Rosenheimer Experte über Hantavirus-Gefahr

von Redaktion

Nach Todesfällen durch das Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff geben das Gesundheitsamt Rosenheim und weitere Experten eine Einschätzung zur Ansteckungsgefahr in der Region. Eine neue Pandemie sei derzeit nicht zu befürchten, heißt es von offizieller Seite.

Rosenheim – Die Nachrichten beunruhigen: Auf dem Polar-Kreuzfahrtschiff „Hondius“ starben drei Menschen, andere infizierten sich und müssen nun, nach der Evakuierung des Schiffs, für Wochen in Quarantäne. Eine Passagierin aus Frankreich ist schwer erkrankt; sie befindet sich in einem kritischen Zustand. Das Hantavirus machte in den vergangenen Tagen weltweit Schlagzeilen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Verschiedene
Erreger-Versionen

Prof. Norbert Ahrens ist Geschäftsführer des Medizinischen Labors Rosenheim. Was Ärzte in der Region an Proben gewinnen, wird oft dort analysiert. Wie während der dramatischsten Phasen der Corona-Pandemie. „Grundsätzlich ist das Hantavirus ein Erreger, auf den man achten muss“, sagt Ahrens auf Anfragen des OVB. Doch wie sind seine Erwartungen? Droht da eine neue Epidemie? Eher nicht, sagt er, „da bin ich sehr optimistisch“. Hantaviren kommen selten vor, werden aber auch in Deutschland immer wieder festgestellt. Auch im Landkreis Rosenheim wurden Fälle registriert, allerdings ist das offenbar fast zehn Jahre her. „Seit Bestehen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) wurden in den Jahren 2010 bis 2017 insgesamt sieben Hantavirus-Fälle aus Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet“, berichtet das Landratsamt Rosenheim auf Anfragen des OVB.

Es existieren verschiedene Versionen des Erregers, unterschiedlich auch in der Gefahr, die sie für den Menschen darstellen. Übertragen werden sie von Nagern. Wie von der in Deutschland heimischen Rötelmaus, die bevorzugt den Puumala-Typ und das Dobrava-Belgrad-Virus trägt.

„Das Virus wird allerdings nicht von der Maus selbst übertragen, sondern über ihre Exkremente, also die Kötel oder den Urin“, sagt Ahrens.

Getrocknet könnten Partikel dieser Hinterlassenschaften in die Luft gewirbelt und dann eingeatmet werden, etwa beim Fegen einer Terrasse oder eines Schuppens. In der Folge kann sich daraus eine Infektion entwickeln. Die macht sich beim Menschen manchmal erst sechs Wochen später bemerkbar, mit Symptomen vergleichbar denen einer schweren Grippe.

„Es ist gut, zu wissen, dass Mäusekötel ein Problem darstellen“, meint Ahrens. „Aber das heißt nicht, dass man sich auf etwas Neues einrichten muss.“ Was dagegen die Lage auf dem Schiff so brisant machte, ist der Virentyp. Auf der „Hondius“ infizierten sich die Reisenden offenbar mit dem Andes-Typ, einer aus Südamerika stammenden Variante. Sie ist von Mensch zu Mensch übertragbar – und erheblich gefährlicher als andere Typen. „Während hierzulande überwiegend mildere Verläufe mit Nierenbeteiligung auftreten, können die südamerikanischen Hantaviren ein schweres pulmonales Krankheitsbild mit rascher Verschlechterung und hoher Letalität verursachen“, heißt es seitens des Robert-Koch-Instituts.

Für die hohe Sterblichkeit sei die durch das Hantavirus ausgelöste schwere Lungenentzündung verantwortlich, berichtet das Gesundheitsamt in Rosenheim. So muss es auch auf der Hondius zugegangen sein, mit schlimmeren Folgen als an Land, wo den Medizinern in Kliniken ganz andere Mittel zur Verfügung stehen.

Neue Epidemie
nicht zu befürchten

Aufmerksam blicken Experten nun auf den Zustand der evakuierten Passagiere, darunter die schwer erkrankte Französin, die über eine Herz-Lungen-Maschine versorgt wird. Eine Kontaktperson ist im Schwabinger Krankenhaus in München unter Beobachtung. Symptome wurden noch keine festgestellt, heißt es.

Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts in Rosenheim, gibt daher Entwarnung: „Hantaviren sind in der Übertragbarkeit nicht mit Masern oder dem Coronavirus zu vergleichen. Eine neue Epidemie oder sogar eine Pandemie ist derzeit nicht zu befürchten.“

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