Grillen ist ein Stück Freiheit

von Redaktion

Vom Kugelgrill bis zur voll ausgestatteten Grillstation kommen bei den „Glutsbrothers“ Grillfans auf ihre Kosten. Tobias Vogt leitet das Fachgeschäft in Rosenheim. Er weiß, worauf man beim Grillen achten sollte, und verrät, was er am liebsten auf den Rost packt.

Rosenheim – Tobias Vogt mag skurrile Gegenstände. Deshalb steht er in seinem Fachgeschäft auch nicht neben einem Grill, sondern neben einem alten Seziertisch. „Den habe ich aus Tschechien“, erzählt der Rosenheimer. Auch ein altes Röntgengerät hängt an der Wand, da und dort stehen alte Werkbänke aus dunklem Holz. Zu verkaufen sind die aber nicht. Anders als die vielen ausgestellten Grills und Pizzaöfen samt Zubehör. Sie sind Vogts Spezialgebiet.

Aus der Töpferei
wird das Fachgeschäft

Die Räumlichkeiten, in denen er sein Fachgeschäft „Glutsbrothers“ eingerichtet hat, sind schon länger in Familienbesitz. Vogts Großvater hatte sie vor vielen Jahren gekauft und eine Töpferei daraus gemacht. „Diesen Beruf habe ich auch eigentlich gelernt“, erzählt Tobias Vogt. Sein Vater Bernd Vogt übernahm die Töpferei, später stieg auch Tobias Vogt in den Familienbetrieb ein. 2015 spezialisierte er sich schließlich auf hochwertige Grillgeräte. Die richtige Entscheidung, denn in der Corona-Zeit wurde endgültig klar: Das Töpfern rechnet sich nicht mehr. „Vogt Keramik“ machte dicht – und Tobias Vogt gestaltete das Gebäude im Jahr 2020 um. Im Video geben Tobias Vogt und sein Mitarbeiter Lukas Göttlinger einen Einblick in das Fachgeschäft in Rosenheim. Außerdem sprechen die beiden Profis über die häufigsten Fehler beim Grillen.

Heute gibt es hier statt Keramikkrügen Grills in verschiedenen Farben, Formen und Preisklassen, Grillmesser, Pinzetten, Kühlboxen – die Liste ist lang. Doch egal welche Art von Grill, eines haben sie alle gemeinsam: „Im Endeffekt macht jeder einfach nur die Luft heiß“, sagt Vogt. Der größte Unterschied liege in der Verarbeitung und der Ästhetik. Einen Kugelgrill, etwa fürs Festival, gibt es ab 98 Euro. Eine voll ausgestattete Grillstation kostet schon mal 6.500 Euro. Vogt grillt am liebsten mit dem sogenannten „Big Green Egg“. Der Name ist Programm, der Grill sieht aus wie ein großes, grünes Ei. „Das ist sehr komfortabel, vor allem, was die Reinigung angeht“, betont der Experte.

Man müsse den Grill nur einmal richtig heißmachen, mit der Bürste drübergehen und schon sei alles sauber. Betrieben wird das „Big Green Egg“ mit Holzkohle. Das mag Lukas Göttlinger an dieser Art Grill so gerne. Er ist seit einem Jahr Teil des Teams der „Glutsbrothers“ und ist eigentlich gelernter Zimmerer. „Grillen mit Holzkohle macht mir am meisten Spaß, ich bin damit aufgewachsen“, erzählt der 26-Jährige. Bevor er hier im Geschäft anfing, grillte er oft für Freunde und war bei Grillkursen von Tobias Vogt zu Gast. „Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich nicht Vollzeit bei ihm arbeiten möchte“, erzählt Göttlinger.

Der Frasdorfer stand schon als Kleinkind das erste Mal am Grill. „Für mich ist das ein Stück Freiheit“, sagt er. Das offene Feuer, die Glut, das sei für ihn Entspannung pur. „Grillen ist für mich ein Lebensstil“, sagt Geschäftsführer Tobias Vogt. Er assoziiere damit ganz viele Kindheitserinnerungen, aber auch Sommer, Familie und Geselligkeit. Auch er habe als Kind „schon mal eine Wurst umdrehen dürfen“, da sei er so sieben oder acht Jahre alt gewesen.

Vieles von dem, was er über das Grillen weiß, brachte sich Vogt selbst bei, mithilfe von Büchern oder Videos auf Youtube. Das meiste habe er einfach ausprobiert. Auch, welcher Wein am besten zu welchem Gericht passt. Darauf legen die beiden gerne den Fokus. „Das macht uns brutal viel Freude, weil wir einfach Genussmenschen sind“, sagt Vogt. Am Arbeitsplatz brutzeln sich die beiden fast jeden Tag ihr Mittagessen oder probieren neue Gerichte aus.

Auf privaten Feiern stehen Vogt und Göttlinger ebenfalls oft am Grill. „Auf der einen Seite ehrt einen das natürlich. Auf der anderen Seite kann es manchmal schon ein bisschen mühsam sein“, gibt Vogt zu. Vor allem, wenn am Ende für denjenigen am Grill nur noch Reste übrig bleiben.

Ganz klassisch bereiten die Grill-Spezialisten Fleisch auf dem Rost zu. „Meine aktuellen Favoriten sind Wammerl und gute Würstl“, sagt Vogt. Dazu selbst gemachter Kartoffelsalat. Oder auch Burger, meist mit Fleisch von der Wagyu-Rinderzucht im Achental. Lukas Göttlinger mag das Chuck Flap, „das Nackenstück beim Rind“, sagt er. Oder ein Iberico-Kotelett vom Drehspieß.

Allerdings grillen die beiden nicht nur Fleisch. „Wir haben auch vegetarische Phasen“, verrät Vogt. Im Frühjahr legt er grünen Spargel auf den Rost. Auch Antipasti vom Grill mag er gerne, mit Zucchini, Auberginen und Paprika. Das könne man mit Balsamico anmachen und Parmesan drüberreiben.

„Gefüllte Champignons gehen auch super einfach“, fügt Lukas Göttlinger hinzu. Zudem liege gegrillter Romana-Salat oder Radicchio im Trend. „Einfach halbieren und mit Ahornsirup und Öl auf dem Grill anbraten“, erklärt der 26-Jährige.

Nur Lebensmittel
von guter Qualität

Wichtig ist den beiden, dass die Lebensmittel immer von guter Qualität sind. „Ich könnte kein Fleisch mit ruhigem Gewissen essen, von dem ich weiß, dass die Tiere ein erbärmliches Leben gehabt haben“, betont Tobias Vogt, und Lukas Göttlinger sieht das ganz genauso. „Einer der größten Fehler beim Grillen ist, das falsche Fleisch zu kaufen“, sagt Vogt.

Außerdem gehe es beim Grillen nicht um Geschwindigkeit. „Viele machen den Grill zu heiß und nehmen sich zu wenig Zeit für den Prozess“, so der Geschäftsführer. „Fleisch sollte man nach dem Grillen ruhen lassen“, fügt Lukas Göttlinger hinzu. Sein Chef bricht es so herunter: „Gutes Essen ist die Übereinstimmung von Temperatur und Zeit – und guten Lebensmitteln.“

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