Rosenheim – Am kommenden Samstag, 30. Mai, geht in Richtung Italien und zurück gar nichts mehr. Auf der Brennerautobahn wird demonstriert. Die Gemeinde Gries am Brenner wehrt sich – und sorgt aller Voraussicht nach weit über die Grenzen hinaus für Chaos.
Und genau darauf hat sich auch der Katastrophenschutz des Landkreises Rosenheim vorbereitet.
Wie diese Vorbereitung aussieht, wie die Sicherheit in den Anlieger-Dörfern gewährleistet werden soll, und worauf Urlauber unbedingt achten sollten, erklärt Florian Appelt, Leiter des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landkreis, im OVB-Interview.
Was hat der Katastrophenschutz in Rosenheim mit der Demo in Tirol zu tun?
Das Landratsamt ist als Untere Katastrophenschutzbehörde für die Einsatzleitung und die Abstimmung aller Maßnahmen aufeinander verantwortlich, wenn eine Schadenslage eintritt, in der der Verkehr lang anhaltend zum Erliegen kommt. Das läuft bei uns im Einsatzfall über die Führungsgruppe Katastrophenschutz, kurz FüGK, zusammen, die schließlich einen Stab bildet und die Einsatzaufträge koordiniert und abwickelt.
Das Ganze kommt auch oft im Vorfeld in Form einer Koordinierungsgruppe zum Tragen, wie hier bei der Demo in Tirol.
Wir sind in engem Austausch mit unseren Nachbarn in Tirol und wurden daher frühzeitig mit ins Boot geholt.
Was ist Ihre Aufgabe in diesem Fall?
Bei uns treffen zwei Hauptverkehrsadern aufeinander, die Autobahn A8 und die A93. Wir entwickeln nun Prognosen, was mit der Blockade der Brennerautobahn auf den Landkreis Rosenheim zukommen kann. Oberstes Ziel ist es, einen längeren Stillstand des Verkehrs zu vermeiden.
Sie gehen also davon aus, dass es auch hier zu massiven Beeinträchtigungen kommen kann?
Wenn ich in die Glaskugel schauen könnte, wäre das einfacher zu beantworten. Aktuell ist es schwer einzuschätzen. Es kann sein, dass wir uns vorbereiten und am Ende nichts passiert, weil sich alle Reisenden vorab informiert haben und ihre Planungen angepasst haben. Das wäre uns natürlich das Liebste.
Wenn es aber dazu kommt, möchten wir für unsere Bürger im Landkreis vorbereitet sein und die Einschränkungen so gering wie möglich halten. Daher sind wir auch schon in enger Abstimmung mit dem Polizeipräsidium Süd und unseren Nachbarlandkreisen entlang der A8.
Welche Hilfsdienste sitzen bei der Planung für den kommenden Samstag jetzt mit im Boot?
Da ist die ganze Blaulichtfamilie dabei. Von unseren weißen Organisationen, also BRK, Malteser, Johanniter, über die Feuerwehren in Zusammenarbeit mit der Kreisbrandinspektion sowie die Bergwacht und der Rettungszweckverband.
Warum braucht es die Bergwacht? Es geht doch um die Autobahn.
Die Bergwacht ist eine essenzielle Unterstützung, da sie sehr viel Manpower mit einer Sanitätsausbildung hat. Zudem kann sie unterstützen, wenn es zu einem längeren Stillstand kommt und man Material oder beispielsweise Wasser verteilen müsste.
In den Autobahn-Anliegergemeinden blickt man dem 30. Mai trotz bestehendem Abfahrtsverbot sorgenvoll entgegen. Wie wird sichergestellt, dass dort die Rettungswege frei bleiben?
Das ist ein sehr bedeutender Punkt in unserer Einsatzplanung. Wir und insbesondere auch die Polizei wollen durch die Abfahrtsverbote verhindern, dass die Rettungswege verstopft werden.
Welchen Rat würden Sie den Urlaubern mit auf den Weg geben?
Bitte vermeiden Sie Fahrten in Richtung Brenner möglichst – oder umfahren Sie möglichst großräumig. Generell sollte man an diesem Tag unnötige Fahrten vermeiden und nicht auf Schleichwege ausweichen. Beachten Sie außerdem die aktuellen Verkehrsmeldungen, verbunden mit dem Wissen, dass man an diesem Tag mehr Zeit und Geduld einplanen muss.
Auch wichtig: Bitte den Anweisungen der Polizei Folge leisten. Und ein weiterer wichtiger Aspekt: Bitte darauf achten, dass ausreichend Sprit im Tank ist oder der Akku des E-Autos aufgeladen ist. Zudem sollten Wasser und Proviant im Fahrzeug mitgeführt werden. Patricia Huber