Rosenheim – 100 Gäste, darunter Dozenten, Mitarbeiter, Studenten und Alumni, konnte die Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Technischen Hochschule Rosenheim zur Jubiläumsfeier „30 Jahre Studiengang EIT“ im Campus Rosenheim in der Hochschulstraße begrüßen. Der Studiengang blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die immer von Wachstum gekennzeichnet war. In Zukunft wird es aufgrund der demografischen Entwicklung allerdings immer schwieriger, Studenten zu bekommen.
Wechselvolle
Geschichte
Die Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht, die Lehrerin für Mathematik und Physik war, bezeichnete in ihrem Festvortrag die Fachhochschule und speziell den Studiengang „Elektro- und Informationstechnik“, kurz „EIT“, als „für die Stadt sehr wichtig“. Sie seien als „Aushängeschild für Rosenheim von unschätzbarem Wert“. Besonders das EIT-Studium sei „ein Motor für Innovation und Fortschritt“.
Gabriele Leicht übte in ihrer Ansprache auch Kritik an einer allzu großen Technikgläubigkeit. Nicht alles, was technisch machbar ist, sollte allen zur Verfügung gestellt werden. Sie bezog sich dabei ganz allgemein auf Probleme, etwa bei der Atomforschung.
Eines bedauert die Bürgermeisterin beim Blick auf die Entwicklung des Studiengangs in seinen drei Jahrzehnten: „Leider hat sich der Frauenanteil nicht sehr geändert.“ Frauen seien sowohl unter den Lehrenden als auch unter den Studierenden von Anfang an bis heute unterrepräsentiert. Ihr Wunsch für die Zukunft: Alle Beteiligten mögen künftig genauso erfolgreich sein wie sie es in der Vergangenheit waren.
Professor Werner Braatz, der von Beginn an bis zu seiner Pensionierung in diesem Studiengang aktiv war, sieht vor allem eine große Herausforderung: Die Jugend müsse für Technik begeistert werden.
Seinen geschichtlichen Rückblick begann Professor Franz Stubenrauch im Jahr 1988. Damals war die Gründungsidee aufgekommen. Professor Anton Kathrein hatte das Problem erkannt, junge Elektrotechniker nach Rosenheim zu bekommen. Ein entsprechendes Studium war damals in der Region nicht möglich, alle Elektrotechniker mussten aus München oder Landshut angeworben werden. Die Regierung hatte laut Stubenrauch die Zustimmung zur Gründung des Studiengangs erst gegeben, nachdem die Initiatoren Spenden in Höhe von 600.000 Mark für diesen Zweck gesammelt hatten.
Von der Idee
zum Erfolgsmodell
Professor Ernst Schneider wurde mit der Gründung beauftragt, zu der es 1995 kam. In diesem Jahr begannen die Vorlesungen für die 47 Studenten im „Schweinchenbau“, der seinen Namen von der in Rosa gehaltenen Fassade ableitete. 1996 erfolgte der Führungswechsel von Schneider zu Braatz, 1998 der Umzug ins neue Gebäude. Im Jahr 2000 wurden die „Null-Serie“ – so die Eigenbezeichnung der ersten Absolventen – verabschiedet. Im selben Jahr erfolgte die Umbenennung von Elektrotechnik in Elektro- und Informationstechnik, 2001 begann der Master-Studiengang. 2005 hatte der Studiengang zehn Professoren und sechs weitere Mitarbeiter. Ab 2007 erfolgte in Umsetzung der Bologna-Reform eine Neubenennung der Abschlüsse.
„Mut zur
Veränderung“
Heute steigen jedes Jahr 70 bis 80 Studenten ins Studium ein, sodass immer 300 Studenten im Betrieb sind. In den bisher 61 Semestern gab es 330 Diplom-Abschlüsse, 390 Bachelor-Abschlüsse und 415 Master-Abschlüsse. Den zur Feier gekommenen Studenten gab Stubenrauch mit auf den Weg, dass sie sich nicht auf dem im Studium Gelernten ausruhen können, bei der Anpassung an den Wandel sei „Mut zur Veränderung“ wichtig. Zukunftsaufgaben gebe es genug. Vier davon stellten Professoren vor: die Entwicklung von Lawinensuchgeräten, die ein schnelleres Auffinden von Verschütteten ermöglichen, die Schließung von Lücken in der Mobilfunkversorgung, den Erhalt der menschlichen Kontrolle über die künstliche Intelligenz und das Recycling von immer größer werdenden Mengen an Elektronikschrott. Alfred Schubert