Rosenheim – Zimmerpflanzen, die mag Matthias Wenig gern. In den eigenen vier Wänden hat er selbst viele, einen „ganzen Wald“, wie er sagt. Der gelernte Florist muss daheim schon Slalom laufen, wenn er von einem Zimmer ins andere kommen will. Dennoch, durch die vielen Pflanzen fühlt er sich wohl. Sowohl Zimmerpflanzen als auch Freilandpflanzen machen was mit uns Menschen, da ist sich der 39-Jährige sicher.
Wenig arbeitet seit 2019 beim Gartencenter Nickl in Rosenheim. Angefangen hat er damals als Florist. „Mit der Zeit bin ich immer mehr die zweite Hand der damaligen Abteilungsleiterin geworden“, erzählt er. Seit 2024 ist er nun für Zimmer- und Saisonpflanzen zuständig. Deshalb steht er an diesem Morgen in dem Teil des Gartencenters, in dem die Zimmerpflanzen untergebracht sind.
Eine Heilpflanze
fürs Schlafzimmer
Matthias Wenig weiß, welche Pflanzen welche Wirkung haben können und wie man sie am besten pflegt. Der Florist greift nach einem der vielen Töpfe und holt ein Exemplar der Aloe vera hervor. „Sie ist als Heilpflanze bekannt, weil ihr Saft keimhemmend wirken und die Wundheilung fördern kann“, erklärt Wenig. Viele stellen die Pflanze ins Schlafzimmer, weil sie eine beruhigende Wirkung hat und einen angenehmen Schlaf fördern kann. „Außerdem ist die Aloe vera sehr pflegeleicht“, erklärt Wenig. Sie benötigt einen lockeren Boden, am besten sogenannte Sukkulentenerde, und sollte sonnig stehen. „Die unteren Blätter kann man ernten“, betont der Experte. Das Gel der Pflanze helfe auch gut bei Sonnenbränden oder Mückenstichen. Mit Klamotten oder Tischdecken sollte es aber besser nicht in Berührung kommen. „Der Saft geht nur schwer wieder raus.“
Ein Regenwald für
das Wohnzimmer
Auch Orchideen machen sich in Innenräumen gut. In asiatischen, tropischen Ländern wachsen sie wild auf Bäumen, hier in der Region müssen sie drinnen stehen. „Sie drücken immer eine Art Fernweh aus“, so der Florist. Er setzt die Orchideen in ein spezielles, sehr grobes Substrat. Dann werden sie in einen lichtdurchlässigen Topf gepflanzt, denn auch ihre Wurzeln brauchen Licht. „Man muss die Orchidee nur wenig gießen. Alle zwei Wochen kann sie einmal in Wasser getaucht werden“, erklärt Wenig. Danach müsse man sie gut abtropfen lassen.
Wer das Gefühl haben möchte, mitten im Regenwald statt im Wohnzimmer zu stehen, dem empfiehlt Wenig eine Monstera Deliciosa. Sie ist eine großlaubige Zimmerpflanze. „Großpflanzen in einem schönen Grün wirken beruhigend, ähnlich wie ein Spaziergang im Wald“, sagt der Florist. Man komme einfach runter. Je mehr man davon im Zimmer habe, desto besser, so Wenig.
Wichtig zu wissen: Die Pflanze ist leicht giftig. Einige Zimmerpflanzen sind sogar sehr stark giftig. „Vor allem die Tropenpflanzen versuchen sich in der Natur zu schützen. Und das meist mit Bitter- oder Giftstoffen“, erklärt der Experte. Deshalb fragt er bei der Beratung immer, ob es knabbernde Haustiere oder Kinder im Haushalt gibt.
Die Monstera Deliciosa ist eine Dschungelpflanze. „Sie wächst eigentlich im Unterholz und formt automatisch Schlitze und Löcher in ihren Blättern, damit auch die unteren noch mit dem wenigen Licht versorgt werden“, erklärt Wenig. Deshalb könne sie auch im Zimmer relativ dunkel stehen. Viel Wasser ist auch nicht nötig. „Sie braucht etwas zum Klettern. Und der Topf sollte ausreichend groß gewählt sein“, betont der 39-Jährige.
