Kinderärzte schlagen Alarm

von Redaktion

Zu wenig Förderung – Praxen warnen vor Versorgungslücke

Bad Endorf – Zu wenig finanzielle Förderung für Weiterbildungsstellen in Kinderarztpraxen: Über dieses Problem haben die Bad Endorfer Kinderärztinnen Dr. Michaela Wruk und Carina Randl am gestrigen Freitag, 12. Juni, mit der CSU-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, Daniela Ludwig, in ihrer Praxis gesprochen.

„In der Weiterbildung von künftigen Kinderärzten haben wir ein massives Problem. Es gibt zu wenig finanzielle Förderung für Weiterbildungsstellen in Kinderarztpraxen“, sagte Dr. Michaela Wruk bei dem Gespräch. Sie hatte sich bereits im Vorfeld schriftlich an Ludwig gewandt. „In ganz Bayern werden 2026 nur 39 Plätze gefördert. Das ist viel zu wenig, sodass die Aussichten auf eine Weiterbildungsförderung in Stadt und Landkreis Rosenheim und darüber hinaus sehr gering sind.“

Wruk erläuterte, dass nach der neuen Weiterbildungsordnung für angehende Kinderärzte sechs Monate in der ambulanten Versorgung verpflichtend vorgesehen seien. In den Praxen könnten die Weiterbildungsassistenten Vorsorgeuntersuchungen, Impfberatung sowie die breite Entwicklungs- und Sozialpädiatrie erlernen. Die Ausbildung bedeute jedoch einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand: Die Personalkosten stiegen, da Weiterbildungsassistenten ein reguläres Gehalt erhielten. Anders als bei den Hausärzten, reiche die finanzielle Förderung durch die Kassenärztliche Vereinigung bei Weitem nicht aus – obwohl Kinderärzte der hausärztlichen Versorgung in der Abrechnung gleichgestellt seien.

Carina Randl verwies auf bestehende Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken und Praxen: „Es gibt Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken und Praxen, die sich gut ergänzen würden, wenn die Finanzierung garantiert wäre. Wir sind mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Kliniken ausgezeichnet vernetzt.“

Ludwig zeigte sich der Dringlichkeit des Problems bewusst und kündigte an, aktiv zu werden: „Das ist ein ernstes Problem, die Situation ist äußerst schwierig. Ich habe mich umgehend an die Fachkollegen in der CDU/ CSU-Fraktion gewandt. Die notwendige gesetzliche Änderung müssen wir noch in die Wege leiten.“ Neben der Weiterbildungsproblematik sprachen die Kinderärztinnen auch über die wachsenden Herausforderungen in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen. „Wir beobachten eine enorme Zunahme an Verhaltensauffälligkeiten, an Essstörungen und einen steigenden Medienkonsum“, so Dr. Michaela Wruk. Carina Randl ergänzte, dass es zu wenig Therapieplätze und Termine bei Fachärzten und Therapeuten gebe.

Für Ludwig hat das Thema Pädiatrie künftig hohe Priorität: „Als Mutter von Zwillingen weiß ich, wie wichtig gute Kinderärzte und eine fundierte medizinische Betreuung der Kinder sind. Die Zunahme von psychosozialen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten macht mir Sorgen. Wir müssen deshalb alles tun, um die vorhandenen Herausforderungen zu lösen.“

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