Prien – Der Notruf ging am Freitag (26. Juni) um kurz vor 15 Uhr bei der Wasserwacht ein. „Wir wurden darüber informiert, dass eine Person schwimmen gehen wollte und dann schlagartig untergegangen ist“, sagt Werner Vietz, Vorsitzender der Wasserwacht Prien-Rimsting. Später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Mann um einen 68-jährigen Schweizer handelte, der mit einer Angehörigen im Elektroboot auf dem Chiemsee unterwegs gewesen war.
Hubschrauber war
im Einsatz
In der Fachsprache spricht man hier von einem „gesicherten Untergang einer Person“. „Dementsprechend wird auch die Rettungskette größer aufgebaut“, erklärt Vietz. Mehrere Einheiten der Wasserrettung wurden alarmiert, darunter die Wasserwachten aus Prien, Bernau und Breitbrunn sowie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).
„Nach den Anhaltspunkten, die wir hatten, haben wir die Suche begonnen“, so der Vorsitzende. Ein Hubschrauber überflog den Chiemsee, um die Wasseroberfläche abzusuchen. „Ein Körper geht nicht gleich unter wie ein Stein“, erklärt Vietz. Vom Hubschrauber aus könne man einen hellen Schatten erkennen. „Befindet sich der Körper allerdings mehr als zwei Meter unter Wasser, sieht man aus der Luft nichts mehr.“
Da der Überflug erfolglos blieb, gingen zwei Taucher der Wasserwacht Prien ins Wasser. Sie orientierten sich an den Zeugenaussagen zum Unglücksort. Die Taucher suchten den Bereich rund um das Elektroboot bei einer Wassertiefe von knapp 20 Metern ab – ebenfalls ohne Ergebnis.
Nach dem ergebnislosen „Erstschlag“ baute die Wasserwacht eine sogenannte Sonarkette auf. „Alle Boote fahren in einer Kette langsam über das Gewässer“, beschreibt Vietz das Verfahren. Sonargeräte zeichnen dabei den Untergrund des Chiemsees auf – vergleichbar mit einem Ultraschallgerät. Auffällige Objekte wurden mit Bojen markiert und anschließend von Tauchern überprüft. „Bei einem Punkt waren wir uns relativ sicher, dass es sich um die untergegangene Person handeln muss. So war es dann auch“, sagt Vietz.
Krisenintervention
betreut Angehörige
Der 68-Jährige wurde geborgen, ein Arzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Das teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd kurz nach der Tragödie mit. Die Angehörige des Verstorbenen wurde umgehend von einem Kriseninterventionsteam betreut.
Der Kriminaldauerdienst (KDD) der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein übernahm vor Ort die Ermittlungen. Bislang ergaben sich keine Hinweise auf eine Fremdbeteiligung. Die Ermittler gehen von einem tragischen Unglücksfall aus.
Insgesamt dauerte die Suche rund fünf Stunden. „Einsätze dieser Art haben wir leider öfter“, sagt Werner Vietz. Es sei jedoch ein emotionaler Unterschied, ob man jemanden lebend rette oder nur noch bergen könne: „Schon beim Abtauchen weiß man, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit einen Toten findet“, betont er.
Arbeitsreiches
Wochenende
Nach dem Einsatz kamen die Kräfte zusammen, um das Erlebte zu besprechen. Die angebotene psychologische Nachsorge für die Retter wurde in diesem Fall nicht in Anspruch genommen. Für Vietz war es nicht der einzige Einsatz an diesem Wochenende: „Von Freitag bis Sonntagmittag hatten wir bislang vier Einsätze“, berichtet er am Telefon. Darunter war auch eine dreistündige, erfolglose Vermisstensuche im Bereich Felden-Bernau. „Vier Einsätze am Wochenende sind für uns schon relativ viel“, betont Vietz. „Zumal wir das alle ehrenamtlich machen.“