Drama am Bahnhof Prien

von Redaktion

18-Jährigen nach Stromschlag in Spezialklinik geflogen

Prien – Am Bahnhof in Prien erinnert nichts mehr an den schlimmen Unfall, der sich hier in der Nacht auf Samstag, 30. Mai, zugetragen hat. Pendler warten auf den nächsten Zug. Einige schauen auf ihr Handy, andere sind in ein Gespräch vertieft. Nur die wenigsten scheinen zu wissen, welch dramatische Szenen sich hier kurz nach Mitternacht abgespielt haben, als ein Zeuge in der Nähe des Bahnhofs einen lauten Knall hörte und sofort den Notruf wählte.

Auf Waggon eines
Güterzuges geklettert

Der Grund: Ein 18-Jähriger aus dem Landkreis Rosenheim kletterte wohl auf den Waggon eines abgestellten Güterzugs. Dort wurde er von einem Stromschlag aus der hochspannungsführenden Oberleitung getroffen und erlitt schwere Verletzungen. „Rund 40 Prozent seines Körpers sind schwerstgradig verbrannt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion Rosenheim.

Rettungsdienst, Notarzt, Feuerwehr und Einsatzkräfte von Bundes- und Landespolizei rückten zur Unglücksstelle aus. Ebenfalls vor Ort war Samuel Witt, Erster Kommandant der Priener Feuerwehr. „Wir waren für das Absichern und Ausleuchten des Hubschrauberlandeplatzes zuständig“, sagt er am Telefon. Zudem hätten er und seine Kollegen die Bundespolizei unterstützt.

Der 18-Jährige sei vor Ort noch ansprechbar gewesen. Ein Rettungswagen brachte ihn zu einem nahegelegenen Sportplatz. Von dort flog ihn ein Rettungshubschrauber in die Unfallklinik Murnau.

„Wie es ihm derzeit geht, wissen wir nicht“, sagt Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizei, auf OVB-Anfrage.

Er selbst könne sich an einen vergleichbaren Fall dieser Art im Gebiet der Rosenheimer Bundespolizeiinspektion nicht erinnern. „Wenn man nach München schaut, gibt es solche Einzelfälle jedoch immer mal wieder“, erklärte er am Telefon. Der Fall in Prien erinnert an ein ähnlich dramatisches Unglück in Kiefersfelden. Im Januar 2025 versuchte ein Jugendlicher auf einem Hof, eine Stromleitung mit einer Teleskop-Astschere von den Schneemassen zu befreien. Dabei bekam der junge Mann einen schweren Stromschlag ab.

Aufgrund der rund 20.000 Volt erlitt er lebensgefährliche Verletzungen und musste unter laufender Reanimation mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Nur zwei Tage später folgte die traurige Nachricht aus der Klinik: Am Sonntag, 11. Januar, erlag der Jugendliche seinen schweren Verletzungen. Im Gespräch mit dem OVB sprach Prof. Dr. Christian Thilo, Chefarzt der Medizinischen Klinik I (Kardiologie) am Romed-Klinikum Rosenheim, damals von den immensen Gefahren. So komme es oftmals zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen. Zudem kann der Stromschlag das Atemzentrum oder das Zwerchfell lähmen. Damals sprach der Mediziner zudem von massiven Schmerzen, Verbrennungen und inneren Krämpfen.

Deutsche Bahn und Bundespolizei warnen in diesem Zusammenhang noch einmal eindringlich davor, auf Waggons oder Oberleitungsmasten zu klettern. Durch Bahn-Oberleitungen fließen 15.000 Volt – das 65-Fache der Steckdose zu Hause. Selbst ohne eine unmittelbare Berührung der Oberleitung ist ein Spannungsüberschlag möglich. Schon bei einer Nähe von mehreren Metern zur Oberleitung kann es zu einem tödlichen Stromschlag, zumindest aber zu schwersten Verbrennungen kommen.

Während der Rettungsaktion wurden die Gleise am Bahnhof Prien für den Zugverkehr gesperrt. Hiervon waren neun Züge mit einer Gesamtverspätung von rund 300 Minuten betroffen.

Reparatur an
Oberleitung nötig

Da die Oberleitung durch den Stromüberschlag in Verbindung mit einem Kurzschluss beschädigt wurde, ist mit Reparaturarbeiten zu rechnen. Angedacht war wohl, dass die Arbeiten noch am gestrigen Sonntag stattfinden sollten. Auskunft darüber gebe die Pressestelle der Deutschen Bahn. Diese ist aber erst am heutigen Montag wieder erreichbar.

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