Rosenheim – Wenn ein Kind oder ein Elternteil lebensbedrohlich erkrankt, gerät das Leben einer ganzen Familie aus den Fugen. Genau hier setzt die ambulante Kinderhospizarbeit der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) an – und sucht aktuell neue ehrenamtliche Familienbegleiter in der Region Südostoberbayern, wie die Stiftung mitteilt.
Gesucht werden Interessierte aus dem Raum Stadt und Landkreis Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein sowie dem Berchtesgadener Land, die Familien in schwierigen Lebenssituationen wohnortnah begleiten möchten. Wie die Stiftung erklärt, begleitet das Regionalzentrum Rosenheim Familien mit schwerst- oder lebensbedrohlich erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie Familien, in denen ein Elternteil schwer erkrankt ist – ambulant, kostenlos und auf Wunsch auch in der Klinik.
Was das Ehrenamt in der Praxis bedeutet, zeigt das Beispiel von Carmen Loest. Die Rentnerin aus Kiefersfelden engagiert sich seit 2025 als ehrenamtliche Familienbegleiterin beim regionalen Kinderhospizzentrum Südostoberbayern. Auf das Ehrenamt aufmerksam wurde sie durch einen Zeitungsartikel. „Der Beitrag hat mich sofort angesprochen“, erinnert sie sich. Gleichzeitig seien viele Fragen aufgekommen. „Ich habe mich dann intensiv über den Kinderhospizdienst informiert. Schon beim ersten Gespräch haben mich die Offenheit und die Vertrautheit beeindruckt.“
Eine vorbereitende Schulung an vier Wochenenden habe ihre Entscheidung weiter gefestigt. Themen wie die eigene Endlichkeit, Erste Hilfe, lebensbedrohliche Krankheiten bei Kindern, interkulturelle Kompetenzen sowie ein Besuch beim Bestatter gehören laut Stiftung zum Programm. „Die Ausbildung hat mich stark gemacht und etwaige Bedenken immer mehr in den Hintergrund gedrängt“, erzählt Loest, die nebenbei auch als Wegepatin für den Tourismusverband Oberaudorf sowie im Kleiderladen des Bayerischen Roten Kreuzes tätig ist.
Heute begleitet sie eine Familie in der Region Rosenheim, in der die Mutter schwer erkrankt ist. Carmen Loest holt die Tochter der Familie regelmäßig aus der Kita ab und verbringt Zeit mit ihr. „Zeit geben für jemanden, der aufgrund der schwierigen Lebenssituation auf der Strecke bleibt – das ist für mich die wichtigste Aufgabe“, beschreibt sie ihr Engagement. Auch die Gemeinschaft innerhalb des Kinderhospizdienstes schätzt sie sehr: „Die wertvolle Hilfe für die Familien, das Miteinander und die Wertschätzung aller Mitwirkenden im Kinderhospizdienst sind sehr bereichernd.“
Anfängliche Zweifel, die sie wegen fehlender beruflicher Vorerfahrung hegte, seien schnell verflogen. „Viele andere in der Schulung hatten einen beruflich ähnlichen Hintergrund. Ich dagegen nicht. Aber die hervorragenden Referierenden und die Themenvielfalt haben mir schnell die Unsicherheit genommen.“
Geeignet für das Ehrenamt ist laut Stiftung jeder, der gerne Zeit mit Kindern verbringt, sich engagieren möchte und regelmäßig etwas Zeit aufbringen kann. Ausdrücklich willkommen seien Menschen jeden Alters – auch männliche Ehrenamtliche. Die nächste Schulung startet im Herbst 2026. „Wer sich angesprochen fühlt, sollte auf jeden Fall ein Erstgespräch vereinbaren und sich genauer informieren“, betont Loest.
Interessierte können sich ab sofort bei Christina Schultz vom Kinderhospizteam Rosenheim per E-Mail unter christina.schultz@kinderhospiz-muenchen.de melden. Weitere Informationen gibt es unter www.kinderhospiz-muenchen.de/suedostoberbayern.