Rosenheim/Landkreis – Ob Chiemsee, Simssee, Hartsee, Happinger, Neubeurer, Tinninger, Hawaii- oder Luegsteinsee – die Wasserqualität der rund 30 Naturseen im Chiemsee-Alpenland ist ausgezeichnet. Das Gesundheitsamt hat seine Kontrollen Ende Mai ohne Beanstandungen abgeschlossen. Die Badesaison kann beginnen.
Lebensraum
voller Vielfalt
Ganz ungefährlich sind die Naturseen allerdings nicht, denn sie sind nicht nur Lebensraum für Schwäne, Enten, Fische oder Schlangen. Auch der Biber hat sich inzwischen an vielen natürlichen Badeseen angesiedelt. Und so kann es vorkommen, dass man plötzlich Kopf an Kopf mit einem Biber schwimmt.
„In der Regel meiden Biber Badestellen“, sagt ein Sprecher der Unteren Naturschutzbehörde. Doch wer wie der Biber „dämmerungs- und nachtaktiv“ ist, kann ihm in den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung begegnen. „Im ersten Moment erschrickt man natürlich“, weiß Biberberater und Langstreckenschwimmer Robert Weinberger aus Eggstätt. „Doch wenn ein Biber neben dir auftaucht, zeigt das vor allem eines: Die Natur lebt. Biber gehören wieder zum natürlichen Bild der heimischen Gewässer.“
Der Biber gilt als scheues Tier. „Fühlt er sich erschrocken oder bedrängt, reagiert er allerdings deutlich“, erklärt Weinberger. Ein Biber zeige sein Drohverhalten, um sein Revier, seinen Bau oder seinen Nachwuchs zu verteidigen. Typisch sei dann ein kräftiger Schlag mit dem flachen Schwanz auf die Wasseroberfläche als lautes Warnsignal.
„Manche Tiere tauchen dann auch dicht am Schwimmer vorbei oder verschwinden abrupt unter Wasser“, beschreibt Weinberger und räumt ein, dass ein Biber „in seltenen Fällen auch beißen kann“.
Im Münchner Stadtteil Obermenzing etwa wurde 2024 eine Frau beim Schwimmen in der Würm von einem Biber gebissen. Im Landkreis Rosenheim aber seien solche Fälle bislang nicht bekannt, informiert das Landratsamt auf OVB-Anfrage. „Biber meiden Menschen normalerweise und greifen nicht aktiv an“, betont Biberberater Weinberger. „Gefährlich kann eine Begegnung dann werden, wenn man sehr nah an das Tier heranschwimmt, ihm den Fluchtweg abschneidet oder zwischen einen Biber und seinen Bau gerät.“ Auch Hunde können die Tiere stressen und unberechenbare Situationen auslösen.
„Die kräftigen Schneidezähne des Bibers sind dafür ausgelegt, selbst dicke Äste zu durchtrennen“, erklärt der Biberberater. Entsprechend könnten sie bei einem Biss schwere Verletzungen verursachen. „In solch einem Fall sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da die Wunde tief sein kann und mit Keimen aus dem Tierspeichel kontaminiert ist“, empfiehlt ein Sprecher des Gesundheitsamtes.
Die Wunde müsse gereinigt, desinfiziert und mit einem sterilen Wundverband abgedeckt werden. „Der Arzt entscheidet auch über die Gabe eines Antibiotikums.“ Durch den Biss können Bakterien übertragen werden, die zu Infektionskrankheiten wie der Hasenpest (Tularämie) führen können. „In jedem Fall sollte nach einem Biss durch einen Biber auch der Tetanus-Impfstatus überprüft und die Impfung gegebenenfalls aufgefrischt werden“, rät das Gesundheitsamt.
Keinesfalls das
Tier anfassen
Damit es erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt Robert Weinberger: „Wer einem Biber begegnet, sollte ruhig bleiben, langsam Abstand schaffen und keinesfalls versuchen, dem Tier hinterherzuschwimmen oder es anzufassen.“ Bereiche am Ufer, an denen sich ein Bau oder ein Biberdamm befindet, sollten unbedingt gemieden werden.
„Die meisten Begegnungen mit einem Biber sind vollkommen harmlos und enden friedlich“, versichert der Biberberater: „Für viele Schwimmer sind sie sogar eindrucksvolle Erlebnisse.“