WV-Chef Reinhold Frey verabschiedet

von Redaktion

Beim Wirtschaftlichen Verband in Rosenheim endet eine Ära: Nach 21 Jahren geht der Vorsitzende Reinhold Frey in den Ruhestand. Zum Abschied wurde er für sein Engagement mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt geehrt. Sein Nachfolger ist Tobias Tomczyk.

Rosenheim – Reinhold Frey ist niemand, der gerne im Mittelpunkt steht. Keine Rampensau. Er ist ein Freund der leisen Töne. Ein Moderator. Zurückhaltend, mit angezogener Handbremse. So jedenfalls beschrieb ihn Oberbürgermeister Abuzar Erdogan an diesem Abend. Eingeladen hatte der Wirtschaftliche Verband zur Mitgliederversammlung ins Kultur- und Kongresszentrum. Und doch drehte sich die Veranstaltung vor allem um den Mann, der 21 Jahre lang an der Spitze der Organisation saß.

17 Jahre im Amt
des Vorsitzenden

„Reinhold Frey ist nach Josef Großmann der am längsten amtierende Vorsitzende in der inzwischen 96-jährigen Geschichte des Wirtschaftlichen Verbands“, sagte Erdogan. 21 Jahre lang war Frey Teil des Vorstands, seit 17 Jahren ist er dessen Vorsitzender.

Mit seinem Abschied geht eine Ära zu Ende. Für Erdogan Anlass genug, auf die vergangenen Jahre zu blicken und mit den zahlreichen Teilnehmern die eine oder andere Anekdote über ihren langjährigen Vorsitzenden zu teilen.

Beispielsweise von dem Tag im Jahr 2014, als Frey überraschend seinen Rücktritt erklärte. Er war mit einer Satzungsänderung nicht einverstanden. Nachdem eine Diskussion ergebnislos geblieben war, packte er kurzerhand seine Tasche und ging. Es sei der einzige große Knall während seiner Amtszeit gewesen. „Zum Glück hat er sich in den darauffolgenden Tagen von zahlreichen Leuten zum Weitermachen überreden lassen“, sagte Erdogan.

Sitzungen und Besprechungen verließ er aber auch weiterhin – nämlich dann, wenn Dinge nicht so funktionierten, wie er es wollte, oder wenn städtische Bürokraten sich ihm in den Weg stellten. Aber er machte die Tür nie vollständig zu. Auch das habe ihn in all den Jahren ausgezeichnet.

Geradlinig sei er gewesen. Immer seinen Prinzipien treu. Ein Freund klarer Entscheidungen, jemand, der das Unmögliche versuchte und schaffte. Ein Taktgeber. Ein Möglichmacher. Dass seine Art, den Wirtschaftlichen Verband zu führen, funktionierte, zeigt ein Blick auf das Erreichte.

Die Satzung wurde überarbeitet, mit der Rosenheimer Golfwoche ein neues Veranstaltungsformat eingeführt. Zudem gab es in Freys Amtszeit einen Mitgliederzuwachs von 70 Prozent – von 500 auf über 850. „Das zeigt, dass du mit deinem Weg nie falschgelegen hast“, sagte Erdogan.

Insgesamt habe der Wirtschaftliche Verband unter der Führung seines Vorsitzenden 150.000 Euro an Spenden und über eine Million Euro an Förderungen in die Region verteilt. „Das ist ein Musterbeispiel von ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement“, lobte der Oberbürgermeister.

Und so ließ er es sich nicht nehmen, Reinhold Frey an diesem Abend die Goldene Bürgermedaille zu verleihen – als Zeichen der Anerkennung und Würdigung. Es ist die zweithöchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat. Gemeinsam mit seiner Frau Christine nahm Frey die Ehrung entgegen. Er schüttelte Hände, posierte für Fotos. Viele Worte fand er am Ende nicht mehr. „Es ist ein wenig viel des Guten“, sagte er sichtlich bewegt.

Es seien 21 anstrengende Jahre gewesen. Spaß habe ihm die Arbeit aber immer gemacht. Er bedankte sich für die Zusammenarbeit und übergab seinen Verband dann offiziell an seinen Nachfolger.

Mit 90 Prozent der Stimmen sprachen sich die Mitglieder für Tobias Tomczyk aus. Seine Stellvertreterin ist ab sofort Denise Schurzmann. Sie führt das Familienunternehmen „Krause Industrieschaltanlagen“, wurde als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet und ist die Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Deutschland. „Du hast mich über lange Zeit motiviert, ermutigt und mit sehr höflicher, aber ausgesprochen nachhaltiger Beharrlichkeit davon überzeugt, dein Nachfolger zu werden“, sagte Tobias Tomczyk.

Frey habe die Übergabe weit im Voraus geplant, sei immer kooperativ, offen, transparent und großzügig gewesen. „Du hast Entscheidungen nicht am Ende geklärt, sondern über Jahre hinweg mit mir gemeinsam vorbereitet und getroffen“, fuhr er fort.

Hintergründe wurden offengelegt, Zusammenhänge erklärt und die Verantwortung geteilt. „Dabei hast du deine eigene Person nie vor die Sache gestellt“, sagte Tomczyk.

Er dankte seinem Vorgänger für die Neuausrichtung und die Verjüngung des Vorstands. Frey habe den Generationswechsel bewusst eingeleitet. Das Ergebnis könne sich sehen lassen: neue Köpfe, jüngere Perspektiven, andere Sichtweisen auf die Arbeit, neue Formen der Kommunikation, digitale Präsenz, Nachhaltigkeit und ein anderer Blick auf die Zusammenarbeit.

Strukturell klar,
menschlich verbunden

„Du übergibst ein gut bestelltes Haus – strukturell klar, wirtschaftlich solide und menschlich verbunden“, lautete das Fazit von Tobias Tomczyk. Unter Standing Ovations wurde Frey anschließend offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dass er an diesem Abend im Mittelpunkt stand, daran führte auch für Reinhold Frey kein Weg vorbei.

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