Erste bayerische Samenplantage für Spitzahorn

von Redaktion

Im Landkreis Traunstein entsteht eine neue Samenplantage für Spitzahorn. Bei Palling soll sie die Versorgung mit klimarobustem Saatgut sicherstellen. Experten setzen auf die genetische Vielfalt von 84 Mutterbäumen, um die heimischen Wälder für die kommenden Jahrzehnte fit zu machen.

Traunstein/Palling – Im Wolferstetter Forst bei Palling entsteht derzeit ein Projekt mit Bedeutung weit über die Region hinaus: Auf einer rund drei Hektar großen Fläche wurde im Frühjahr die erste bayerische Samenplantage für Spitzahorn angelegt. Das Ziel ist ehrgeizig: Hier soll künftig hochwertiges und genetisch vielfältiges Saatgut für die Wälder der Zukunft produziert werden. Für den Landkreis Traunstein ist die neue Anlage ein besonderer Standortgewinn.

Verantwortlich für das Projekt ist das Amt für Waldgenetik (AWG) in Teisendorf, das bayernweit für die Erhaltung und Weiterentwicklung der genetischen Vielfalt wichtiger Waldbaumarten zuständig ist. Mit der neuen Samenplantage entsteht damit eines der zentralen Zukunftsprojekte der bayerischen Forstverwaltung direkt vor der Haustür.

Der Spitzahorn gilt als eine heimische Baumart mit guten Perspektiven im Klimawandel. Auf geeigneten Standorten kann er auch unter den künftig erwarteten klimatischen Bedingungen erfolgreich wachsen und liefert zugleich wertvolles Holz. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Baumart für den Waldumbau zunehmend an Bedeutung. Im Wolferstetter Forst pflanzte das Team des AWG unter Leitung von Daniel Glas insgesamt 500 veredelte Spitzahorn-Pfropflinge. Sie stammen von 84 ausgewählten sogenannten Plusbäumen aus den wichtigsten Verbreitungsgebieten des Spitzahorns in Bayern. Dabei handelt es sich um besonders vitale und qualitativ hochwertige Einzelbäume, deren genetische Eigenschaften für die nächste Waldgeneration gesichert werden sollen. „Die Besten der Besten“ aus ganz Bayern kommen damit erstmals an einem Standort zusammen.

Durch die Kombination von Bäumen aus unterschiedlichen Regionen entsteht ein breiter Genpool, der die genetische Vielfalt stärkt und die Anpassungsfähigkeit der künftigen Waldbestände erhöht.

Für die Forstwirtschaft spielen Samenplantagen eine Schlüsselrolle. Sie dienen nicht nur der Saatgutproduktion, sondern auch als genetische Reserve für wichtige Baumarten. Das dort gewonnene Saatgut ist hinsichtlich Herkunft und Qualität genau dokumentiert und bietet damit eine verlässliche Grundlage für den Aufbau stabiler und widerstandsfähiger Wälder. Gerade angesichts von Trockenheit, Stürmen und Schädlingsbefall wird hochwertiges Saatgut zunehmend zu einer entscheidenden Voraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau.

Dr. Joachim Hamberger, Leiter des Amtes für Waldgenetik in Teisendorf, betont die Bedeutung der Anlage: „Um den klimarobusten Wald von morgen aufzubauen, braucht es eine zuverlässige Versorgung mit hochwertigem Saatgut.“ Samenplantagen seien dafür ein unverzichtbarer Baustein. Auch Dr. Muhidin Šeho, Leiter des zuständigen Fachbereichs am AWG, sieht die Zukunft des Waldumbaus bereits beim Saatgut beginnen: „Der Waldumbau beginnt nicht bei der Pflanze, sondern beim hochwertigen und herkunftsgesicherten Saatgut.“ Durch die Erweiterung der Baumartenpalette und den Aufbau stabiler Mischwälder könne die Anpassungsfähigkeit der heimischen Wälder nachhaltig gestärkt werden.

Die neue Anlage in Palling ist Teil des Programms „100 Samenplantagen für Bayern“. Mit diesem Vorhaben möchte die Bayerische Forstverwaltung die Zahl der bestehenden Samenplantagen verdoppeln und die Versorgung von Baumschulen sowie Waldbesitzern mit hochwertigem Vermehrungsgut langfristig sichern. Möglich wurde das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus initiierte Projekt durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Waldgenetik und den Bayerischen Staatsforsten. Der Wolferstetter Forst gehört zum Forstbetrieb Ruhpolding der Bayerischen Staatsforsten.

Geplant ist zudem eine identische Zwillingsplantage an einem weiteren Standort. Sollte eine Anlage beispielsweise durch Frost oder andere Schadereignisse beeinträchtigt werden, kann die zweite weiterhin Saatgut liefern.

Die Investition ist zunächst aufwendig und kostenintensiv. Langfristig jedoch könnte die Samenplantage bei Palling zu einem wichtigen Baustein für die Versorgung Bayerns mit hochwertigem Waldsaatgut werden. Damit wächst im Landkreis Traunstein nicht nur eine neue Generation von Spitzahornen heran – sondern möglicherweise auch ein Stück Zukunft für die Wälder des Freistaats.

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