Deutsche Meisterschaft im Handmähen vor Schlosskulisse

von Redaktion

Holt Lokalmatador Astner in Neubeuern den Titel? – Rhythmus, Technik und Ausdauer werden bewertet

Neubeuern – Was früher zu den selbstverständlichsten und wichtigsten Arbeiten in der Landwirtschaft gehörte, ist heute ein anspruchsvoller Wettkampfsport mit Tradition, Technik und erstaunlicher Spannung: das Mähen mit der Sense. Am morgigen Samstag wird Neubeuern zum Treffpunkt der besten Handmäher Deutschlands und Austragungsort der offenen Deutschen Meisterschaft im Handmähen. Erwartet werden Teilnehmer verschiedener Altersklassen, die auf exakt festgelegten Grasparzellen gegeneinander antreten.

Auf den Wiesen vor der historischen Kulisse des Schlosses laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Mit dabei ist auch ein Lokalmatador, der diesen Sport wie kaum ein anderer geprägt hat: Hans Astner aus Neubeuern, dreifacher deutscher Meister im Handmähen. Auf den Wiesen vor Neubeuern ist zu sehen, worauf es bei diesem Wettbewerb ankommt: kräftiger Wuchs, sauber vorbereitete Bahnen und genügend Raum für einen Sport, der weit mehr verlangt als bloße Kraft. Denn beim Handmähen entscheidet nicht allein, wer am schnellsten ist. Bewertet wird ebenso das Mähbild. Die Mahd muss sauber, gleichmäßig und fachgerecht erfolgen. Erst aus der Kombination von Zeit und Sauberkeit ergibt sich das Ergebnis.

Die Sense ist dabei kein bloßes Brauchtumsrequisit, sondern ein anspruchsvolles Arbeitsgerät. Entscheidend sind Schärfe, Haltung, Schnittwinkel und Rhythmus. Erst wenn Bewegung, Werkzeug und Gras zusammenpassen, entsteht jenes gleichmäßige Mähbild, das im Wettbewerb am Ende mit über Sieg und Platzierung entscheidet.

Die Bewertung übernehmen erfahrene nationale Schiedsrichter. Wie in anderen Sportarten können auch beim Handmähen Sekunden entscheiden. Gleichzeitig zeigt sich auf der Wiese sehr schnell, wer die Sense wirklich beherrscht: Ein guter Schnitt braucht Rhythmus, Technik, Ausdauer und Gefühl für das Gras.

Der Wettbewerb wird von lokalen Vereinen und Feuerwehren mitgetragen und richtet sich an Kinder, Jugendliche und Mäher. Gemäht wird je nach Klasse auf unterschiedlich großen Flächen: Die Herren treten auf Parzellen von 100 Quadratmetern an. Jugend, Damen und Senioren mähen jeweils 35 Quadratmeter, die Kinder 15 Quadratmeter. Auch Mäher aus anderen Ländern sind bei der offenen Deutschen Meisterschaft willkommen.

Der Sport hat eine lange Geschichte. Bereits 1969 wurde die erste internationale Meisterschaft zwischen Bayern und Tirol organisiert. Danach fanden alle zwei Jahre weitere Wettbewerbe statt, die Zahl der teilnehmenden Länder wuchs stetig. Was einst bäuerlicher Alltag war, ist dadurch zu einem internationalen sportlichen Vergleich geworden – ohne seinen ursprünglichen Charakter ganz zu verlieren.

Für Neubeuern bekommt die diesjährige Meisterschaft eine besondere Note: Hans Astner wurde bereits dreimal deutscher Meister – 2019 in Teisendorf, 2023 in Frasdorf und 2025 bei Waging am See. Nun finden die Meisterschaften in seinem Heimatort statt. Entsprechend groß dürfte die Spannung sein, ob Astner auch vor heimischem Publikum wieder ganz vorne mitmähen kann.

Schon die Vorbereitungen auf den Wiesen zeigen, dass die Meisterschaft nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern auch ein Stück gelebte ländliche Kultur ist. Zwischen frisch gemähten Bahnen, hochstehendem Gras, Rechen, Gabel und Sense wird sichtbar, wie viel Können in einer Arbeit steckt, die früher über Generationen weitergegeben wurde. Am Samstag wird daraus in Neubeuern ein Wettkampf – mit Tempo, Präzision und viel Tradition.

Rainer Nitzsche

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