Ab morgen heißt es wieder: „Das Runde muss ins Eckige.“ Die Fußballweltmeisterschaft beginnt. Am meisten Freude macht mir dabei, den Kindern zuzuhören. Wenn sie aufgeregt über Mannschaften diskutieren, Abziehbilder tauschen und jede Rückennummer kennen, spürt man die Begeisterung.
Natürlich gibt es auch die anderen, die mit Fußball wenig anfangen können. Die sich fragen, warum 22 Erwachsene einem Ball hinterherlaufen, statt einfach einen zweiten zu kaufen. Den Hype um die WM, Aufwand und Kosten kann man durchaus kritisch sehen. Trotzdem zeigt der Sport etwas, das in der gegenwärtigen Weltlage fast schon beispielhaft erscheint: Die Nationen treten nur auf dem Spielfeld gegeneinander an, halten sich an gemeinsame Regeln und reichen sich danach die Hand. Zuschauer, die einander nicht kennen, liegen sich nach einem Tor in den Armen. Niederlagen müssen zusammen verkraftet werden. Jede Mannschaft hat ihre Spielmacher, doch gewinnen kann nur ein Team.
Die Oberministranten haben mich inzwischen zu einem Tippspiel eingeladen. Nun werde auch ich mein Bestes geben: Natürlich bin ich mit dabei! Ich darf mitfiebern, hoffen und mich freuen – und muss das Ergebnis nicht für das Wichtigste halten. So wünsche ich uns spannende Spiele, fairen Jubel und genügend Gelassenheit. Denn auch nach einem verlorenen Spiel wird sich die Erde weiterdrehen. Im besten Fall geht es bei dieser Weltmeisterschaft um mehr als nur um einen Pokal: um Begeisterung, Gemeinschaft und die Erkenntnis, dass die wichtigsten Ziele des Lebens dann doch nicht auf einer Anzeigetafel stehen.