder Zigaretten versorgt. „Die Eltern hatten volles Vertrauen in ihn“, so der Ermittler: „Niemand hatte sich etwas gedacht. Manche Eltern wollten es erst gar nicht glauben, als sie von dem Missbrauch erfahren hatten.“

„Als zwei ältere Mädchen irgendwann nicht mehr zur Verfügung standen, hat der Angeklagte die zwei jüngeren Kinder herangezogen“, beschrieb Richter Bartschmid das Vorgehen des 44-Jährigen. Eines der jüngeren Mädchen öffnete sich schließlich ihrem Vater, der ging zur Polizei.

So zog das Ganze immer weitere Kreise und auch die anderen Fälle wurden bekannt. „Sie hat zu kämpfen und verkraftet alles nur schwer“, so der Vater, der die ersten Fälle meldete, über seine Tochter. Die Aussagen der Mädchen waren laut dem Richter „glaubhaft“ – genauso wie auch das Geständnis des Angeklagten.

Angeklagter schon seit
August 2025 hinter Gittern

In den Plädoyers forderte Staatsanwalt Florian Jeserer neun Jahre Haft. Verteidiger Alexander Kohut beantragte sechs Jahre. Die Taten spielten sich beim 44-Jährigen daheim ab, aber auch im Zuhause der Mädchen.

In den Augen des psychiatrischen Sachverständigen war der Angeklagte voll schuldfähig. Aber auch er empfahl wegen des hohen Alkoholkonsums eine Therapie.

Vorbestraft war der Mann nicht. Bereits seit dem 11. August 2025 sitzt er in Untersuchungshaft. Er wuchs in Thüringen auf, schloss eine Maurerlehre ab und kam über Montageaufträge nach Oberbayern.

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