Rosenheim – Es sind Geschichten, die meist im Verborgenen beginnen. Hinter Wohnungstüren. Hinter einem stillen Rückzug. Hinter Angst, Scham oder dem Gefühl, mit dem eigenen Leid allein zu sein. Genau dort setzt die Arbeit von MaVia an – dem ehemaligen Frauennotruf Rosenheim. Der Verein ist heute für viele Frauen, Kinder und Jugendliche in Rosenheim und Miesbach eine der wichtigsten Anlaufstellen überhaupt, wenn häusliche oder sexualisierte Gewalt das Leben erschüttert.
Bei der Jahreshauptversammlung wurde spürbar, wie sehr diese Arbeit gebraucht wird. Die Begrüßungsworte sprach Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, der den Verein seit vielen Jahren als Mitglied begleitet und die Bedeutung der Einrichtung für die Region hervorhob.
Was MaVia täglich leistet, lässt sich kaum allein in Zahlen ausdrücken. Denn hinter jeder Beratung steht ein Mensch, der oft lange geschwiegen hat. Frauen, die Gewalt erlebt haben. Kinder, deren Vertrauen missbraucht wurde. Angehörige, die nicht wissen, wie sie helfen können. Menschen, die erst bei „MaVia“ das Gefühl bekommen, ernst genommen und nicht allein gelassen zu werden.
Gerade deshalb sei es erschütternd, dass immer noch viele hilfebedürftige Menschen gar nicht wissen, dass es diese Anlaufstelle überhaupt gibt. Dabei begleitet MaVia Betroffene nicht nur in akuten Krisen, sondern auch auf dem oft langen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Neben der Beratung gehören Präventionsarbeit an Schulen, Elternabende, Workshops und die enge Zusammenarbeit mit Polizei, Jugendhilfe und anderen Fachstellen längst zum Alltag des Vereins.
Besonders eindringlich wurde bei der Versammlung auch die Bedeutung der Präventionsarbeit deutlich. Kinder früh zu stärken, Jugendlichen Grenzen und Selbstschutz zu vermitteln und Erwachsene für Warnzeichen zu sensibilisieren – all das könne verhindern, dass Gewalt weitergegeben oder übersehen werde. Die Mitarbeiterinnen erleben dabei immer wieder, wie groß der Gesprächsbedarf an Schulen und in Familien inzwischen geworden ist.
Trotz der enormen gesellschaftlichen Bedeutung kämpft MaVia weiterhin mit knappen Ressourcen. Um die Arbeit in Stadt und Landkreis langfristig sichern zu können, sucht der Verein aktuell sowohl für Rosenheim als auch für Miesbach jeweils eine Sozialpädagogin für eine 20-Stunden-Stelle. Gesucht werden Menschen mit Fachlichkeit, aber auch mit Empathie, Belastbarkeit und der Fähigkeit, andere in schwersten Lebenssituationen aufzufangen.
Dass die Region hinter MaVia steht, zeigte sich auch durch zahlreiche Spendenaktionen und Benefizveranstaltungen. Besonders berührend war eine Spende in Höhe von 10.000 Euro aus der Auflösung der Inntaler Bauernbühne. Auch Aktionen wie der Orange Day oder Benefizkonzerte machten auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam – ein Thema, das oft noch zu leise behandelt wird.
Für Betroffene oder Angehörige ist „MaVia“ in Rosenheim in der Bahnhofstraße 17, Eingang Salinplatz 17, erreichbar. Eine Außenstelle befindet sich zudem in Miesbach in der Rosenheimer Straße 14a. Hilfe gibt es telefonisch unter 08031/ 268888 sowie online unter www.mavia-ev.de.
Heute zählt „MaVia“ über 180 Mitglieder und ist mit Standorten in Rosenheim und Miesbach aktiv. Doch für viele Frauen beginnt der wichtigste Schritt noch immer mit einer einzigen Erkenntnis: dass es irgendwo einen Ort gibt, an dem ihnen geglaubt wird. Genau dieser Ort ist „MaVia“.
Susanne Grun