Konflikt um 27 Windräder bei Altötting

von Redaktion

Nach den hitzigen Erörterungsterminen zum Windpark Altötting Anfang Mai spitzt sich der Konflikt zu. Während Projektierer Qair am Baubeginn 2027 festhält, fordert das Landratsamt Nachbesserungen. Die Bürgerinitiative droht wegen PFOA-Sorgen und Waldschutz mit einer Klage.

Altötting – Anfang Mai war die Stimmung bei den Erörterungsterminen zum geplanten Windpark im Altöttinger Forst merklich angespannt, als die Konfliktparteien aufeinandertrafen. Kurz danach haben Qair sowie die beteiligte Bürgerinitiative Statements zum Termin abgegeben.

Sofortiger Stopp
gefordert

Die Bürgerinitiative forderte darin einen sofortigen Stopp des aktuellen Verfahrens und eine komplette Überarbeitung der Unterlagen. Doch wie reagieren das Landratsamt Altötting und der Projektierer Qair darauf? innsalzach24.de hat bei allen Parteien nachgefragt. Die Projektgegner fordern vehement eine erneute öffentliche Auslegung der Pläne. Ob es dazu kommt, ist derzeit jedoch noch offen. Das Landratsamt Altötting stellt auf Anfrage klar, dass die Fachbehörden in verschiedenen Rechtsbereichen – darunter Abfall-, Wasser-, Naturschutz- und Baurecht – noch „materielle Nachforderungen“ gestellt haben. Die Unterlagen müssten von Qair angepasst oder ergänzt werden.

„Erst nach Vorlage der noch fehlenden Unterlagen kann letztendlich entschieden werden, ob eine wiederholte Auslegung/Öffentlichkeitsbeteiligung erforderlich sein wird“, so das Landratsamt. Sollte es zu einer erneuten Auslegung kommen, könnte das Amt laut Gesetz jedoch auf einen weiteren Erörterungstermin verzichten. Die fehlenden Unterlagen will der Projektierer Qair laut eigener Aussage bis Ende Juni 2026 einreichen.

Trotz der Kritik hält Qair an den Plänen für die 27 Windkraftanlagen fest. Das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich, noch in diesem Jahr die Baugenehmigung zu erhalten, um an den EEG-Ausschreibungen teilzunehmen. Der Baubeginn ist für 2027, die Inbetriebnahme für 2028 geplant.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt das Trinkwasser im PFOA-belasteten Gebiet. Neuöttings Bürgermeister Veit Hartsperger forderte im Termin einen Absicherungsfonds für mögliche Verunreinigungen. Qair betont dazu: „Sein Vorschlag eines Absicherungsfonds wird derzeit gemeinsam mit der Genehmigungsbehörde und den zuständigen politischen Vertretern geprüft. Welches Modell am Ende die größtmögliche Sicherheit für die Region bietet, klären wir in diesen Gesprächen.“

Auch das Thema Rückbaukosten sei transparent: Der Genehmigungsbehörde liege die Kostenkalkulation ungeschwärzt vor. Diese werde derzeit von der Baubehörde auf Plausibilität geprüft.

Die Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind Altötting“ lässt unterdessen kein gutes Haar an dem Projekt und bereitet sich auf eine Klage vor: „Für den Fall, dass das Landratsamt die nachgebesserten Unterlagen nicht erneut auslegen und erörtern wird, sondern auf Basis der aktuellen Unterlagen entscheidet, bereiten wir zusammen mit einem anerkannten Naturschutzverein eine Klage vor.“

Die BI wirft dem Projektierer Qair „Eile“ aus wirtschaftlichen Gründen vor, da die Bundesregierung derzeit über Kürzungen der Einspeisevergütung diskutiere. Zudem warnt die Initiative vor einer Zerstückelung des Bannwaldes. Geografisch entkoppelte Ausgleichsflächen, etwa in Garching oder im Landkreis Rottal-Inn, seien unbrauchbar, um den Schutz vor Industrieimmissionen und den Wasserhaushalt vor Ort zu sichern: „Grundsätzlich kann eine vom Hauptforst geografisch getrennte Aufforstungsfläche den Waldverlust vor Ort nicht ausgleichen; dies ist im Hinblick auf den Artenschutz und die Waldökosystem-Integrität des Öttinger Forstes nicht kompensierbar.“ Bis ein stabiler Mischwald nachwachse, dauere es 30 bis 50 Jahre. Laut BI „Gegenwind“ brauche die Artenvielfalt den Wald aber jetzt.

Scharfe Kritik übten die Gegner auch an den Gutachten zu Schall und Schattenwurf, insbesondere beim Thema Infraschall. Hier wiegelt das Landratsamt jedoch ab: Das beauftragte Gutachterbüro sei unabhängig und entspreche den gesetzlichen Vorgaben, Hinweise auf mangelnde Fachkenntnis könne das Amt nicht bestätigen. Auch das Gesundheitsamt sehe nach Rücksprache mit dem LGL keine erhöhte Besorgnis durch Infraschall.

„Nutzloses
Prestigeobjekt“

Für die Bürgerinitiative bleibt der Windpark dennoch ein „nutzloses Prestigeprojekt der Staatsregierung“ in einem Schwachwindgebiet. Da der Windpark laut Qair nur rund vier Prozent des hier benötigten Stroms liefern soll, fordert die BI, diesen Anteil aus anderen, grundlastfähigen Quellen zu beziehen. Etwa den geplanten Gaskraftwerken in Burghausen, um den Bannwald und das bereits mit PFAS belastete Trinkwasser nicht weiter zu gefährden.

Während Qair auf eine baldige Genehmigung hofft und das Landratsamt auf die Nachbesserungen bis Ende Juni wartet, steht für die Windpark-Gegner fest: Sollte das Verfahren ohne erneute Bürgerbeteiligung durchgewinkt werden, werde der Fall vor Gericht landen.

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