Brannenburg – „Es ist vorbei.“ Mit Bedauern, aber auch mit Dankbarkeit für „prägende Erfahrungen“ reagieren ehemalige Schüler in den sozialen Medien auf die Nachricht, dass das Institut Schloss Brannenburg vor dem Aus steht. Das Unternehmen hat Insolvenzantrag gestellt und mitgeteilt, dass der Schulbetrieb Ende Juli eingestellt wird.
Dass die Realschule und Fachoberschule im neuen Schuljahr weitergeführt werden könnten, sei „nicht überwiegend wahrscheinlich“, informierte Rechtsanwalt Dr. Harald Schwartz, der vom Amtsgericht Rosenheim als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde. „Wir verschaffen uns derzeit einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens“, informiert Schwartz. Dazu gehörten einerseits finanzielle Verpflichtungen wie Pacht, laufende Betriebs- und Unterhaltungskosten für das historische Gebäude sowie die Löhne und Gehälter für 43 Mitarbeiter. Gleichzeitig werde geprüft, ob und wie die Institut Schloss Brannenburg GmbH wieder in die Lage versetzt werden könne, ausreichend finanzielle Mittel zu erwirtschaften, um laufende Kosten zu decken.
Wirtschaftlicher Druck
auf Privatschulen enorm
Die Geschäftsführung hatte rückläufige Schülerzahlen und gleichzeitige Kostensteigerungen für die wirtschaftliche Krise verantwortlich gemacht. Es sei zuletzt nicht mehr möglich gewesen, die hohen Ausgaben durch entsprechende Einnahmen zu decken. Das Konzept einer privaten Realschule ist nach Ansicht der Institutsleitung „in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar“.
„Der wirtschaftliche Druck ist enorm“, schreibt einer der ehemaligen „Schlossler“. Seit der Corona-Krise und dem Ausbruch des Ukrainekrieges hat die Zahl der Insolvenzen stark zugenommen. Massiv gestiegene Preise für Strom, Gas, Heizöl, Kraftstoffe, Baumaterialien oder Rohstoffe sowie hohe Inflationsraten haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2025 deutschlandweit 24.064 Unternehmenspleiten – 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Region Rosenheim verzeichnet so viele Firmenpleiten wie nie zuvor. Allein im ersten Quartal 2026 wurden in Rosenheim 41 Insolvenzanträge gestellt. Im gesamten Jahr 2022 waren es 31.
Privathaushalte sind genauso von der Wirtschaftskrise betroffen. Unter diesen Bedingungen werde es für die Familien immer schwieriger, den monatlichen Kostenbeitrag für das Institut Schloss Brannenburg zu erwirtschaften, merkt ein ehemaliger Schüler in den sozialen Medien an. An der Realschule zahlen Internatsschüler eine monatliche Gebühr von 2.679 Euro und Tagesschüler 1.330 Euro. Die Fachoberschule kostet für Internatsschüler 2.940 Euro und für Tagesschüler 1.495 Euro. Ob eine frühzeitige Gebührenerhöhung erforderlich gewesen wäre, um alle Kosten für Unterricht, Betreuung und Verpflegung zu decken, wird im Rahmen des Insolvenzverfahrens geprüft.
Die Geschäftsführung des Instituts Schloss Brannenburg ist für das OVB im Moment nicht erreichbar. Berichten aus dem Jahr 2014 zufolge haben staatlich anerkannte Realschule und FOS eine Kapazität von etwa 110 Schülern. Im hauseigenen Internat wohnten damals 90 Jugendliche. Nach Informationen des Insolvenzverwalters sind aktuell etwa 50 Schüler an beiden Schulen angemeldet.
Schuljahr geht
geregelt zu Ende
„Wichtig ist zunächst, dass das Schuljahr ordentlich zu Ende geführt wird, damit die Schüler ihr Jahreszeugnis erhalten und ein Schulwechsel möglich wird“, erklärt Dr. Harald Schwartz. Die Frage, ob es auf Schloss Brannenburg perspektivisch wieder einen Schulbetrieb geben wird, soll im Insolvenzverfahren geklärt werden. Ende Juli soll das Liquiditätsgutachten vorliegen, damit die Familien mit Ferienbeginn Klarheit darüber haben, ob sie für ihre Kinder eine neue Bildungseinrichtung suchen müssen.
