Höchste Auszeichnung für Kirchenmusiker Hans Berger

von Redaktion

Der Oberaudorfer Kirchenmusiker und Komponist Hans Berger ist in der Münchner Bürgersaalkirche mit der Orlando-di-Lasso-Medaille ausgezeichnet worden. Die Medaille gilt als höchste kirchenmusikalische Ehrung im deutschsprachigen Raum und würdigt sein Lebenswerk. Die Verleihung fand im Rahmen einer emotionalen Feierstunde statt.

München/Oberaudorf – Es war der bewegendste Moment einer außergewöhnlichen Feierstunde: Als Hans Berger in der Münchner Bürgersaalkirche die Orlando-di-Lasso-Medaille des Allgemeinen Cäcilienverbandes entgegennahm, erhoben sich die Besucher von ihren Plätzen. Minutenlang applaudierte das Publikum dem Oberaudorfer Kirchenmusiker, Komponisten und Volksmusikpfleger mit stehenden Ovationen. Berger selbst nahm die Ehrung sichtlich gerührt entgegen.

Mit der Orlando-di-Lasso-Medaille erhielt Hans Berger die höchste kirchenmusikalische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum. Verliehen wird sie vom Allgemeinen Cäcilienverband für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Gewürdigt wurde damit ein Lebenswerk, das Kirchenmusik, alpenländische Volksmusik, Volksgesang und geistliche Verkündigung auf besondere Weise miteinander verbindet. Die Feierstunde fand in der Münchner Bürgersaalkirche statt, wo der selige Pater Rupert Mayer seine Grablege hat. Überreicht wurde die Auszeichnung von Johann Simon Kreuzpointner, Präsident der Österreichischen Kirchenmusikkommission, in Vertretung von Msgr. Markus Bosbach vom Allgemeinen Cäcilienverband für Deutschland. Grußworte sprach Prof. Dr. Wolf, Präsident der Bayerischen Einigung, die als Veranstalterin den festlichen Rahmen der Feier mittrug. Die Laudatio hielt Josef M. Redl, der Hans Berger seit Jahrzehnten als Wegbegleiter verbunden ist, insbesondere auch bei dessen musikalischen Reisen nach Rom. Redl sprach als Beirat der Bayerischen Einigung, als Vertreter des Schirmherrn und als Vizepräsident des Festrings München. Er zeichnete den Weg Bergers vom Zithervirtuosen und Volksmusikpfleger zum prägenden Kirchenmusiker nach. Berger, der am Richard-Strauss-Konservatorium Kirchen- und Volksmusik studierte, wirkte über viele Jahre als Organist und Chorleiter in der Pfarrkirche „Zu unserer Lieben Frau“ in Oberaudorf.

Dort gründete er einen Kirchen- und Kinderchor sowie eine Musikschule und wurde später Dekanatsmusikpfleger im Dekanat Inntal. Aus vielen kleineren Chören der Region formte er einen größeren Klangkörper, der zunächst als Müllner-Peter-Chor bekannt wurde und heute als Montini-Chor fortbesteht.

Besonders eng verbunden ist Bergers Arbeit mit dem Müllner Peter von Sachrang, mit dessen musikalischem Erbe er sich intensiv beschäftigte. Zugleich schuf Berger zahlreiche eigene geistliche Werke, darunter die Jugendmesse „Dem Leben vertrauen“, die Pater-Rupert-Mayer-Messe sowie ein Weihnachts-, Oster- und Pfingstoratorium.

Ein Detail machte Josef M. Redl während seiner Laudatio besonders sichtbar: Er hielt das von Hans Berger herausgegebene Liederheft „Dir zur Ehr’ mein Lied ich singe“ in die Höhe. Der Titel steht sinnbildlich für Bergers Musikverständnis: Musik nicht als Selbstdarstellung, sondern als Lob Gottes, als Volksgesang und als Einladung zum Mitsingen.

Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde vom Montini-Chor und dem Großen Ensemble Hans Berger. In der festlich geschmückten Bürgersaalkirche verbanden sich Chor, Orchester, Volksmusikklang, Sologesang und gemeinsamer Volksgesang zu einem Konzert, das den Geist von Bergers Werk unmittelbar erfahrbar machte.

Spontaner Dank
vom Weihbischof

Eine besondere persönliche Note erhielt die Feier durch Weihbischof Wolfgang Bischof. Er trat spontan ans Mikrofon und wandte sich direkt an Hans Berger. Bischof erinnerte an dessen enge Verbundenheit mit dem verstorbenen Papst Benedikt XVI., der Bergers Musik sehr geschätzt habe. Er sei gewiss, so der Weihbischof sinngemäß, dass Benedikt XVI. diese Feier nun von einer anderen Ebene aus mit einem Lächeln begleite. Zu den besonderen Höhepunkten in Bergers musikalischem Leben zählte ein Privatkonzert für Papst Benedikt XVI. am 3. Dezember 2011 in der Sala Clementina im Apostolischen Palast. Auch in Rom war Berger mit seinem Chor bereits zu hören: 2015 gestaltete er beim „Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra“ die Pater-RupertMayer-Messe in der Kirche Sant’Ignazio.

Ein weiterer besonderer Moment war die Segnung der Erinnerungsanstecker für die Mitwirkenden. Weihbischof Wolfgang Bischof segnete die Anstecker, die an die Musikerinnen und Musiker des Chores und Orchesters sowie an Weggefährten Hans Bergers überreicht wurden. Damit wurde sichtbar, dass diese Auszeichnung zwar Hans Berger persönlich galt, zugleich aber auch das jahrzehntelange gemeinsame musikalische Wirken vieler Menschen würdigte. Hans Berger selbst dankte nach der Verleihung mit persönlichen Worten für die hohe Auszeichnung. Sein Dank galt den Anwesenden ebenso wie den vielen Weggefährten, Chormitgliedern, Musikanten und Unterstützern, die seinen kirchenmusikalischen Weg über Jahrzehnte begleitet und mitgetragen haben.

Auch zahlreiche Ehrengäste brachten Berger ihre Anerkennung zum Ausdruck. Zu den Gratulanten zählten unter anderem Landrat Otto Lederer, Oberaudorfs Bürgermeister Dr. Matthias Bernhardt sowie Sebastian Friesinger, Landesvorsitzender des Bayernbunds und Mitglied des Bayerischen Landtags.

Die Orlando-di-Lasso-Medaille würdigt nicht nur einen erfolgreichen Komponisten und Chorleiter, sondern ein Lebenswerk, das Kirchenmusik und Volksmusik nicht trennt, sondern verbindet. Hans Berger hat über Jahrzehnte gezeigt, dass geistliche Musik lebendig, singbar, heimatverbunden und zugleich künstlerisch anspruchsvoll sein kann. So wurde die Feierstunde zu einem Dank für ein kirchenmusikalisches Lebenswerk.

Artikel 4 von 10