Marktl am Inn – Noch sind viele Fragen nach dem schweren Unfall auf der B12 bei Marktl offen. Die Ermittlungen der Polizei dauern an, außerdem geht es in Zusammenarbeit mit einem Gutachter darum, die genauen Abläufe zu rekonstruieren. Dabei werden verschiedene Spuren ausgewertet – von der Unfallstelle bis zu den beteiligten Fahrzeugen.
Samstagfrüh gegen 5.10 Uhr war bei einem Unfall kurz nach dem Autobahnende auf der B12 bei Marktl eine Familie aus München ums Leben gekommen, darunter ein zweijähriges Kind. Nach Angaben der Polizei war der 46-jährige Fahrer in Richtung München unterwegs, als er aus bislang ungeklärter Ursache mit einem Wagen auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammenstieß. Der 46-jährige Familienvater, seine 44-jährige Frau sowie das Kind wurden im Auto eingeklemmt und starben noch an der Unfallstelle an ihren schweren Verletzungen.
Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigt, gibt es noch ein weiteres Kind (17) der Familie, das zum Zeitpunkt des Unfalls nicht im Fahrzeug saß. Es war zu Hause und wurde nach dem Unfall vom Jugendamt in Obhut genommen. Auch Verwandtschaft kümmere sich um das Kind.
Der 50-jährige Fahrer des Lastwagens wurde leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat nach dem Unfall einen Gutachter beauftragt, der nun helfen soll, die entscheidenden Fragen zum Unfallhergang zu klären. „Es geht dabei um ein technisches und unfallanalytisches Gutachten“, erklärt Polizeihauptkommissar Thomas Oberbauer von der Autobahnpolizei Mühldorf. Der technische Teil des Gutachtens prüft die Unfallfahrzeuge auf Defekte und technische Mängel, die den Unfall verursacht oder begünstigt haben könnten.
Beim unfallanalytischen Gutachten werde der Unfall in seiner Dynamik ausgewertet, Unfallstelle und die beteiligten Fahrzeuge genau untersucht. Dabei gehe es unter anderem darum, zu klären, welche Geschwindigkeit die Fahrzeuge hatten, als es zur Kollision kam, und welche Faktoren wie Straßenverhältnisse möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten.
Noch hat die Staatsanwaltschaft nicht entschieden, ob zur weiteren Klärung eine Obduktion des Autofahrers angeordnet wird. Ein weiterer Baustein bei den Ermittlungen werden die Zeugenaussagen sein. Genaueres dazu kann Thomas Oberbauer aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Die Zeugenaussagen laufen noch.“
Die B12 gilt weiterhin als Unfallschwerpunkt, immer wieder kommt es dort zu schweren Unfällen. „Es wurden in der Vergangenheit verschiedene Maßnahmen getroffen, um die Unfallgefahr zu reduzieren“, erklärt Oberbauer. Durchgezogene Linien sollen etwa Überhol-Unfälle vermeiden. „Verhindern lässt sich damit aber nicht, dass ein Auto von der Fahrbahn abkommt“, sagt er. Gründe dafür können unterschiedlich sein: Ablenkung – etwa durch das Handy –, Sekundenschlaf, Unachtsamkeit oder auch gesundheitliche Probleme. Raphaela Lohmann