750 Legehennen vor dem sicheren Tod bewahren

von Redaktion

Weil sie nach nur 15 Monaten als wirtschaftlich wertlos gelten, droht 750 Legehennen im Juli der Schlachthof. Die Tierhilfe München kämpft deshalb gegen die Zeit, um für die Tiere ein neues Zuhause zu finden. Adoptanten werden unter anderem auch in Rosenheim gesucht.

Rosenheim/München – Damit gerechnet, dass sie irgendwann einmal Hühner rettet, hat Christine Schlicht wohl nicht. Sie arbeitet bei der Tierhilfe München, kümmert sich in der Regel um die Vermittlung von Hunden und Katzen. „Vor gut fünf Jahren hat uns eine Bekannte angesprochen und um Hilfe gebeten“, erinnert sich Schlicht. Jahrelang habe sie Hühner aus Legebetrieben gerettet und versucht, ein neues Zuhause für sie zu finden.

„Wir haben sie unterstützt und irgendwann beschlossen, das Projekt komplett zu übernehmen“, sagt Schlicht. Eben auch, weil die Alternative gefehlt hat. „Ansonsten wäre nicht nur das Projekt gestorben, sondern eben auch 1.800 Tiere im Jahr.“ Seitdem versuchen Schlicht und ihre Kolleginnen Jahr für Jahr, die Tiere vor dem Schlachthof zu bewahren. „In der Regel haben wir diese Situation vier- bis fünfmal im Jahr“, sagt Schlicht.

Denn ein Huhn ist gerade einmal zwölf bis 15 Monate als Eierlieferant für Legebetriebe interessant. Danach nimmt die Legeleistung ab, das Huhn arbeitet nicht mehr effektiv genug. Dann gehen sie entweder in einen Schlachtbetrieb oder werden anderweitig verarbeitet. Genau das will die Tierhilfe München verhindern. Derzeit suchen Schlicht und ihre Kolleginnen ein neues Zuhause für 750 Hühner. Davon stammen 250 braune Hennen aus einer Mobilstallhaltung, die 500 weißen Hennen aus Bodenhaltung.

„Ein Legehennenbetrieb kooperiert mit uns“, sagt Christine Schlicht. Der Betreiber teile ihnen die jeweiligen Termine mit. Im Juli steht der nächste Termin an. Der erste Rettungstermin findet am 11. Juli statt, der zweite am 25. Juli. „Wir brauchen aber bereits im Vorfeld genügend Plätze“, erklärt sie.

Interessenten wird in der Regel ein Besuch abgestattet. Denn wer die Tiere aufnehmen will, braucht genügend Platz. Die Anforderungen: mindestens zehn Quadratmeter Auslauf pro Huhn und nicht allzu viele Tiere, damit sich ein normaler Familienverbund bilden kann. „Wir reisen dafür durch ganz Bayern“, sagt Schlicht.

In den vergangenen Jahren sei es immer gelungen, ein Zuhause für alle Legehennen zu finden. Einfach war es nie. „Die Anspannung ist immer sehr groß. Es gab auch schon Situationen, wo uns eine Woche vorher noch 100 Plätze gefehlt haben“, sagt sie. Irgendwie habe es dann aber doch immer geklappt.

Wichtig sei den Mitarbeitern der Tierhilfe München dabei, dass sich auch gut um die Hühner gekümmert wird. „Wir stehen Interessierten auch beratend zur Seite“, sagt Schlicht. So bräuchten die Hühner beispielsweise besonderes Futter.

Auch eine erneute kommerzielle Haltung soll vermieden werden. „Deshalb werden in der Regel zwischen zwei und 15 Hühner an eine Person vermittelt“, sagt Schlicht. Viele Adoptanten würden zwei Hühner nehmen und diese in eine bereits bestehende Gruppe integrieren. Die Tiere seien in der Regel in keinem guten Zustand. „Sie sind körperlich sehr verbraucht und auch nicht für ein langes Leben gemacht“, sagt Schlicht.

Umso wichtiger sei es ihr, dass die Hühner nach der Zeit in der Massentierhaltung ein gutes Leben haben. „Die Tiere haben nur künstliches Licht, leben weitestgehend auf Gitterboden und haben kein Heu oder Stroh. Wenn die Hühner dann erstmals auf einer grünen Wiese stehen, geht jedem das Herz auf“, sagt Schlicht.

Es ist einer der Gründe, warum sie und ihre Kollegen den Mehraufwand auf sich nehmen. „Es ist ein wertvolles Projekt. Es geht um Sterben oder Leben“, sagt sie. Zudem soll durch die Hühnerrettung auch Aufklärung betrieben werden. „Wir wollen zeigen, wie tierunwürdig diese Haltungsformen zum Teil sind.“ Weitermachen wird Christine Schlicht mit ihrer Arbeit auf jeden Fall. Auch, wenn sie niemals damit gerechnet hat, irgendwann einmal Hühner zu retten.

Mehr Infos zu den besonderen Bedürfnissen der Rettungshühnchen sowie unsere Vermittlungsvoraussetzungen gibt es hier: https://tierhilfe-muenchen.com/projekte-und-events/huehnerrettung/

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