„Die Entscheidung zur Schließung der Schule stellt einen einschneidenden Moment für die Schulfamilie dar, der sicherlich mit Wehmut, aber auch mit Sorgen verbunden ist“, bedauert Karsten Kundt, Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Oberbayern Ost. Vorrangiges Ziel der Schulaufsicht sei es nun, einen geordneten Übergang zu begleiten. „Es ist uns wichtig, die Schule dabei zu unterstützen, dass für jeden Schüler ein Anschluss gefunden wird“, betont Kundt.
Sein Team stehe bereits im Austausch mit der Schule. Da es sich um eine staatlich anerkannte Realschule handle, könnten die Schüler ohne Aufnahmeprüfungen oder Probezeit zu einer öffentlichen Realschule wechseln. Bei Bedarf werde die Dienststelle des Ministerialbeauftragten bei der Suche nach einer geeigneten Realschule behilflich sein. Auch könnten sich Betroffene an die staatliche Schulberatungsstelle wenden, um sich über die weiteren Schullaufbahnmöglichkeiten zu informieren.
70 Jahre lang wurde auf Schloss Brannenburg gelehrt und gelebt. „Wir haben hier Zusammenhalt, Loyalität, Respekt und Durchhaltevermögen gelernt. Vor allem aber haben wir gelernt, zueinanderzustehen – gerade in schwierigen Zeiten“, erinnert sich eine ehemalige Schülerin an ihre Zeit als „Schlosslerin“. Die Schüler wurden ab dem fünften Schuljahr in kleinen Klassen mit weniger als 20 Schülern pro Jahrgang und durch intensive Betreuung in einer familiären Gemeinschaft in ihrem persönlichen Wachstum bestärkt, heißt es auf der Homepage der Einrichtung. Mehr als 95 Prozent der Absolventen erreichten nach Angaben der Schule die Mittlere Reife oder die Fachhochschulreife. Einer der prominentesten Absolventen von Schloss Brannenburg ist übrigens Michael „Bully“ Herbig.
Löhne der Mitarbeiter
für drei Monate gesichert
Neben den etwa 50 Schülern des Instituts Schloss Brannenburg sind auch 43 Mitarbeiter von der Insolvenz der Einrichtung betroffen – darunter 25 Lehrkräfte. Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld für einen Zeitraum von drei Monaten gesichert. Doch wie geht es danach für sie weiter?
Wenn sie über die erforderlichen Lehramtsbefähigungen verfügen, stehe es ihnen offen, sich für den staatlichen Realschuldienst zu bewerben, erläutert Kundt. Eine Teilnahme am laufenden Einstellungsverfahren für das Schuljahr 2026/2027 sei allerdings nicht mehr möglich.
„Private Schulen ergänzen und bereichern das öffentliche Schulwesen durch alternative pädagogische Konzepte oder eine spezifische religiöse Wertebasis“, betont Ministerialbeauftragter Karsten Kundt. Er dankt allen, die sich für die Private Schule Schloss Brannenburg eingesetzt haben: „Auch wenn der Schulbetrieb nun eingestellt wird, bleibt das geleistete pädagogische Wirken ein wertvoller Teil der Bildungsgeschichte unseres Bezirks.“
70 Jahre lang führte die Familie Zuber das Institut. Sie hatte das Schloss 1956 erworben und ein Landschulheim für Buben eröffnet, an dem ab 1978 auch Mädchen aufgenommen wurden. 2009 wurde neben Internat und Realschule auch eine staatlich anerkannte Fachoberschule eröffnet. Nach dem Tod von Direktor Hans-Günter Zuber (61) in der Corona-Pandemie im Jahr 2021 übernahm Gabriele Zottl die Schulleitung und die Geschäftsführung der Institut Schloss Brannenburg GmbH.