Notgroschen trotz Inflation: Was Experten raten

von Redaktion

Ob ein plötzlicher Jobverlust oder eine kaputte Waschmaschine – für solche Notlagen sind finanzielle Rücklagen entscheidend. Experten aus der Region erklären, wie hoch der Notgroschen sein sollte, wo man ihn anlegt und wie auch Menschen mit geringem Einkommen ein Polster aufbauen können.

Rosenheim – Ein kaputtes Auto, eine hohe Zahnarztrechnung oder eine Trennung – finanzielle Notlagen kommen selten mit Ansage. Genau dafür gibt es den Notgroschen: Rücklagen, die einspringen, wenn es ernst wird. „Ein Notgroschen ist Geld, das man für unerwartete Ausgaben bereit hat, wie die Autoreparatur oder wenn man plötzlich arbeitslos wird“, sagt Timo Halbe, Experte für Geldanlagen bei Finanztip, einer Stiftung mit Zweigstelle in München, die Finanzbildung fördert.

Doch rund 27 Prozent der Haushalte in Deutschland haben laut einer Umfrage der Bank ING keinen Notgroschen – im Vorjahr waren es noch 23,5 Prozent. Die Hälfte davon sagt, dass schlicht kein Geld zum Sparen übrig bleibt. Etwa jeder Fünfte gibt an, dass die gestiegenen Lebenshaltungskosten seine Rücklagen aufgezehrt haben.

Existenzminimum
als Orientierung

Dabei geht es beim Notgroschen nicht nur um Zahlen, sondern auch um Sicherheit. Wer Rücklagen hat, kann gelassener mit Geld umgehen, Investitionen entspannter angehen oder einen Jobwechsel wagen, ohne sofort unter Druck zu geraten.

Wie hoch dieser Puffer sein sollte, darüber gibt es verschiedene Faustregeln. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern nennt als Empfehlung „zwei bis drei Nettomonatseinkommen“. Timo Halbe empfiehlt sogar drei bis sechs Nettomonatsgehälter, betont aber zugleich, dass die individuelle Lebenssituation entscheidend ist. Beamte mit sicherem Einkommen kämen oft mit weniger aus, während Selbstständige deutlich mehr zurücklegen sollten, wenn ihre Einnahmen schwanken.

Auch für Birgit Noll-Rehm, Leiterin der Schuldnerberatung der Caritas in Bad Aibling, ist die persönliche Situation ausschlaggebend. „Natürlich sind Rücklagen wichtig und notwendig“, sagt sie. Ihre Höhe hänge aber davon ab, „wie groß die Familie ist, wie hoch die Miete ist und welche persönlichen Bedürfnisse bestehen“. Als untere Orientierung nennt sie das Existenzminimum – also den notwendigen Betrag, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten wie Nahrung, Kleidung und Hygieneartikel zu decken.

Experte: Guter Überblick
ist der größte Hebel

Entscheidend ist jedoch nicht nur die Höhe, sondern auch die Art, wie das Geld zurückgelegt wird. Ein Notgroschen muss jederzeit verfügbar sein und darf keinen größeren Wertschwankungen unterliegen. Hier bietet sich ein gut verzinstes Tagesgeldkonto an. Allerdings liege bei vielen der Notgroschen noch immer bei Filialbanken, „wo die Zinsen oft unter einem Prozent liegen“, warnt Timo Halbe.

Auch das Girokonto eignet sich nicht besonders zum Parken des Notgroschens. „Dort nagt die Inflation daran – der Wert geht also zurück“, erklärt der Experte für Geldanlage.

Sascha Straub ergänzt einen weiteren kritischen Punkt: „Da müsste man sehr diszipliniert sein, dass man ihn nicht für andere Dinge wie Urlaub ausgibt.“ Wird Geld aus dem Notgroschen entnommen, müsse er konsequent wieder aufgefüllt werden. Dafür „kann man den Sparplan dann auch pausieren“, sagt Timo Halbe.

Auch bei der Frage nach Investition gegen Notgroschen ist seine Haltung eindeutig: „Ganz klar zuerst auf den Notgroschen konzentrieren.“ Erst wenn diese Basis steht oder Schulden abgebaut sind, sollte Geld in ETF-Sparpläne oder andere Anlagen fließen. Denn ohne Sicherheitsnetz kann selbst eine kleine Krise große Folgen haben.

Für viele bleibt allerdings die zentrale Herausforderung: überhaupt anzufangen. Gerade bei geringem Einkommen scheint ein Notgroschen oft unerreichbar. „Der stärkste Hebel ist, sich einen Überblick zu verschaffen“, empfiehlt Timo Halbe. Ein Haushaltsbuch über ein, zwei Monate kann helfen, Ausgaben besser zu verstehen und Einsparpotenziale zu erkennen – etwa bei Energieverträgen oder laufenden Abos. Auch kleine Beträge sind dabei ein erster Schritt in Richtung finanzielle Sicherheit.

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