Bettwanzen-Alarm auf den Almhütten

von Redaktion

Unbemerkt reisen sie im Rucksack von Hütte zu Hütte: Für Hüttenwirte sind Bettwanzen ein ernstes Thema, denn ihre Bekämpfung ist aufwendig und teuer. Mit Aufklärung und unterschiedlichen Maßnahmen versuchen sie daher, einen Befall zu verhindern. Das gilt auch für Hütten in der Region.

Inntal/Chiemgau – Sie reisen im Rucksack, verstecken sich in Schlafsäcken oder krabbeln unbemerkt in getragener Kleidung mit: Bettwanzen sind auf Berghütten ein Thema, das viele Wirte beschäftigt. Zwar übertragen die nur wenige Millimeter großen Insekten keine Krankheiten, die Bisse können aber tagelang unangenehm jucken.

Schlafsäcke werden teils
von den Hütten gestellt

Für Hüttenbetreiber werden die Tierchen schnell zum Problem. Denn in Holzvertäfelungen, Dachschrägen und Mauerritzen vieler Alpenvereinshütten finden sie ideale Verstecke. Ist eine Hütte befallen, wird die Bekämpfung nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.

Beim Deutschen Alpenverein (DAV) sind jedes Jahr rund 15 bis 20 Hütten befallen, wie der Verein informiert. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit für das Thema. „Man wird vom Dachverband immer wieder darauf geschult“, berichtet Yvonne Tremml, die gemeinsam mit ihrem Mann seit Ende 2017 das Brünnsteinhaus in Oberaudorf bewirtschaftet. Auch bei Hüttenwirte-Tagungen sind die Bettwanzen Thema und werden Erfahrungen ausgetauscht.

In der Region gehen die Hüttenwirte mit der Gefahr durch die kleinen Krabbeltierchen unterschiedlich um. Während einige DAV-Hütten im Allgäu inzwischen Hüttenschlafsäcke und Schlafanzüge vor dem Übernachten für 30 Sekunden bei 600 Watt in die Mikrowelle legen und Rucksäcke in verschließbaren Beuteln aufbewahren, setzen die hiesigen Hütten auf andere Konzepte.

Im Brünnsteinhaus der Sektion Rosenheim dürfen Gäste beispielsweise seit 2019 keine eigenen Schlafsäcke mehr mitbringen. Stattdessen erhalten sie einen Schlafsack von der Hütte. Damit sind die Hüttenwirte gut gefahren: „Wir hatten bisher keine Bettwanzen“, sagt Tremml. Zudem freue sich mancher Erstbesucher, dass er sich nicht eigens einen Hüttenschlafsack anschaffen muss.

Auch Hüttenbesucher
in der Verantwortung

Auch auf dem Hochrieshaus am Samerberg steht Prävention im Fokus. Wer von einer anderen Hütte kommt, muss seinen Rucksack in eine verschließbare Kunststoffbox legen. „Die steht im Trockenraum, wo die Leute ihre Schuhe ausziehen“, erklärt Hüttenwirtin Monika Becht. Neben Rucksäcken und Schuhen kommen auch Wanderstöcke nicht mit aufs Zimmer. Die Schlafsäcke werden von der Hütte gestellt, bei 60 Grad gewaschen und anschließend heiß gemangelt.

Anders handhaben es die Wirte auf der Neuen Traunsteiner Hütte der Sektion Traunstein. „Der eigene Hüttenschlafsack ist bei uns Pflicht“, erklärt Hüttenwirtin Jessica Weidner. Bislang sei man so sehr gut gefahren. „Wir haben – toi, toi, toi – noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ Solange das so bleibe, sehe sie derzeit keinen Anlass für zusätzliche Maßnahmen.

Doch so unterschiedlich die Konzepte auch sind – das Ziel ist überall das selbe: Die ungebetenen Gäste sollen gar nicht erst in die Schlafräume gelangen. Denn ein Befall ist keineswegs ein Mangel an Sauberkeit oder Hygiene, das betonen alle Hüttenwirtinnen. Vielmehr reisen die Bettwanzen mit Wanderern mit, ohne dass diese überhaupt davon wissen.

Umso wichtiger ist für die Hüttenbetreiber Aufmerksamkeit im Alltag. Yvonne Tremml achtet beispielsweise beim Putzen auf Spuren. Bettwanzen hinterlassen etwa kleine schwarze Kotspuren auf Matratzen oder Bettgestellen. Aber auch lebende oder tote Tiere lassen sich teilweise erkennen.

Wie schnell oft reagiert werden muss, zeigte sich vor einigen Jahren, als Nachbarhütten des Brünnsteinhauses von Bettwanzen betroffen waren. Yvonne Tremml und ihr Mann stellten große, abschließbare Kisten für die Rucksäcke ihrer Gäste auf. „Die Boxen standen dann vor dem Zimmer“, erinnert sich die Hüttenwirtin. Die meisten Wanderer hätten dafür Verständnis gezeigt. „Manche waren auch überrascht von dem hohen Aufwand. Aber wenn wir einen Befall hätten, wäre der Aufwand ja noch viel größer.“

Dennoch sehen die Hüttenwirte einen Teil der Verantwortung auch bei den Gästen. Denn sie können das Risiko, Bettwanzen einzuschleppen, drastisch reduzieren. Getragene Kleidung sollte möglichst in verschließbaren Beuteln transportiert werden. Denn menschlicher Geruch zieht die Tiere an, wie der DAV auf seiner Website informiert.

Kontrolle von Kleidung und
Ausrüstung nach jeder Tour

Besonders wichtig sei es, Kleidung und Ausrüstung nach jeder Tour gründlich zu kontrollieren. „Den Rucksack draußen oder in einer leeren Badewanne auspacken“, rät Yvonne Tremml. Auf der glatten Oberfläche könnten die Tiere nicht so leicht entkommen. Zudem „sieht man gleich, ob es Beinchen hat“, sagt sie. Zusätzlich sollte man den Hüttenschlafsack nach jeder Tour waschen, empfiehlt Tremml.

Da die Konzepte sich von Hütte zu Hütte unterscheiden, sollten Wanderer vor jeder Tour auf der jeweiligen Homepage nachsehen. Dort erfahren sie, welche Maßnahmen gegen Bettwanzen jeweils gelten und welche Ausrüstung sie für ihre Übernachtung benötigen.

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