Rosenheim – Lothar Thaler und seine Mitstreiter diverser Bürgerinitiativen – darunter Thomas Unger vom Bürgerforum Inntal – setzen ihr Vertrauen für heute, Samstag, in die Bahn. Natürlich nicht, was die Planung für den Brenner-Nordzulauf angeht, die sie seit Jahren bekämpfen. Aber sie vertrauen darauf, dass sie auf der Schiene zu ihrem Ziel gelangen. Besser als mit dem Auto jedenfalls. Ihr Ziel, das ist die Demonstration gegen den Alpen-Transit kurz vor Österreichs Grenze nach Italien.
„Wir fahren mit einer kleinen Delegation“, sagt Lothar Thaler. Die Oberbayern wollen am Vormittag in Rosenheim in den Zug steigen und gegen Mittag in Matrei ankommen. Von dort aus geht es zu Fuß weiter, nicht mal einen Kilometer, bis zu der Autobahnausfahrt, wo der Treffpunkt für die Demo ist. Schwerpunkt ist Gries am Brenner. Dessen Bürgermeister Karl Mühlsteiger kennen die Rosenheimer schon. „Der hat sich mit seiner Demonstration schon etwas gedacht“, sagt Thaler. Auch wenn viele Ferienreisende über die Demo mitten in den Pfingstferien fluchen, verstehen sie sein Anliegen. Und stellen sich an die Seite der Grieser. „Es ist sogar ein kleiner Redebeitrag von uns geplant“, sagt der Mann vom Brennerdialog. Die Bahn-Skeptiker haben eine gewisse Routine in Protestreisen. Mitte der Woche waren die Rosenheimer bereits in Südtirol zu Gast gewesen. In Auer trafen sie sich mit Kritikern des Brenner-Südzulaufs.
Das Anliegen: Das ist die Kritik an der Verkehrspolitik, speziell am Alpentransit. Die Rosenheimer sehen nicht ein, dass ein breiter Streifen in ihrem schönen Landkreis für eine Hochtempo-Strecke der Bahn plattgemacht werden soll. Die Grieser wollen nicht länger Abgasen, Lärm und Staus von Brennerautobahn und Landstraße ausgesetzt sein. Karl Mühlsteiger brauchte zwei Anläufe, um seine Demo vom Verwaltungsgericht in Innsbruck genehmigen zu lassen. Weil die Versammlungsfreiheit höher einzuschätzen sei als das Interesse an einem freien Verkehr.
Derzeit ist dieser Verkehrsfluss ohnehin immer wieder empfindlich gestört. Wegen des Rückbaus der 1.800 Meter langen Luegbrücke, einer Hangbrücke, deren Pfeiler zu Füßen eines steilen Berghangs stehen. Der Abriss dieser Brücke und ihr Wiederaufbau mit einem zusätzlichen Fahrstreifen stehen in Thalers Augen für die Weigerung der Politik, den Bürgern reinen Wein einzuschenken. Der zusätzliche Streifen sei angeblich ein Standstreifen, sagt Thaler. „Kritiker gehen davon aus, dass das in Wirklichkeit eine dritte Fahrspur mit schmalem Standstreifen wird.“ Wie aber passe der Ausbau der Autobahn zur Absicht, die Schiene zu stärken?
So sieht er in der Demo mit Delegation aus Rosenheim „ein Zeichen an die Politik, ihre Karten offenzulegen“. Ohnehin ist ihm die hoch über Gries aufragende Brücke ein Dorn im Auge. Der Hang unter den Pfeilern sei instabil. „Ein Tunnel wäre wirklich die bessere Lösung.“ Michael Weiser