Keine Belege für
Einfluss aufs Raumklima
Die erste eigene Zimmerpflanze kann schon mal zur Herausforderung werden. Wenig empfiehlt Anfängern deshalb immer die sogenannte Glücksfeder. Die sei sehr pflegeleicht, benötige wenig Wasser und könne fast überall im Raum stehen.
Nicht alle Zimmerpflanzen sind so anspruchslos. Das weiß auch Georg Metz, Vorsitzender der Rosenheimer Vielfaltsmacher, einem Gartenbauverein. Er hat seit 50 Jahren Zimmerpflanzen. „Das Problem ist meist aber nicht, dass ich vergesse, sie zu gießen oder ich sie zu nass gieße“, betont er. Viel entscheidender seien die richtigen Licht- und Temperaturverhältnisse. Ich brauche ungefähr zwei Jahre, bis ich weiß, ob der gewählte Standort für die Pflanze wirklich passt“, sagt Metz.
Obwohl auch er sagt, dass er sich mit Pflanzen in seinem Zuhause deutlich wohler fühlt als ohne, betont er: Es gibt keine wissenschaftlich belegten Daten, wie Pflanzen sich auf das Raumklima auswirken. „Das heißt, alles, was über derartige Wirkungen der Pflanzen erzählt wird, ist so ein bisschen Erfahrungswissen“, sagt Metz. Ein Leben ohne Pflanzen sei für ihn dennoch undenkbar. „Sie steigern mein Wohlbefinden.“
„Snake Plant“ unter
Jugendlichen beliebt
Die Rosenheimer Vielfaltsmacher veranstalten zweimal im Jahr einen Pflanzentauschmarkt. „Etwa zehn bis zwölf Prozent der Pflanzen dort sind inzwischen Zimmerpflanzen“, erzählt Metz. Zudem kommen immer mehr Städter, die keinen Garten oder Balkon haben und sich deshalb für genau diese Pflanzen interessieren. Sogar junge Menschen können sich inzwischen dafür begeistern. „Unter Jugendlichen ist die Snake Plant aktuell der Renner“, sagt der Vorsitzende. Zu Deutsch: Bogenhanf.
Matthias Wenig vom Gartencenter Nickl kennt sich auch mit Freilandpflanzen aus. Etwa mit der „Königin der Blumen“, wie er die Rose nennt. Im Garten sei sie immer ein Blickfang. „Die Rose steht seit Jahrhunderten dafür, wie vergänglich das Leben sein kann“, sagt Wenig. Sie wachse als kleine Knospe hervor, blühe erst auf und verblühe dann. „Rosen brauchen einen eher sonnigen Standort mit einem humosen Boden“, erklärt er. Es gibt außerdem verschiedene Duftrosen, deren Geruch von zitronig bis vanillig reicht.
Lavendel kann
beruhigend wirken
Ebenso geruchsintensiv ist Lavendel. „Er ist eine sehr aromatische Pflanze und kann beruhigend wirken“, so Wenig. Vor allem, wenn er auf der Terrasse stehe. Außerdem ist Lavendel ein „Bienenmagnet“, wie Wenig sagt. Lavendel ist pflegeleicht und braucht nur einen mageren Boden. „Bitte voll in die Sonne stellen“, betont der Florist. Im Frühling könne man die Pflanze bis zum verholzten Teil zurückschneiden. „Dann blüht der Lavendel wieder wunderschön auf.“
Tomaten oder Weihrauch als Insektenabwehr
Wer Insekten lieber auf Abstand halten möchte – vor allem Fliegen, Mücken und Wespen –, dem empfiehlt Wenig Tomaten. „Sie sondern einen Stoff ab, den diese Insekten nicht so gerne mögen“, erklärt er. Gut gegen Mücken helfen auch Weihrauch, Duftgeranien mit Zitrusduft oder die Zitronenverbene. „Die kann man außerdem super für selbst gemachte Tees oder Softgetränke hernehmen.“
Eine Pflanze – oder ein Baum – ist in Bayern von besonderer Bedeutung, wie Wenig weiß: „Der Apfelbaum genießt hier eine lange Tradition, denn er wird gerne als Kindsbaum gepflanzt.“ Im Frühjahr blüht er und man kann den Früchten beim Wachsen zusehen. „Im Herbst werden sie geerntet und mit der Familie gegessen“, sagt Wenig. Eine schöne Tradition.