„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

von Redaktion

Interview Landrat Otto Lederer über die großen Baustellen in seiner neuen Amtszeit

Rosenheim – Wahlkampf, Wahl, nochmals Wahlkampf und schließlich die Entscheidung im Stechen: Die vergangenen Monate waren besonders arbeitsintensiv für Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU). Doch am Ende zahlte sich die Arbeit aus. Er konnte sich in der Stichwahl gegen seinen Gegner Sepp Hofer (Freie Wähler) durchsetzen.

Damit ist es nicht getan. Jetzt geht es erneut ans Eingemachte. Der wiedergewählte Rosenheimer Landrat Otto Lederer hat für seine neue Amtszeit einige Themen vor der Brust. Was ihm besonders wichtig ist, verrät er im exklusiven OVB-Interview.

Welche Rückmeldungen haben Sie aus der Bevölkerung im vergangenen Wahlkampf erreicht?

Da ging es meist um individuelle Probleme oder die hohe Politik. Also keine größeren Strömungen, bei denen man im Nachgang nun sagen würde: Da müssen wir den Schwerpunkt in der Kreispolitik thematisch verlagern. Im Gegenteil. Ich habe viele positive Rückmeldungen zu Landkreisthemen erhalten.

Welche Herzensthemen möchten Sie in den kommenden sechs Jahren angehen?

Zum Beispiel das Thema Bildung. Das ist ein Schwerpunkt, der natürlich kostenintensiv ist, aber für die Zukunft unserer Kinder unerlässlich. Der zweite große wichtige Punkt ist das Thema Gesundheit. Von der klinischen Versorgung bis hin zur Gesundheitsregion Plus. Aber auch das Thema Wirtschaft ist wichtig. Natürlich auch wegen der Steuereinnahmen, die die Gemeinden generieren. Vor allem geht es mir aber darum, Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region zu sichern. Das gehört für mich auch zum Thema Sicherheit. Jeder, dessen Arbeitsplatz mal in Gefahr war, weiß, welche persönliche Unsicherheit das mit sich bringt. Bildung, Gesundheit und Wirtschaft sind also die drei großen Felder.

Ein wichtiger Eckpfeiler beim Thema Gesundheit hier in der Region sind die Romed-Kliniken. Ist dieser Patient auf dem Weg der Besserung?

Ja. Wir beschäftigen uns schon lange mit der Frage: Wie können wir den Romed-Verbund so aufstellen, dass der Spagat zwischen qualitativ hochwertiger Medizin vor Ort und Bezahlbarkeit für die Kommunen funktioniert? Dieses Gleichgewicht ist mit der Corona-Pandemie völlig aus dem Ruder gelaufen. Nun versuchen wir, wieder einen Mittelweg zu finden und die Lage ins Lot zu bringen.

Vor diesem Hintergrund beobachten wir auch mit Argusaugen, was gerade auf Bundesebene passiert. Denn die gesundheitspolitischen Entscheidungen können massivste Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern haben.

Nicht nur die Kliniken kämpfen mit den Finanzen – auch bei zahlreichen Unternehmen in der Region sieht es nicht rosig aus. Man werfe nur mal einen Blick auf Hamberger oder Arri. Wie kann der Landkreis unterstützen, damit Traditionsunternehmen nicht nach und nach zerbröseln?

Also, da muss man ganz ehrlich bleiben und sagen: Die Einflussmöglichkeiten des Landkreises in solchen Einzelfällen sind sehr, sehr gering. Wir versuchen, unseren Beitrag zu leisten, indem wir überprüfen: Haben wir gute Voraussetzungen, was die Infrastruktur betrifft? Wie sieht es beim Thema Fachkräfte aus? Also, wo sind unsere Stellschrauben? Beim Thema Bürokratie haben wir uns auch schon an die eigene Nase gefasst und uns gefragt, wo wir als Landratsamt unterstützen können.

Wir müssen uns natürlich an die Gesetze halten. Aber wir tun, was wir können, und haben uns zum Beispiel zur mittelstandsfreundlichen Kommune zertifizieren lassen. Uns geht es in erster Linie nicht darum, Großkonzerne in die Region zu locken. Wir wollen unseren Unternehmern und Start-ups ermöglichen, sich in der Region zu etablieren und sich weiterzuentwickeln.

Ein weiteres wichtiges Thema ist mit Sicherheit der Verkehr. Wie sieht es aus: Wird man auch in Zukunft auf dem Land in der Region noch ein Auto benötigen?

Ich glaube, dass der Individualverkehr im ländlichen Raum zumindest mittelfristig nicht ersetzt werden kann. Möglicherweise sogar langfristig. Uns geht es darum, ein Angebot zu schaffen, wodurch auf das Zweit- oder Drittauto verzichtet werden kann.

Ein Beispiel: Wir haben eine Gemeinde, die hat 3.000 Einwohner und über 80 Ortsteile. Es wird keine Buslinie geben, die diese 80 Ortsteile irgendwie abdecken kann. Mit On-Demand-Systemen wie Rosi versuchen wir in solchen Gegenden bedarfsorientierte Lösungen anzubieten. Aber auch da wird es mit 80 Ortsteilen grenzwertig.

Die Bahn gibt es ja auch noch.

In diesem Bereich versuchen wir schon seit Jahren, ein besseres Angebot – in Richtung Halbstundentakt – zu erwirken. Außerdem möchte ich das Thema Radverkehr weiter unterstützen. Insbesondere durch die Kombination aus Bahn und Bus mit dem Rad kann man den Nahverkehr noch optimieren.

In wenigen Wochen soll im Bundestag über den Brenner-Nordzulauf entschieden werden. Wie hoch schätzen Sie denn die Chancen ein, dass die Kernforderungen der Region Rosenheim durchgewunken werden?

Wie groß die Chancen sind, kann ich kaum einschätzen. Wir haben durch die Bundestagswahl ein neues Gremium. Ich weiß, dass die Haushaltssituation angespannt ist. Für mich gilt aber ganz klar die Devise: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Patricia Huber

Artikel 2 von 11