Kolbermoor – Kleines Missgeschick, große Wirkung: Weil ihnen eine Flasche eines ammoniakhaltigen Reinigers aus der Hand gerutscht ist, sind am Montagnachmittag, 1. Juni, rund 60 Kräfte der Feuerwehren aus Kolbermoor, Bad Aibling und Heufeld sowie der Kreisbrandinspektion Rosenheim nach Kolbermoor in die Albert-Schalper-Straße ausgerückt. Für die putzenden Pechvögel, die sich dabei selbst leicht verletzt hatten, könnte der Großeinsatz zudem noch finanzielle Folgen haben.
Nach einem „häuslichen Unfall“ wurden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst am Montag, 1. Juni, gegen 16.15 Uhr in die Albert-Schalper-Straße, eine Parallelstraße zur Staatsstraße 2078, beordert. Nach Angaben von Sebastian Thurnhuber, stellvertretendem Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, war einem Paar mittleren Alters beim Putzen der Räumlichkeiten eine Flasche ammoniakhaltigen Reinigers runtergefallen, woraufhin sich die giftige und ätzende Flüssigkeit verteilt hatte.
Dass die Integrierte Leitstelle aufgrund dieses Missgeschicks gleich ein Großaufgebot an Rettungskräften alarmiert hatte, ist nach Angaben von Thurnhuber bei derartigen Gefahrstoffen nicht ungewöhnlich. Zumal nach Angaben des stellvertretenden Dienststellenleiters „unklar war, um welche Menge es sich handelt“ sowie die Mitteilung gekommen war, dass sich „Personen in der Wohnung befinden“.
Vor Ort stellte sich dann glücklicherweise heraus, dass es sich bei der Menge an Flüssigkeit nur um den Inhalt einer Reinigerflasche handelte. Die Feuerwehr entfernte die Flüssigkeit und lüftete die Räumlichkeiten durch, sodass die beiden Bewohner anschließend die Wohnung wieder betreten konnten.
Während des Feuerwehreinsatzes wurde das Paar vom Rettungsdienst sowie einem Notarzt versorgt, da es bei beiden Personen aufgrund des Ammoniaks zu Reizungen der Atemwege gekommen war. Einer der beiden Kolbermoorer hatte nach Angaben von Thurnhuber zudem einen Spritzer des Reinigungsmittels abbekommen, was zu einer „Reizung der Haut“ geführt hatte.
Ein Grund, wieso der Polizeibeamte diesen Vorfall auch für einen Appell an die Bevölkerung nutzt: „Auch handelsübliche Reinigungsmittel, vor allem wenn gewisse Stoffe kombiniert werden, können durchaus sehr gefährlich werden“, sagt Thurnhuber, der Verbrauchern daher rät: „Vor der Benutzung sollten die Warnhinweise der Hersteller auf den Flaschen gelesen und sich dann auch daran gehalten werden.“
So sieht es auch Armin Hörl, Kommandant der Feuerwehr Kolbermoor, der selbst am Montagnachmittag am Einsatz an der Albert-Schalper-Straße beteiligt war. „Sicherheitshinweise auf Reinigern sollte man unbedingt ernst nehmen und beherzigen“, findet der Kommandant. Zumal beispielsweise Ammoniak für einen extrem unangenehmen Geruch sorgt, weshalb die Einsatzkräfte die Räumlichkeiten auch unter Atemschutz betreten hatten.
Bitter für das Paar, das den Einsatz ausgelöst hatte: Der Vorfall könnte auch noch finanzielle Auswirkungen für die Kolbermoorer haben. Seitens der Polizei wird es zwar keine Rechnung für das Paar geben, wie Thurnhuber, der „keine grobe Fahrlässigkeit“ sieht, deutlich macht. Allerdings könnten in puncto Feuerwehrleistungen Kosten auf die Verursacher zukommen. „Diese Entscheidung trifft letztlich die Stadt“, sagt Kommandant Hörl, der, wie üblich, einen Einsatzbericht an die Stadtverwaltung senden wird. Er selbst findet aber, dass das, was dem Paar beim Putzen passiert sei, „jedem passieren kann“.
Die Stadt selbst kann auf die Frage, ob die Verursacher des Einsatzes zur Kasse gebeten werden, noch keine Antwort geben. „Der Einsatzbericht liegt uns noch nicht vor“, teilt dazu Stadtsprecher und Leiter des Stadtmarketings, Christian Poitsch, auf OVB-Anfrage mit.
Die Stadt werde derartige Einsätze zwar immer „bürgerfreundlich“ beurteilen, sei letztlich aber an die stadteigene Satzung über den Aufwendungs- und Kostenersatz für Einsätze der Feuerwehr gebunden.
Weitere Fotos vom Einsatz auf ovb-online.de.
Mathias Weinzierl