Morgen machen sich die katholischen Pfarrgemeinden wieder auf den Weg. Im geordneten Zug der Fronleichnamsprozession wird das Allerheiligste durch die Straßen getragen. Dieses gemeinsame Fest erscheint mir umso wichtiger, da die unterschiedlichen Strömungen der Kirche sonst oft in gegensätzlichen Richtungen unterwegs zu sein scheinen: Da sind auf der einen Seite jene, die vor allem Traditionen bewahren wollen. Ohne Diskussionsbereitschaft verweigern sie sich strikt allen Veränderungen und übersehen dabei, dass auch Jesus die überlieferten Gebote nicht einfach wiederholt, sondern diese für die Menschen seiner Zeit neu ausgelegt hat. Er hat deutlich gemacht, dass Gottes Geist lebendig ist und ist damit durchaus „mit der Zeit“ gegangen. Auf der anderen Seite stehen die, die am Reformstau leiden und am liebsten alles über den Haufen werfen würden ohne Rücksicht auf Verluste.
Papst Leo ist trotz Auftritt in Nike-Turnschuhen kein Reformer, sondern ein Versöhner. Er redet nicht nur den Kriegstreibern unermüdlich ins Gewissen, sondern auch denen, die an den Rändern der Kirche rechts und links die Einheit der Weltkirche in ihrer bunten Vielfalt völlig aus dem Blick verlieren. An Fronleichnam sind wir alle gemeinsam unterwegs in einer Richtung und feiern damit auch das, was uns eint und zusammenhält. Uns begleitet und trägt in Gottes Brot gewordener Liebe eine gemeinsame Mitte. Oder um es mit den Worten von Antoine de Saint-Exupéry zu sagen: „Liebe ist nicht, wenn man einander ansieht, sondern wenn man gemeinsam in die gleiche Richtung blickt.“