Goldmann muss sein Mandat abgeben

von Redaktion

Josef Goldmann muss sein Amt als Gemeinderat in Kiefersfelden nach zwölf Jahren abgeben. Obwohl er bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen erhielt, verhindert eine Doppelfunktion als Leiter des Klärwerks seine weitere Amtszeit. Das Landratsamt hat das Wahlergebnis entsprechend berichtigt.

Kiefersfelden – „Die Welt ist mehr als Kiefersfelden”, sagt Josef Goldmann zum Abschied gegenüber dem OVB. Und doch war es genau diese Gemeinde, für die er sich so lange eingesetzt hat. Erst als engagierter Bürger, seit 2014 im Gemeinderat und sechs Jahre lang sogar als Dritter Bürgermeister.

„Habe mich für
Kiefersfelden eingesetzt“

Auch bei der Kommunalwahl 2026 trat Goldmann wieder für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UW) Kiefersfelden an und sammelte hinter dem amtierenden Bürgermeister Hajo Gruber die meisten Stimmen aller Kandidaten. „Ich habe mich immer zu 100 Prozent für die Kiefersfeldener eingesetzt und hätte das auch weiterhin gerne getan“, sagt der 60-Jährige. Doch am 8. Mai bekam er einen offiziellen Bescheid des Rosenheimer Landratsamtes, der das Kiefersfeldener Wahlergebnis „berichtigt“ und Josef Goldmann von der Liste nimmt.

Überrascht wurde der Dritte Bürgermeister davon allerdings nicht. „Sogar der Rosenheimer Landrat hat mich vorher angerufen und gesagt, dass es ihm leid tut“, meint Goldmann. Denn bereits vor der Wahl zeichnete sich ab, dass es ein Problem mit seiner Doppelfunktion als Gemeinderatsmitglied und Klärwerksleiter geben könnte.

Laut Artikel 31 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern darf ein Arbeitnehmer der Gemeinde kein ehrenamtliches Mitglied im Gemeinderat sein. Als Leiter des gemeindlichen Kiefersfeldener Klärwerks trifft Goldmann genau dieser Widerspruch. „Dieser Situation waren wir uns alle bewusst“, erklärt Bürgermeister Hajo Gruber. Allerdings lässt Artikel 31 der Gemeindeordnung auch einen gewissen Spielraum. So fallen „überwiegend körperliche Arbeiten” nicht unter diese Einschränkung. „Und auch als Leiter des Klärwerks muss ich durchaus immer wieder mit hinlangen“, meint Goldmann.

Doch aus dem Bescheid des Rosenheimer Landratsamts ist zu entnehmen, dass die Ausnahmeregel in diesem Fall nicht greift. Demnach deuten weder die allgemeine Stellenbeschreibung noch der Lohn auf eine überwiegend körperliche Arbeit hin. Die bittere Folge: Josef Goldmann muss sein Amt als Gemeinderat abgeben. Dass diese „Berichtigung“ des Landratsamtes erst nach zwei Amtszeiten im Briefkasten von Goldmann landete, ist kein Zufall. Schon vor der Kiefersfeldener Kommunalwahl wurden vereinzelte Stimmen rund um die bisher tolerierte Ausnahmesituation lauter. Eine dieser Stimmen muss sich dementsprechend an das Landratsamt gewandt haben. „Beim Landratsamt ging eine Eingabe ein, in welcher auf das Amtshindernis von Herrn Goldmann hingewiesen und um rechtsaufsichtliche Prüfung und Einschreiten gebeten wurde“, bestätigt Landratsamt-Pressesprecherin Sybille Gaßner-Nickl auf OVB-Nachfrage. Grundsätzlich habe man von Amts wegen nach Durchführung der Gemeindewahlen das vom Wahlausschuss festgestellte Ergebnis zu prüfen. „Eine vertiefte Prüfung erfolgt aber nur, soweit bereits konkrete Anhaltspunkte für Unrichtigkeiten vorliegen“, sagt die Sprecherin. Das sei in Kiefersfelden schon vor dem Hinweis der Fall gewesen. Doch auch wenn der Bescheid für Goldmann hart sein muss, möchte er keine Spekulationen anstellen und erst recht keine schlechte Stimmung aufkommen lassen. „Ich werde keinen Einspruch gegen den Bescheid einlegen, damit das alles möglichst schnell abgeschlossen ist und der Gemeinderat seine Arbeit aufnehmen kann“, sagt er. „Außerdem möchte ich mich für die zahlreichen Stimmen bei der Wahl sowie das Vertrauen in den vergangenen Jahren bedanken.“ Für ihn wird ein Mitglied von der Liste der UW Kiefersfelden nachrücken.

Goldmann gehörte
zum Stammpersonal

Der 60-Jährige wird nach zwölf Jahren im Amt fehlen. „Ich persönlich finde es unglaublich schade. Sepp Goldmann gehörte zu meinem Stammpersonal, war einer meiner wichtigsten Ansprechpartner und verdient allerhöchsten Respekt“, sagt Bürgermeister Hajo Gruber, der die Entscheidung ebenso akzeptieren muss und wird wie sein Stellvertreter. Goldmann ist seit Jahrzehnten fest in die Gemeinde integriert, ist Ehrenvorstand im Trachtenverein GTEV Kiefersfelden und arbeitet seit 1996 in der Kläranlage.

Die Zeit im Gemeinderat wird damit so enden, wie Goldmann es vorgelebt hat – im Sinne von Kiefersfelden. Ohne ein schlechtes Wort und ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Ich bekomme einen Hundewelpen und habe fünf Enkelkinder, für die ich nun mehr Zeit habe”, sagt Goldmann und verspricht, trotzdem für jeden da zu sein, der ein wichtiges Anliegen hat. „Und zwar egal, woher er kommt oder wie er aussieht.“ Denn im Leben, so Goldmann, geht es eben doch um mehr als Kiefersfelden.

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