Bad Aibling – Was genau am 11. November 2024 in der Wohnung im Osten von Bad Aibling geschehen ist, dazu schweigt der Angeklagte noch immer. Ab und zu tuschelt er mit Anwalt Claus Erhard, der direkt neben ihm sitzt. Er hält dabei die Hand vor den Mund, wie Fußballer, die sich auf dem Platz unterhalten und nicht wollen, dass ein Lippenleser abliest, was sie da sagen.
Abdelrehim M. (44) soll an jenem Novembertag seine Frau Eman E. (34) erschlagen haben. Ob er es getan hat, und wenn ja: warum? Das bleibt vorerst ungewiss. Der Prozess, geleitet von Richter Volker Ziegler, nähert sich in kleinen Schritten dem Kern der Sache. Ziegler hat vorsichtshalber ein paar Tage mehr für den Prozess in den Kalender eintragen lassen als ursprünglich vorgesehen.
Überraschung für
alle Prozessbeobachter
Rätsel gibt auch die Verteidigung auf. Drei Anwälte sind als Vertreter für Abdelrehim M. aufgeboten: Claus Erhard und Juliane Weber, dazu – eine Überraschung für die Prozessbeobachter – Regina Rick. Sie wurde bekannt, nachdem sie im Fall Genditzki und im Eiskeller-Prozess von Aschau im Chiemgau Freisprüche für ihre Mandanten erreicht hatte. Sie ist erneut Wahlverteidigerin, offenbar in letzter Minute vor Prozessbeginn vom Angeklagten beauftragt. Warum? Sie sei Strafverteidigerin, damit sei die Frage ja wohl beantwortet, sagt sie kurz auf die Anfrage des OVB-Reporters. Wer für ihr Honorar aufkommt, ob sie pro bono antritt: Auch das ist nicht bekannt. Mancher Prozessbeobachter bezweifelt, dass Abdelrehim M. durch seine Arbeit in der Küche einer Klinik das Vermögen angehäuft hat, das für die Verpflichtung eines solchen Gespanns nötig sein dürfte.
Bekannt ist, dass zunächst der Rosenheimer Anwalt Andreas Leicher den Ägypter vertreten hatte. Wann und warum er das Mandat loswurde, dazu äußert sich Andreas Leicher nicht. Verständlich, ein Anwalt genießt schließlich das Vertrauen des Mandanten in seine professionelle Verschwiegenheit.
Nun also verteidigt ein Münchner Anwaltstrio den Ägypter, der als Koch in einem Klinikum in Bad Aibling gearbeitet hatte, gegen die Vorwürfe von Staatsanwalt Wolfgang Fiedler. Er wirft dem 44-Jährigen vor, seine Frau aus niedrigen Beweggründen ermordet zu haben. Abdelrehim M. hatte sie am Abend des 11. November bei der Polizei vermisst gemeldet. Ein halbes Jahr später, am 15. Juni 2025, wurden ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück nahe Bad Aibling entdeckt. Die Gerichtsmedizin stellte erhebliche Gewalteinwirkung fest.
Über die mutmaßlichen Motive des Mannes lässt sich bislang nur spekulieren. Offenbar fürchtete Abdelrehim M., die Kontrolle über seine Frau zu verlieren. Sie hatte begonnen, die Trennung von ihm vorzubereiten. So hatte sie sich Kontakte in Baden-Württemberg und zu einem Frauenhaus in München aufgebaut. Abdelrehim M. sprach daher von einer „Frauenmafia“. Eman E. war offenbar selbstbestimmt. Die Polizei ging unter anderem aus diesem Grund lange davon aus, dass sie auf der Flucht vor ihrem Mann untergetaucht sein könnte. Erst nach Monaten erfolgloser Suche nach einer Spur begannen die Ermittler, ein Tötungsdelikt in Betracht zu ziehen. Wann genau dies der Fall war, wann vor allem Abdelrehim M. ins Visier der Fahnder geriet: Mit dieser Frage versuchte Rick in den ersten beiden Prozesstagen, die Resultate der Ermittler zu erschüttern.
Ihr Ansatz, mit dem sie schon im Hanna-Prozess um den Eiskeller-Fall gegen die Ermittler punktete: Haben die Ermittler es versäumt, den Mann darüber in Kenntnis zu setzen, dass er als dringend tatverdächtig gilt? So säte sie im zweiten Eiskeller-Prozess Zweifel an den Resultaten der Ermittler. In der Verhandlung gegen Abdelrehim M. hatte sie bis dato keinen Erfolg.
Noch ein Anwalt
für den Angeklagten?
Im Verteidigergespann könnte sich noch etwas bewegen. Juliane Weber hat beantragt, noch einen zweiten Pflichtverteidiger hinzuzuziehen. In Verhandlungen mit vielen Terminen ist das nicht unüblich. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, damit der Angeklagte auch dann durch einen Pflichtverteidiger vertreten wird, wenn der andere vom Staat bestellte Anwalt verhindert ist. Möglicherweise wird Regina Rick nicht an jedem Tag zur Verfügung stehen. Über den Antrag auf einen weiteren Verteidiger ist noch nicht entschieden.
Der Prozess wird am 15. und 16. Juni fortgesetzt.