Ein nahbarer Hollywood-Star zu Gast in Prutting

von Redaktion

Der ehemalige Mr. Universum und Schauspieler Ralf Moeller ist unter anderem bekannt aus dem Streifen „Gladiator“. Nun war er als Markenbotschafter für Arbeitskleidung zu Besuch im Voralpenland. Mit im Gepäck hatte er eine klare Botschaft für die Bedeutung von Sport und Handwerk.

Prutting – „Sie? Du?“ „Du“, bestimmt Ralf Moeller (67), „ich bin der Ralf.“ Mit diesen Worten streckt er einem die Hand entgegen. Es kommt einem vor, als schiebe er einen Luftschwall vor sich her, so großzügig ist die Pranke bemessen.

Ralf Moeller war, vielmehr ist ein Kraftsport-Idol. Ralf Moeller ist sehr, sehr groß. So groß, dass einem klar wird, wie klein die Firmenräume von Bewa-Digi Patch in Prutting eigentlich sind. Ralf Moeller ist auf Werbe-Tour. Er steht an einem runden Tischchen, hinter ihm ein Banner mit ihm selbst, überlebensgroß.

Vom Kolosseum in Rom
nach Prutting

Ralf Moeller war mal Mr. Universum. 1986 war das, er war sogar der erste garantiert saubere Bodybuilding-Weltmeister, ordnungsgemäß auf Doping getestet. Danach ging’s nach Hollywood. Ralf Moeller, das war seine Spezialität, ließ die Muskeln spielen. Vor allem im Film „Gladiator“. An der Seite von Russell Crowe focht Moeller im Kolosseum und probte den Aufstand gegen die Schergen des Kaisers Commodus (noch ein Weltstar: Joaquin Phoenix). Ralf Moeller hatte da nicht sehr viel mehr zu sagen als „Aaarrrgh“, als er so tut, als sei er vergiftet worden, und mit den Händen seinen Hals umklammert. Aber er tat das eindrucksvoll und mit guter Laune. Mit Spielfreude, sozusagen. Das ist ein Vierteljahrhundert her. Russell Crowe soll nicht durchgehend gut gealtert sein, so hörte man ab und zu, er muss vor einigen Jahren einen ganz beachtlichen Ranzen vor sich hergeschoben haben. Erst jüngst zeigte er sich wieder gestrafft.

Bei Ralf Moeller ist das anders. Er war vermutlich die ganze Zeit über fit. Er ist zwar 67 Jahre alt, sieht aber eher aus wie Jahrgang 1967, eher wie Ende 50 als Ende 60. Seine 1,97 Meter sind nicht gebeugt, sein Kreuz so breit, dass er handelsübliche Türen wahrscheinlich schultervoraus durchqueren muss.

„Ich war Schwimmer gewesen, bin dann zum Bodybuilding“, erzählt er. Sein erster Titel sei ein süddeutscher Meistertitel gewesen, was sich für einen Mann aus Recklinghausen ungewöhnlich anhört. „Und dann bin ich in die Schauspielerei.“ Im „Tatort“ bekam er seine erste Rolle, dann ging’s steil nach oben. Bis in die Traumfabrik der USA.

Er wohnt heute noch in Los Angeles. Und trifft im Zigarrenclub regelmäßig andere Stars wie Robert De Niro, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone. Und er steht immer noch vor der Kamera, zuletzt als Titanius im Fantasy-Action-Streifen „Dragon Lord“.

Als Markenbotschafter ist er nach Prutting gekommen. Ob er nicht Ehrenbürger werden könne, fragt er scherzhalber. Bürgermeister Johannes Thusbaß legt den Kopf schief und zieht die Stirn kraus. Na ja, müsse ja nicht sofort sein, sechs Jahre habe Thusbaß ja Zeit, das mit der Ehrenbürgerschaft einzufädeln, lacht Moeller. Mindestens!

Ralf Moeller ist zum ersten Mal hier, fühlt sich aber offenbar ganz zu Hause. Er plaudert mit Jung und Alt, lässt klaglos viele, viele Selfies mit sich machen und lacht immer wieder dröhnend. Er wirkt nicht, als würde er sich über Gebühr wichtig nehmen.

Auf einmal steht ein älterer Mann im Geschäft, hebt die Arme und ruft „Ralf“! Ralf ist gerade nicht im Bilde, man sieht, wie es in ihm arbeitet, das Fragezeichen in seinem Gesicht ist unübersehbar. „Damals, das Fitnessstudio in Haßfurt“, sagt der Neuankömmling. Erleichterung bei Moeller, „ich erinner mich“. Umarmung. „40 Jahre ist das her“, sagt er.

Der Mann aus Hollywood ist tatsächlich sehr nahbar, seine Werbetätigkeit für Arbeitskleidung – genauer: „Hans Schäfer Workwear“ – nimmt man ihm ab. Werbung mache er auch deswegen, weil er ans Handwerk glaube, gerade in Zeiten der KI. „Viele, die Abitur haben, sagen, weißt du was, bevor ich studiere, mach‘ ich erst mal Zimmermann oder einen anderen Handwerksberuf“, sagt Moeller. „Handwerk hat immer noch goldenen Boden.“

Aber natürlich kommen die meisten, die allermeisten an diesem Tag wegen Ralf Moeller, dem Mimen und Muskelmann. Martina, selbst Kraftsportlerin, hat auf dem Weg vom Fitnessstudio das Werbebanner mit Moeller erspäht. Sie hat sich kurzentschlossen das Fan-Shirt ihres Mannes genommen und ist an die Rosenheimer Straße geeilt. Und dort soll nun Ralf Moeller seinen Namen neben den anderer Kraftsportler setzen.

Ein einfacher Rat
von Mr. Universum

Ein anderer bringt ein Buch mit. Ralf Moellers Bodybuilding-Buch, veröffentlicht auf dem Höhepunkt seiner Körperkarriere: der Star als junger Mann in blauem Tanga, mit etwas wuschligeren (geföhnten?) Haaren, mit Muskeln fast zu groß und definiert, um wahr zu sein. „1986 hab ich das rausgebracht“, sagt er und wirkt beim Schreiben der Widmung kurz nachdenklich – wie doch die Zeit vergeht. An einige Jüngere im Publikum hat er Tipps, die kein Verfallsdatum haben: Sport sei wichtig. „Wer richtig Sport machen will, muss sich ein Ziel setzen“. Und: „Trinkt’s nicht so viel Cola.“

Nach zwei Stunden ist dann Schluss. Moeller muss weiter. Einen Termin hat er in der Nähe von Würzburg, dann geht’s nach London und Budapest. „Das war ein sehr angenehmer Termin“, sagt Pruttings Bürgermeister Thusbaß. „Sehr sympathischer Typ.“ Mit der Ehrenbürgerwürde wird es dennoch nichts werden, sagt er. „Da sind die Pruttinger eigen.“

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