Rosenheim – Seit 25 Jahren empfängt die Beratungsstelle Donum Vitae Rosenheim Schwangere, junge Paare, Mütter und Väter. Im Januar 2001 gegründet, ist sie heute Anlaufstelle bei Not und Angst, aber auch bei Vorfreude und Informationsbedarf. Heuer wird gefeiert – und zurückgeblickt.
Ein großes Fragezeichen stand am Beginn der Geschichte von Donum Vitae Rosenheim. Der Papst hatte kirchlichen Einrichtungen die Schwangeren-Konfliktberatung verboten. Die Beratung ist für Frauen jedoch wichtig und auch gesetzlich vorgeschrieben, wenn ein Schwangerschaftsabbruch in Erwägung gezogen wird. Karola Specht-Garnreiter war damals beim Sozialdienst katholischer Frauen beschäftigt – und empört: „Es kann ja wohl nicht sein, dass wir als Christen gerade jene Frauen, die aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft in größter Not sind, alleine lassen.“
Beratung in existenziellen
Lebensfragen
Sie und sechs weitere Frauen gründeten deshalb die Rosenheimer Beratungsstelle von Donum Vitae. Specht-Garnreiter wurde die erste Leiterin, baute mit ihrem Team die Stelle auf und blieb 18 Jahre lang an deren Spitze. Die Einrichtung war zunächst in der Münchner Straße Ecke Riederstraße angesiedelt. Sie zog später in die Aventinstraße 2 um.
Die Konfliktberatung nach § 218/219 StGB ist bis heute das Herzstück der Arbeit von Donum Vitae. Darüber hinaus bietet die Stelle Beratung zu Elterngeld und -zeit, weitere Familien- und Sozialleistungen, aber auch Begleitung bei Problemen partnerschaftlicher oder psychischer Art oder Schwangerschaften während Schulzeit und Ausbildung. Alle Gespräche in der Beratungsstelle sind kostenlos und vertraulich. „Darin liegt das Besondere in der Arbeit“, fasst Susanne Mittermair-Johnson zusammen, eine der beiden heutigen Leiterinnen der Beratungsstelle. „Ich berate täglich zu den ganz existenziellen Themen des Lebens. Ich bin da in Not- und Krisensituationen. Und ich kann für Frauen und Familien wirklich etwas bewirken.“ Dazu gehören auch finanzielle Hilfen, die beispielsweise über die Landesstiftung ausgeschüttet werden. Diese Gelder summierten sich in den letzten 25 Jahren auf knapp 6,5 Millionen Euro.
In den vergangenen 25 Jahren hat sich der Arbeitsalltag der Beraterinnen verändert. Um den Klienten wohnortnah zu begegnen, wurden Außensprechtage in Wasserburg (seit 2002) und Bruckmühl (seit 2006) aufgebaut. Seit Corona werden zudem Videoberatungen angeboten. Die Online-Angebote erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch die Beratung zur Pränataldiagnostik, bei unerfülltem Kinderwunsch und zur „vertraulichen Geburt“ wurde immer stärker nachgefragt, ebenso nach einer Fehl- oder Totgeburt. „Zudem reagieren wir auf die gesetzlichen und gesellschaftlichen Veränderungen“, sagt Ulrike Schauberger. Auch sie ist Beraterin der ersten Stunde und leitet heute die Beratungsstelle mit. Interessant zu beobachten sei auch, wie sich die Rolle der werdenden Väter immer weiter verändere und zunehmend mehr Männer in die Beratungen kommen. „Im letzten Jahr waren es mehr als 700, gemeinsam mit der Partnerin oder auch allein“, sagt Schauberger.
Ein stabiles Team
und ein enges Netzwerk
Stabil aufgestellt ist die Beratungsstelle seit einigen Jahren mit sieben Beraterinnen und vier Verwaltungskräften. Sie ist damit eine der größten in Bayern. Eine umfangreiche Zusammenarbeit gibt es mit verschiedenen Stellen wie dem Koki-Fachdienst frühe Kindheit, dem Jugendamt oder den Jobcentern.
Ebenfalls an den Bedarf angepasst werden die Gruppenangebote für junge Familien bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Denn auch das ist laut den Mitarbeiterinnen Donum Vitae: heiterer Austausch von Müttern und Vätern sowie Kinderlachen im hellen Gruppenraum. Derzeit laufen das Stillcafé und ein offener Frühstückstreff. Und: Schulklassen werden bei der Sexuellen Bildung durch Workshops begleitet.
„Das stabile Netz mit Behörden, Kliniken, Schulen und Vereinen ist ein wichtiger Baustein für die Beratungsarbeit“, sagt Margareta Lippert. Die Bruckmühlerin ist fast seit Anbeginn Bevollmächtigte der Beratungsstelle. „Besonders dankbar bin ich allen engagierten Förderern von Donum Vitae Rosenheim wie Firmen, Gemeinden, Vereinen, Einzelpersonen und dem Förderverein, die hinter uns stehen“. Denn die Arbeit werde zwar weitgehend über kommunale und staatliche Zuschüsse finanziert. Dennoch müsse jede Beratungsstelle in Bayern einen nicht unerheblichen Teil an Eigenmitteln beschaffen.
Für diesen Zweck wurde seit 2001 zunächst ein Förderkreis, später ein Förderverein gegründet. Mit Mitgliedsbeiträgen, Benefizkonzerten und Aktionen sorgt er dafür, dass die Arbeit von Donum Vitae weitergehen kann. Den Vorsitz des Fördervereins hat Elisabeth Jordan inne. „Wenn Frauen und Familien in schweren und oft auch in konfliktbeladenen Situationen Begleitung und zuverlässigen Beistand durch die Arbeit der Beraterinnen von Donum Vitae erhalten, geht mir das Herz auf“, sagt sie.
Ein Festakt zum 25-jährigen Jubiläum findet am kommenden Freitag, 19. Juni, im Stellwerk18 in Rosenheim statt. Für den Herbst ist zudem wieder ein Konzert beim Höhensteiger in Westerndorf St. Peter geplant. Ein Adventskonzert in der Altkatholischen Kirche soll das Jubiläumsjahr abschließen.