Wasserburg am Inn – Kein Tag vergeht, ohne dass die Temperaturanzeige auf über 30 Grad klettert. Mit der anhaltenden Hitze der vergangenen Tage steigen auch die Wassertemperaturen. Abkühlung in den kleineren Seen zu finden, ist beinah schon ein Ding der Unmöglichkeit. Wer kann, bewegt sich so wenig wie nur möglich.
„Wir sind sehr
beunruhigt!“
Franz Göpfert, Vorsitzender des Wasserburger Kreisfischereivereins, ist in Sorge: „Wir sind sehr beunruhigt angesichts der derzeitigen Wetterlage. Unsere Gewässer werden regelmäßig auf ihren Sauerstoffgehalt geprüft. Der Staudhamer See und die Staudhamer Kiesgrube sowie der Friedlsee bei Amerang beispielsweise besitzen derzeit noch eine gute Sauerstoffsättigung. Doch bei den hohen Temperaturen in Kombination mit sehr niedrigen Pegeln kann das Wasser nur wenig Sauerstoff binden, sodass die Sättigung laufend abnimmt.“
Die Wasserstände seien „extrem niedrig“. Nicht nur an den Seen, sondern auch an den Bächen wie der Murn, was die Fischer mit Argwohn beobachten. „Heizen sich die kleineren Flüsse auf über 22 bis 24 Grad auf, wird‘s schnell gefährlich für die forellenartigen Fische. Sie können solche Temperaturen auf Dauer nicht aushalten“, unterstreicht Göpfert den Ernst der Lage.
„Niedrige Pegel in einem solchen Ausmaß habe ich noch nie erlebt – in den vergangenen 50 Jahren nicht. An den Kiesgruben gehen rund eineinhalb Meter Wasser ab, da muss viel vom Himmel fallen, um das wieder auszumerzen. Das Tragische ist, dass wir erst Juni haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass es je so früh so heiß war. Und der schneearme Winter verstärkt das Trauerspiel zusätzlich“, mahnt der Wasserburger.
Das Schlimmste in den Augen des Fischerei-Vorstands: „Wir können nichts tun. Stirbt die Bachforelle wegen Überhitzung, sind uns die Hände gebunden. Wir können das Wasser schließlich nicht einfach schnell kühlen. Wenig Wasser und dann noch so warm, das ist eine Katastrophe. Bei den öffentlichen Seen und den Bächen sind wir darauf angewiesen, dass das Wasser vom Himmel kommt. Dass dieser akute Mangel mit den niedrigen Pegeln aber ausgeglichen werden kann, dafür bräuchte es mindestens 14 Tage anhaltenden Landregen. Ein Gewitterschauer nützt uns nichts.“
Ein weiteres Problem, das die Hitze verstärken könnte, ist die Bildung von Algen. Gerade der Friedlsee, aber auch der Staudhamer See weisen fast immer eine Algenbelastung auf. Noch aber in Maßen, kann Göpfert beschwichtigen. „Wir melden Auffälligkeiten, sobald wir Bedenken hegen.“
Ein Team aus dem Staatlichen Gesundheitsamt führt regelmäßige Überprüfungen in puncto Wasserqualität und Hygiene durch. Eine Gefahr für Badegäste besteht derzeit an keinem der Seen im Wasserburger Altlandkreis. Eine Übersicht über die Situation und Beschaffenheit der Badeplätze im Raum Rosenheim gibt es auf der Internetseite des Landkreises.
Einzig der Inn lässt die Fischer aufatmen: Als Gebirgsfluss hat er auch im Sommer eine kühle Temperatur von circa 16 Grad und führt aktuell verhältnismäßig viel Wasser, das ausreichend sauerstoffgenährt ist. „Angeltechnisch ist alles noch erlaubt“, weiß Göpfert.
Er plädiert dennoch für die Vernunft und dafür, hauptsächlich an den Seen Abstand vom Angelsport zu nehmen: Für den Fisch sei es Stress, wenn unter anderem ein Kleiner gefangen wird, der wieder im Wasser landet. Zudem gründeln die Tiere bei der Hitze am Boden und in tieferen Zonen, wo allerdings auch wenig Sauerstoff vorhanden sei. „Ein Teufelskreis“, resümiert Göpfert traurig.
Natürlich wird die aktuelle Hitzewelle weiter mit Argusaugen beobachtet und im Vorstand thematisiert. Wirklich rüsten jedoch können sich die Fischer nicht. Nur zuschauen und nichts tun wollen sie aber auch nicht. Mittels einer speziellen Sauerstoffpumpe könnte womöglich Abhilfe bei hohen Temperaturen in den Seen geschaffen werden.
Hoffen auf eine
andere Wetterlage
Aber: „Das ist Neuland für uns, in einer solchen Situation waren wir noch nie. Und dann stellt sich die Frage, inwiefern sich der Nutzen einer solchen Belüftung auf ein 24 Hektar großes Gewässer wie den Staudhamer See auswirkt“, wirft Göpfert in den Raum. Eine Antwort darauf gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Den Fischern bleibt nur mehr die bange Hoffnung auf eine baldige Änderung der Wetterlage.