Rosenheim – Am kommenden Samstag wird der Brenner dicht sein. Eine Demonstration wird für mehrere Stunden den Verkehrsfluss über die wichtigste Alpenachse unterbrechen. Von 11 bis 19 Uhr abends geht nichts mehr. Und davor gibt es auch noch Blockabfertigung im Inntal.
Was Sie als Autofahrer tun können – und was Sie lieber lassen. Wichtige Antworten auf Fragen zur folgenreichsten Brenner-Demo seit vielen Jahren.
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Ist das die erste
Brenner-Demo?
Nein, Brenner-Blockaden gab es davor schon. Zum Beispiel 1989. Oder auch im Jahre 2000. Der Sprecher des Transitforums Austria-Tirol, Fritz Gurgiser, sprach damals von „Notwehrmaßnahmen“. Es hat sich seitdem nicht viel geändert, abgesehen von den Zahlen: In den vergangenen 25 Jahren ist der Verkehrsstrom nochmals angeschwollen. Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries, gibt eine Zahl von über 14 Millionen Lkw und Autos an, die 2025 über den Brenner gefahren sind. Die Lkw-Anzahl werde 2026 vermutlich auf über drei Millionen steigen, heißt es von Tiroler Seite.
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Wollen die Tiroler Bayern ärgern?
Nein, jedenfalls steckt nicht das Bundesland hinter der Demo. Die Kundgebung hat sich der besagte Grieser Bürgermeister Karl Mühlsteiger einfallen lassen. Er zog damit vor das Landesverwaltungsgericht – und bekam Recht. Auch er sieht die Demo als Notwehr.
Gesperrt ist die Autobahn übrigens auch für Anrainer. Schließlich werden sich Demonstranten auf den Fahrbahnen aufhalten. Allerdings verlängerte das Land Tirol die Sperre, die nun eine Stunde früher beginnt und eine Stunde später endet als ursprünglich geplant. Grund dafür: Man will einen „geordneten Auf- und Abbau der Sperrungen sowie der entsprechenden Verkehrsleitmaßnahmen durch den Straßenerhalter und die Polizei“ sicherstellen. Es gehe primär um die Sicherheit aller Beteiligten, und zwar sowohl der Reisenden als auch der Demonstranten. Das sagte ein Sprecher des Landes dem OVB auf Anfrage.
Was darüber hinaus auffällt: Tirol hat am vergangenen Dienstag, am gestrigen Mittwoch und auch heute Blockabfertigung verhängt. So bleibt den Lkw nur der Freitag – somit droht an diesem einzig freien Tag eine spontane Dosierung. Und damit das programmierte Chaos.
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Warum lässt die
Justiz das zu?
Das Land Tirol hatte die Demo untersagt, das Landesverwaltungsgericht Tirol in Innsbruck hob das Verbot auf. Wegen der Versammlungsfreiheit, die ein hohes Gut darstelle. Man habe abgewogen, zwischen dem allgemeinen Interesse an einem frei fließenden Verkehr und dem Recht auf öffentliche Kundgebungen. Und so kam das Landesverwaltungsgericht Tirol zum Ergebnis, dass die „Untersagung der angemeldeten Demonstration nicht zwingend notwendig war“. Diese Auskunft gab das Gericht dem OVB auf Anfrage.
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Geht wirklich
nichts mehr?
Von 11 bis 19 Uhr geht nichts auf der Brenner-Autobahn, und zwar in beide Richtungen. Lkw dürfen schon ab 9 Uhr vormittags nicht mehr fahren. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brennerpass in beiden Fahrtrichtungen. Ebenso sind die B182 Brennerstraße sowie die L38 Ellbögener Straße gesperrt.
Italien hat bekannt gegeben, dass der von Süden kommende Verkehr ab Sterzing ausgeleitet wird. Im Falle eines Rückstaus werden Autofahrer in Vahrn, bei Bedarf auch in Klausen und weiter südlich angewiesen, die Autobahn zu verlassen. Der österreichische Autobahnbetreiber Asfinag rechnet mit 32.000 Lkw und Autos, die von der Sperre betroffen sein dürften.
