Nach Großeinsatz an Kampenwand bleiben viele Fragen offen

von Redaktion

Rettungskräfte suchen über Stunden nach vermisster Frau mit überraschender Wende – Einsatz durch ungenaue Angaben erschwert

Aschau – Dunkelheit. Kälte. Links und rechts steile, felsige Abhänge. Es geht keinen Meter mehr vor oder zurück. So ähnlich muss die Nachricht gelautet haben, die am späten Sonntagabend über den Notruf bei der Polizei in Prien einging.

Ein Anrufer meldete, dass eine ihm bekannte Frau (50) an einem Gipfelkreuz im Kampenwandgebiet festsitzt und sich nicht mehr runtertraut. Zudem könnte sie sich in einer hilflosen Lage befinden. Viel mehr habe der Anrufer nicht mitteilen können. Nur, dass sich die 50-Jährige ihm anvertraut habe. Weder konnte der Anrufer Genaueres zum Aufenthaltsort der Vermissten sagen noch zum Gesundheitszustand.

Hinweise des Anrufers
wurden ernst genommen

Dass es sich um einen Scherz handelt oder jemand sich etwas ausgedacht hat, sei aber zu keinem Zeitpunkt vermutet worden. „Das ist natürlich auch immer eine Gratwanderung für uns, wenn solche Hinweise kommen. Aufgrund der Schilderungen der Person haben wir das als sehr ernst zu nehmenden Hinweis eingestuft“, sagt Jürgen Thalmeier, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Prien.

Wegen der ungenauen Angaben und der geschilderten persönlichen Vorgeschichte der Vermissten rückten gegen 21.30 Uhr zahlreiche Rettungskräfte aus, um nach der 50-Jährigen zu suchen. „Unser erster Ansatzpunkt war der Gipfel der Kampenwand selbst“, sagt Thalmeier. Da der Berg aber von mehreren Seiten aus bestiegen werden kann, wurden neben der Bergwacht Aschau-Sachrang auch die Kollegen aus Grassau, Rosenheim-Samerberg und Brannenburg alarmiert. Insgesamt suchten über 25 ehrenamtliche Retter nach der vermeintlich Vermissten. Genauso wie Polizisten der Alpinen Einsatzgruppe und ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera.

Während die Polizisten versuchten, vom Tal aus weitere Informationen über die 50-Jährige zu sammeln, teilten sich die Rettungskräfte der Bergwacht in mehrere Teams auf – um das Suchgebiet so schnell wie möglich einzukreisen. Auch, weil zu dem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich die Frau möglicherweise doch wieder bewegte und in der Dunkelheit am Berg herumwanderte, betont Thalmeier. Erschwerend kam hinzu, dass nicht zu 100 Prozent klar war, dass es sich um den Gipfel der Kampenwand handelt. „Es hieß nur ein Gipfel im Kampenwandbereich, da gibt es mehrere Möglichkeiten“, sagt Martina Bauer von der Bergwacht Aschau-Sachrang.

Wanderwege, Almen,
Parkplätze abgesucht

Über Stunden seien die Einsatzkräfte alle bekannten Wanderwege an der Kampenwand abgegangen. Man dürfe sich das aber nicht so vorstellen, dass die Bergretter im „Zickzack über die Almwiesen“ rennen. „Wir sind auf den Hauptwegen geblieben und haben alles abgesucht, was im Bereich unserer Stirnlampen war“, sagt die Bergretterin. Bereiche, die zu Fuß zu gefährlich waren – wie steile Abhänge oder Kletterabschnitte –, seien mit dem Hubschrauber abgeflogen worden. Von der vermissten Frau fehlte trotzdem jede Spur.

Das blieb auch so, als die Bergretter in sämtlichen Hütten und Almen nachschauten. Von der Alpenvereinshütte bis zur Kampenwandbahn. „Man muss in jedes Gebäude schauen, da die Person dort ja Unterschlupf gesucht haben könnte“, sagt Bauer. Gleichzeitig seien alle Parkplätze und Zufahrtswege rund um die Kampenwand von den Polizisten abgefahren worden. „Irgendwann wussten wir, dass die Frau aus Baden-Württemberg stammt, und haben entsprechend nach Kennzeichen gesucht“, sagt Jürgen Thalmeier. Auch das ohne Erfolg.

Die Ermittlungen der Polizei seien zur gleichen Zeit allerdings vorangekommen. „Nachdem am Berg niemand war, in den Hütten nicht und auch kein Auto gesichtet wurde, gab es keinerlei Anhaltspunkte, dass sich die Frau tatsächlich hier aufhält“, sagt der Polizist. Bestätigung gab es aus Baden-Württemberg. „Von der örtlich zuständigen Polizeidienststelle dort haben wir erfahren, dass sich die Frau vor Ort aufhält“, teilt Thalmeier mit. Den Beamten im Nachbarbundesland sei die Frau bereits bekannt.

Suche nach mehreren
Stunden beendet

So habe die Suche im Kampenwandgebiet gegen 3 Uhr in der Früh beendet werden können. Die Zeit von fast sechs Stunden sei aber noch „völlig im Rahmen“ gewesen, betont Martina Huber von der Bergwacht. Manchmal gebe es auch Vermisstenfälle, da suche die Bergwacht über mehrere Tage. Und manchmal sei das Ende nicht so glücklich wie in diesem Fall.

Weitere Ermittlungen in dem Fall wird es nicht geben, wie Jürgen Thalmeier mitteilt. „Alles Weitere übernehmen jetzt die Kollegen in Baden-Württemberg, für uns ist der Einsatz erledigt.“ Julian Baumeister

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