Rosenheim – „Merchandise ist am Anfang nicht die beste Idee“, erklärt Cavin Kewitz einem Schüler der Klasse 10c am Karolinen-Gymnasium Rosenheim. „Dafür braucht man bereits eine gewisse Kundenbindung“, ergänzt er. Kewitz ist allerdings kein Lehrer, der die Schüler im klassischen Frontalunterricht mit Lehrstoff versorgt. Nein, aktuell sieht der Wirtschaftsunterricht der Klasse anders aus als üblich. Denn Kewitz ist Start-up-Gründer und als Mentor regelmäßig zu Besuch in der Klasse.
Geschäftsmodelle als
neuer Teil des Lehrplans
Organisiert hat das Referendar Benjamin Kressmann. Für den Punkt „Entwicklung eines Geschäftsmodells“ im Lehrplan hat er sich etwas ganz Besonderes überlegt. Über das Gründernetzwerk Stellwerk 18 organisierte er gleich zwei Mentoren, die die Schüler beim Aufbau ihres ersten eigenen Unternehmens – zumindest auf dem Papier – unterstützen. Einer von ihnen ist Cavin Kewitz. Er gründete selbst im Jahr 2022, noch während seines Jurastudiums, sein Unternehmen „Mugenio“, mit welchem er gemeinsam mit dem lokalen Handwerk Wärmepumpenprojekte umsetzt.
„Oft sind die Schüler alleine schon durch eine Projektarbeit stärker motiviert“, erklärt Kressmann. „Einfach, weil es mal etwas anderes ist.“ Dass dann auch noch ein externer Mentor mit dabei ist, der von seinen eigenen Erfahrungen berichten kann, sei noch einmal ein zusätzlicher Motivationsschub. In insgesamt sieben Gruppen haben die Schüler bereits die unterschiedlichsten Gründungs-Ideen entwickelt.
Kewitz zeigt sich begeistert von dem Projekt. „Die wenigsten Leute wachen auf und denken sich: ‚Heute gründe ich ein Unternehmen‘“, sagt er. Daher sei es ihm extrem wichtig, junge Menschen zu motivieren, zumindest die Option einer Unternehmensgründung im Hinterkopf zu haben.
„Wir haben so viele Probleme auf dieser Welt und auch so viele kreative, tatkräftige Menschen, aber leider viel zu wenig junge Gründer“, macht er deutlich. „Das liegt meiner Meinung nach daran, dass bei vielen der Funke, selbst die Probleme auf diese Weise in die Hand nehmen zu können, überhaupt nicht existiert.“
In der 10c am „Karo-Gym“ ist der Funke übergesprungen. So zum Beispiel im Projektteam rund um Anna Loidiller. „Wir planen ein Unternehmen, welches ein warmes, veganes Mittagessen anbietet“, erzählt sie. Und diese Idee entstand sogar aus der eigenen Lebensrealität heraus. „Uns ist aufgefallen, dass wir uns mittags oftmals nur einen Salat holen können oder uns selbst etwas mitbringen müssen“, erklärt die Schülerin. Das Projekt im Allgemeinen gefalle ihr sehr gut. „Man lernt mal wirklich was fürs Leben“, sagt sie. „Das ist wirklich wichtig.“ Kewitz gibt den Schülern bei seinen Besuchen im Unterricht immer wieder wichtige Ratschläge mit auf den Weg. Zum Beispiel, dass auch Scheitern dazugehört. „Das ist ein Teil des Prozesses“, erklärt er. Und: „Man scheitert immer nach vorn.“
Eine ganz andere Idee als das Team um Loidiller hat das Projektteam rund um Michael Niedermaier. Die fünfköpfige Jungs-Gruppe plant eine eigene Fußball-Liga für Frauen – mit angepasstem Spielprinzip. „Frauen haben einfach andere körperliche Voraussetzungen als Männer“, erklärt er. Daher plane die Gruppe mit kleineren Toren, einem kleineren Spielfeld und vielleicht sogar einem leichteren Ball. „Alles angepasst an die biologischen Aspekte.“ Andere Gruppen nahmen sich wiederum ganz anderer Aspekte des täglichen Lebens an. Von einer App gegen Einsamkeit bei Senioren bis zu einer verbesserten Navigations-App mit Parkplatzhilfe oder einer ganzheitlichen Fitness-App waren die unterschiedlichsten Ideen dabei.
Begeisterung über
den Innovationsgeist
Kewitz zeigte sich begeistert vom Innovationsgeist: „Jede Idee, die von den Schülern kam, war etwas Innovatives. Etwas, was in einem bestimmten Bereich für eine Verbesserung sorgt.“ Besonders die Themen Einsamkeit, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Ernährung beschäftigen die Schüler. Zudem hätten die Zehntklässler durchgehend ein sehr verantwortungsbewusstes Herangehen bewiesen, lobt der Unternehmer. Am Ende der Projektwochen soll ein gesamtes Start-up-Konzept ausgearbeitet sein. Die einzelnen Konzepte treten schließlich in einem schulinternen Wettbewerb der zehnten Klassen gegeneinander an. Und wer weiß, vielleicht wird ja aus der ein oder anderen Idee das nächste bayerische Erfolgs-Start-up.
Patricia Huber