Traunstein/Schneizlreuth/ Ruhpolding – Sie waren eigentlich Arbeitskollegen und als Bundespolizisten am Münchner Flughafen im Einsatz. Doch vergangene Woche standen sie sich vor dem Traunsteiner Amtsgericht gegenüber. Einem 37-Jährigen aus der Nähe von Landshut, am Flughafen als Gruppenleiter der Bundespolizei tätig, wird vorgeworfen, seine Kollegin (26) vergewaltigt zu haben. Passiert sein soll die Tat in der Nacht auf den 12. Januar 2024 in einem Hotel in Schneizlreuth.
Mit einer ganzen Gruppe von Freunden und Kollegen der Bundespolizei besuchten die beiden privat den Biathlon-Weltcup in Ruhpolding. Alle hätten getrunken, Ausfallerscheinungen habe aber niemand gehabt. Und: In kleiner Runde, gegenüber den männlichen Kollegen, habe der Angeklagte gesagt, er hätte schon lange keinen Sex mehr gehabt. Laut Staatsanwaltschaft ging es gegen 3 Uhr zurück ins Hotel. Der Angeklagte war mit der Geschädigten und ihrem besten Freund im Zimmer. Die beiden Männer waren beim Zähneputzen, als die Polizistin in Skiunterwäsche einschlief.
Später in der Nacht ist die 26-Jährige dann laut Staatsanwaltschaft mit Schmerzen im Intimbereich und heruntergezogener Hose aufgewacht. Hinter ihr der Angeklagte – nackt und gerade dabei, seine Finger kraftvoll einzuführen. Als er anscheinend auch mit dem Penis eindringen wollte, konnte die Frau ihren Kollegen laut Anklage wegstoßen. Jetzt ist der 37-Jährige wegen Vergewaltigung angeklagt. Zu Prozessbeginn wollte er sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äußern. „Mein Mandant verteidigt sich schweigend“, so sein Rechtsanwalt Alexander Betz. Schnell wurde vor dem Amtsgericht klar: Ein Verhandlungstag wird nicht reichen. Die stundenlange Vernehmung der Geschädigten wurde unter Ausschluss von Presse und Öffentlichkeit geführt. „Es geht ihr wahnsinnig schlecht“, so Jürgen Lietz, der Rechtsbeistand der Frau. Auch eine Polizeikollegin sagte im Zeugenstand: „Im September hat sie mir davon erzählt. Sie sei in jener Nacht aufgewacht, weil der Angeklagte ‚wild in ihr herumgestochert‘ habe. Sie hat danach geweint und gezittert.“ Stationiert ist die Bundespolizistin inzwischen in Sachsen.
Die Verhandlung wird am 6. Juli in Traunstein fortgesetzt. Xaver Eichstädter