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Sollte man am Tag vorher fahren?
Am 30. Mai sehr früh losfahren oder lange nach 19 Uhr – bringt das etwas? Nein, sagen die Tiroler Behörden. „Rechnen Sie ganztägig mit Einschränkungen: Nicht nur zwischen 11 und 19 Uhr, sondern bereits davor und auch danach ist mit erheblichen Verkehrseinschränkungen und -maßnahmen sowie Verzögerungen zu rechnen“, heißt es in der Empfehlung des Bundeslandes Tirols. Auch in den Tagen vor dem 30. und danach sei mit erhöhtem Verkehr und entsprechenden Verzögerungen zu rechnen.
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Gibt es
Ausweichrouten?
Wenn es unbedingt sein muss und man bereit ist, Staus und – je nach Ziel – eventuell große Umwege auf sich zu nehmen, hat man eine Möglichkeit. Die Polizei rät allerdings, jede nicht zwingend erforderliche Fahrt im südlichen Oberbayern zu unterlassen.
Wer denn muss, der kann zum Beispiel über die Felbertauernstraße fahren. Die Sanierungsarbeiten im Brentenbergtunnel sind abgeschlossen. Die Österreicher rechnen auf dieser Route für Samstag mit starkem Ausweichverkehr und werden für diesen Anlass das Personal etwa an den Mautstellen aufstocken. Tipp: online zuvor Maut zahlen und Kennzeichen registrieren. Dann passiert man wenigstens die Mautstelle schneller. Und vorher im Internet informieren: Autobahnbetreiber Asfinag wie auch der ADAC bieten Routenplaner mit Echtzeitfunktion und Stau-Infos an.
Je nach Startpunkt und Wetterlage würden sich auch der Gotthard-Tunnel (Schweiz) oder das Timmelsjoch anbieten. Das Timmelsjoch ist allerdings als typische Passstraße eng, steil und kurvig – und mautpflichtig: 20 Euro kostet die einfache Fahrt für einen Pkw. Überdies ist die Straße nur von 7 bis 20 Uhr zu befahren. Einfacher – für Fahrten in Richtung Mailand und italienische Riviera ohnehin – ist der Weg über den San Bernardino. Der Reschenpass wiederum ist wegen Bauarbeiten nur einspurig befahrbar. Eine Überfahrt würde sich dort schon in Zeiten normalen Urlaubsverkehrs nicht anbieten.
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Wo drohen noch
Behinderungen?
Tirol hat strenge Kontrollen durch die Polizei angekündigt, um Ausweichverkehr weg von der Autobahn zu verhindern. Transitreisende sollen am Samstag nicht bis an die Grenzen Tirols fahren, sondern bereits vorher großräumig – etwa am Inntaldreieck bei Rosenheim oder – von Süden kommend – bei Verona auf Alternativrouten ausweichen. Bei den Kontrollen an den Landesgrenzen würden die Autofahrer über die Situation informiert, eine Zurückweisung erfolge zunächst nicht, heißt es seitens des Landes Tirol. Allerdings kann sich das ändern: Im Falle „extremer Verkehrsbehinderungen in Tirol“ wäre mit Blockabfertigung zu rechnen.
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Wie ist die
Region vorbereitet?
Das Landratsamt Rosenheim geht auf Nummer sicher. Am Samstag wird die Koordinierungsgruppe im Lagezentrum des Landratsamts besetzt, um „mögliche Entwicklungen fortlaufend zu beobachten und zu bewerten“. Das sei eine vorsorgliche Maßnahme, heißt es aus der Behörde. Vorläufig appelliere man an die Menschen in der Region, nicht notwendige Autofahrten an diesem Tag möglichst zu vermeiden oder zu verschieben. Zuvor hatte das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Österreich ausgegeben – mit einer klaren Botschaft: „Es gibt keine Ausweichmöglichkeiten.“