Mühldorf/Traunstein/
Berchtesgaden/Rosenheim – „Ist das Rauch? Das müssen wir uns anschauen.“ Dieser Satz fällt mehrfach beim Beobachtungsflug über den Landkreisen Mühldorf, Altötting, Traunstein, Rosenheim und Berchtesgaden. Denn die Waldbrandgefahr spitzt sich immer mehr zu. Laut Landratsamt Mühldorf und Deutschem Wetterdienst liegt die Waldbrandgefahr derzeit im mittleren bis hohen Bereich (Index Stufe 3 bis 4). Deshalb ordnete die Regierung von Oberbayern am vergangenen Dienstag Luftbeobachtungsflüge bis zum Ende der Woche an.
Zuständig dafür ist die Katastrophenschutzbehörde beim Landratsamt Mühldorf. Täglich startet nun ein Kleinflugzeug vom Flugplatz in Mößling. Ziel ist es, Waldbrände im frühen Stadium zu identifizieren und die Ausbreitung zu vermelden. Die OVB-Heimatzeitungen waren jetzt am Donnerstag bei einem Rundflug dabei.
Funkkontakt
mit der Leitstelle
Einsteigen, anschnallen, festhalten: Donnerstag, 13.45 Uhr, Flugplatz Mößling: Matthias Mies, Luftbeobachter bei der Feuerwehr Aschau am Inn, und Pilot Peter Drschka, Leiter der Luftrettungsstaffel, sind startbereit. Mies sitzt vorn neben dem Piloten, während die Volontärin von hinten alles perfekt beobachten kann. Das einmotorige Leichtflugzeug hat vier Plätze. Vor dem Abheben stellt er noch Funkkontakt mit der Leitstelle Traunstein her. „Bereit für den Abflug.“ Er hat ein iPad dabei. Darauf die Landkarte der Region. Drschka muss die Landkreise Mühldorf, Altötting, Berchtesgaden, Traunstein und Rosenheim überfliegen.
„Heute gilt für uns alle: Genau hinschauen, ob irgendwo Rauch aufsteigt“, erklärt Pilot Drschka kurz nach dem Start. Bereits wenig später entdecken die drei eine dünne Rauchsäule nahe einer Kiesgrube. Sofort steuert Drschka die DR400 in Richtung der möglichen Brandstelle.
Doch nicht jede Rauchentwicklung bedeutet automatisch Gefahr. Gerade bei der aktuellen Trockenheit könne auch aufgewirbelter Staub schnell wie Rauch wirken, erklärt Mies. Als das Flugzeug näherkommt, wird klar: Es handelt sich lediglich um einen Lkw, der durch die Kiesgrube fährt und dabei Staub aufwirbelt.
Während die drei über die malerische Landschaft fliegen, fällt auf, wie trocken es überall ist. „Es gab Jahre, da musste ich gar nicht fliegen, weil kurz vor der Meldung jedes Mal wieder ein Gewitter aufzog. Es gab aber auch schon Jahre, in denen ich 15-, 16-mal hintereinander in den Einsatz musste“, erzählt Drschka. Die Wiesen sind teilweise schon braun, verbrannt. Fährt ein Auto vorbei, staubt es bis zum Himmel. Am Chiemsee haben sich schon weite Sandbänke gebildet. Bedenkt man, wie lange es nicht ausreichend geregnet hat, wird die Bedeutung dieser Flüge nun immer deutlicher. „Wie erkennt man, dass es tatsächlich Rauch ist?“, fragt Gruber. Mies bestätigt, dass es teilweise schwer zu unterscheiden ist.
Aus diesem Grund müsse man jeden Verdacht genau kontrollieren. Dafür fliege er so nah wie möglich an die Stelle heran und bestimme so den Auslöser. Wenn es eine Glut ist, merkt man es vor allem daran, dass der Rauch stetig qualmt, erklärt Mies. Wäre dies der Fall, würden die beiden Profis sofort die Leitstelle informieren. „Schritt zwei: Weitere Kommandos abwarten.“ Den Brand am Saurüsselkopf in Ruhpolding konnte man laut Drschka sogar von Mühldorf aus der Ferne erkennen. Mit 180 km/h überfliegt Drschka ruhig und konzentriert die Beobachtungszone. Aus der Vogelperspektive schlägt Mies noch zwei weitere Male Alarm: Ein weiterer Lkw wirbelt Staub auf und sorgt für einen täuschenden Anblick. In direkter Nähe sind Personen zu erkennen. Das lässt Mies und Drschka aufatmen: „Wenn Menschen vor Ort sind, ist das fürs Erste beruhigend. Denn die können ja auch, vielleicht sogar schneller, die Feuerwehr alarmieren.“
Zwei Stunden
Beobachtungsflug
Nach zwei Stunden ist der Beobachtungsflug vorbei, die Maschine landet wieder in Mößling. Alles gut gegangen, dieses Mal. Doch der Landkreis befindet sich in Alarmstimmung: Die Waldbrandgefahr ist groß, Entspannung derzeit nicht abzusehen. Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl sieht die Lage kritisch. Er warnt ebenfalls in einer Pressemitteilung: „Die anhaltende Trockenheit in Verbindung mit den hohen Temperaturen sorgt aktuell für eine deutlich erhöhte Waldbrandgefahr. Neben den Luftbeobachtungsflügen, die zur frühzeitigen Erkennung möglicher Brandherde beitragen, sind wir auch auf die Unterstützung und Rücksichtnahme der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Vor allem unter den derzeitigen Bedingungen kann sich ein Feuer rasch ausbreiten – deshalb bitte ich alle, achtsam zu sein und dabei zu helfen, mögliche Gefahren zu vermeiden.“
Weitere Bilder und ein Video vom Flug finden Sie unter ovb-online.de.