Rohrdorf/Flintsbach/Raubling – Kommt das große Chaos? Oder wurden die Urlauber durch zahlreiche Warnungen zur Vernunft bekehrt? Ob, beziehungsweise wie massiv sich die Sperre der Brennerautobahn am heutigen Samstag auf den Verkehr im Landkreis Rosenheim auswirken wird, lässt sich nicht beurteilen. Klar ist aber: Einige Autobahngemeinden haben vorgesorgt, um für Sicherheit auf den eigenen Straßen zu sorgen.
So in Frasdorf. Dort kennt man sich mit dem Ausweichverkehr aus. Daher wurde auch für den heutigen Samstag beschlossen, bei Stau auf der Autobahn ein paar Gemeindestraßen für Fremdverkehr zu sperren. Anlieger dürfen natürlich jederzeit passieren.
Angelehnt an das Konzept aus Frasdorf hat auch die Gemeinde Flintsbach am Inn reagiert. Dort hat Bürgermeister Holger Steiner eine verkehrsrechtliche Anordnung erlassen, die es der Gemeinde – wie in Frasdorf – ermöglicht, einzelne Straßen für den Durchgangsverkehr zu sperren.
„Die Anordnung ist bedarfsorientiert“, erklärt Steiner auf OVB-Anfrage. „Das heißt, wir sperren nicht präventiv die Straßen, sondern nur dann, wenn der Verkehr auf der A93 zum Erliegen kommt.“
Wenn also auf der Autobahn nichts mehr geht und die Reisenden auf die Ortsstraßen ausweichen, wird die Zufahrt von der Staatsstraße zur Nußdorfer Straße gesperrt. Anlieger dürfen aber auch in Flintsbach selbstverständlich jederzeit weiterfahren. Zudem wird man in Flintsbach die Zufahrten von der Staatsstraße zu den Siedlungsstraßen Tatzelwurmstraße und Alpenstraße sperren. Was Steiner aber auch betont: Die Maßnahmen erfolgen lage- und ereignisabhängig. „Sobald der Verkehr auf der Autobahn wieder fließt, machen wir natürlich auch wieder auf“, sagt Steiner. Dasselbe Konzept verfolgen die Gemeinden Brannenburg und Raubling. „Wir sind das ja mittlerweile schon gewohnt“, sagte Raublings Bürgermeisterin Franziska Pfaffenhuber am gestrigen Freitagmittag. Sie vermutet, dass der Großteil des Verkehrs bereits am Freitagnachmittag über die Autobahn – und auch durch die Gemeinden – gerollt ist. „Man kann eigentlich schon die Minuten zählen, bis es anfängt“, sagte Pfaffenhuber freitagmittags. Kein Wunder, dass man in der Region schon seit dem gestrigen Freitag nervös ist. An der Grenze zu Bayern hat Tirol bereits am gestrigen Freitag Blockabfertigung verhängt. Ein spontaner Termin nach vier angekündigten. „Ganz schön voll sei die Inntalautobahn“, hieß es gestern Vormittag seitens der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim. Aber immerhin staute sich der Verkehr nicht bis auf die Autobahn A8 zurück. Staus registrierten gestern auch die Tiroler – auf der Brennerautobahn drängten sich ab dem Morgen die Autofahrer, die noch vor der Sperre über den Brenner wollten. Insgesamt wurde die Lage am Freitag mehr und mehr unübersichtlich. Tirol hat seine Warnungen nochmals verschärft. Auch von einer Benutzung der Tauernautobahn raten die Behörden dort ab. Ebenso wie übrigens das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim: „Verlässliche Umleitungen gibt es nicht“, heißt es in einer der Mitteilungen. „Wir erwarten das Schlimmste und erhoffen das Beste“, sagt Michael Spessa vom Polizeipräsidium. „Wir sind alle möglichen Szenarien durchgegangen.“ Mit Verkehrsbeeinträchtigungen sei nun einmal zu rechnen, das Ausmaß der Staus könne niemand wirklich voraussagen. Man halte sich auf dem Laufenden und entscheide auch aufgrund von Lagebildern aus dem Hubschrauber. Am wichtigsten sei es, Rettungswege freizuhalten. „Wir müssen priorisieren und lageangepasst arbeiten“, sagt Spessa. Heißt: Auch Sperrungen und Zurückleitungen vor den Grenzen seien nicht auszuschließen.