Rosenheim – Die gute Nachricht: Die Bahn saniert ihre marode Infrastruktur. Die schlechte Nachricht: Die Sanierung kommt vor allem Pendlern teuer zu stehen. Für die Überholung von Gleisen, Schwellen, Stellwerken und Bahnhöfen waren in den nächsten Jahren Vollsperrungen von Teilstücken vorgesehen. Doch von diesen Plänen rückt die Bahn nun ab. Ein bisschen zumindest.
Bahn-Sanierung in
Rosenheim in Etappen
Die Sanierung soll nach dem neuen Konzept 2028 beginnen. Ein zweiter Abschnitt der Arbeiten folgt nach Auskunft der Bahn dann 2031. Die Bahn will auch weiterhin nicht auf Sperrungen verzichten. Aber die Sperrungen sollen wesentlich kürzer ausfallen als ursprünglich angekündigt. Das bestätigte die Bahn auf OVB-Anfrage. Davon sollten Erleichterungen für Pendler zu erwarten sein.
„Ich begrüße ausdrücklich, dass die Deutsche Bahn ihr ursprüngliches Konzept für die Generalsanierung der Bahnstrecke Rosenheim–München überarbeitet hat“, sagte Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU). Die seinerzeit auf mehr als fünf Monate angelegte Vollsperrung im Jahr 2028 hätte Pendler, Schüler und Studierende wie auch die regionale Wirtschaft vor „enorme Herausforderungen“ gestellt, sagte Lederer weiter. „Dass nun eine etappenweise Sanierung vorgesehen ist, ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass die berechtigten Einwände aus Bayern gehört wurden.“
Auch in abgeänderter Form werden die Pläne der Bahn Touristen und Pendler Zeit und Nerven kosten. Während der ersten Etappe der Korridorsanierung Mitte Februar bis Mitte April 2028 steht die Erneuerung der veralteten und fehleranfälligen Relaisstellwerke durch moderne elektronische Stellwerke an. Deren Stellbereich umfasst zwischen München und Grafing auch die S-Bahn.
Detaillierte Konzepte
noch in Arbeit
„Ergänzend werden dringliche Arbeiten an Gleisen und Weichen vorgenommen“, heißt es in einer Erklärung der Bahn. „In dieser Zeit sind die Fernbahngleise für acht Wochen komplett gesperrt, es kommt zudem zu einzelnen Sperrungen der S-Bahn-Gleise.“ Während der zweiten Etappe im ersten Halbjahr 2031 steht die Erneuerung der Gleise und Weichen sowie der Oberleitung, Brücken und Bahnhöfe im Fokus.
Es wird also absehbar zu Behinderungen kommen. Nur wo und wann genau, das kann die Bahn derzeit noch nicht sagen. Detaillierte Konzepte seien noch in Arbeit, heißt es seitens der Bahn. Allgemein lasse sich aber sagen, dass während der vorbereitenden Arbeiten zwischen Oktober und Dezember 2027 die S-Bahn-Strecke zwischen München und Grafing abschnittsweise sowie ab Mitte Januar 2028 an acht Wochenenden und in den Faschingsferien vollständig gesperrt werde.
Während der ersten Etappe der Korridorsanierung Mitte Februar bis Mitte April 2028 sind die Fernbahngleise für acht Wochen komplett gesperrt, es kommt zudem zu einzelnen Sperrungen der S-Bahn-Gleise. Überregionale Verkehre würden umgeleitet und – bei Pendlern gefürchtet – der Schienenpersonennahverkehr durch den Transport in Bussen.
Die Bahn kommt Reisenden und Pendlern entgegen – stressig wird es trotzdem. Immerhin soll sich dann wirklich etwas verbessern. Entgegen älteren Nachrichten, wonach die Bahn nur teilweise sanieren werde, versichert die Bahn, dass die Strecke umfassend saniert und auch Stellwerke auf den neuesten Stand gebracht werden. Vorgesehen sei auch die Ausrüstung des Korridors mit dem digitalen European Train Control System (ETCS), dem digitalen Zugsicherungs- und Leitsystem, das eine engere Taktung der Züge ermöglicht.
„Region darf nicht
abgehängt werden“
„Die Belastungen durch die anstehenden Bauarbeiten bleiben hoch, doch viele Pendler können nun aufatmen“, sagt Lederer. Entscheidend sei nun, dass die alternativen Bau- und Verkehrskonzepte konsequent fahrgastfreundlich ausgestaltet werden. Dazu gehörten ausreichende Kapazitäten im Zugverkehr, durchgehende Barrierefreiheit sowie eine verlässliche und frühzeitige Fahrgastinformation. Zudem fordert Lederer die Ertüchtigung der Mangfalltalbahn. „Die Modernisierung der Schiene ist notwendig und richtig“, sagte Lederer. „Sie darf aber nicht dazu führen, dass unsere Region während der Bauarbeiten vorübergehend vom Bahnverkehr quasi abgehängt wird.“