Übersee/Bernau – Es begann mit Rauch und einem hellen Flammenschein um kurz vor Mitternacht: Mitten im sogenannten „Chiemseemoos“, wie das Damberger Filz auch genannt wird, wurde am Sonntag gegen 23.45 Uhr ein Brand entdeckt. Das Feuer wütete auf einer Wald- und Moorfläche mit einer Größe von circa sechs Hektar – umgerechnet etwas mehr als acht Fußballfelder groß.
Die Flammen waren so heftig, dass auf die Einsatzkräfte beim Eintreffen vor Ort ein regelrechtes Inferno wartete, dem sie sich aufgrund der enormen Hitze nur langsam nähern konnten, wie aus Schilderungen vor Ort hervorging. Die ausgetrockneten Nadelbäume inklusive Nadelboden und viel Baumharz, dazu wenig Wasser im Moor selbst: Die Bedingungen für das Feuer waren „optimal“.
Brandbekämpfung
vom Boden und aus der Luft
Aufgrund der Rauchsäule musste die A8 am Montagmorgen für mehrere Stunden gesperrt werden, während die Einsatzkräfte gegen eine Ausbreitung der Flammen direkt an der Autobahn kämpften. Zwar zeigten die Löschmaßnahmen Wirkung und die lodernden Flammen konnten eingedämmt werden. Doch wie lange der Einsatz andauern wird, hängt auch von der weiteren Brandbekämpfung am Boden ab. Drei Hubschrauber der bayerischen Polizei löschten gestern tagsüber aus der Luft, während sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr durch das Gestrüpp und zwischen den Bäumen hindurchkämpften. „Quadratmeter für Quadratmeter müssen sie sich das Feuer anschauen, inwieweit es in den Boden eingedrungen ist“, schildert Hubert Hobmaier von der Pressestelle des Kreisfeuerwehrverbandes.
Weil die Glut teilweise tief im Waldboden sitzt, flackerten im Verlaufe des Montags immer wieder kleinere Brandherde auf. Das Wasser aus der Luft erreichte diese Stellen im Untergrund nicht: Auch deshalb kommt dem Einsatz der Bodentruppen der Feuerwehr, die mit Hacken den Boden bearbeiten und entdeckte Glutnester löschen, eine besondere Rolle zu. „Ähnlich wie beim Einsatz in Ruhpolding ist wieder Handarbeit gefragt“, so Hobmaier.
Dort war Anfang Mai ein Feuer im Gipfelbereich des Saurüsselkopfs ausgebrochen, das sich zu einem 35-tägigen Einsatz entwickeln sollte und damit ein historisches Ausmaß erreichte. Ob die Einsatzkräfte zwischen Übersee und Bernau ebenfalls tagelang gefordert sind, wird sich noch zeigen.
Klar ist: Mit Einbruch der Nacht wurde am gestrigen Montag im Chiemseemoos die Unterstützung aus der Luft eingestellt, weil die Hubschrauber nicht nachtflugtauglich sind. Ob sie am heutigen Dienstag erneut angefordert werden, hängt auch von der weiteren Entwicklung in der Nacht ab. Auffrischender Wind wäre kontraproduktiv, einsetzender Regen dagegen sehr hilfreich. „Die Gefahr ist noch nicht gebannt, weil man einfach die Entwicklung des Wetters abwarten muss“, verdeutlicht der Pressesprecher der Feuerwehr, der am Montagnachmittag von einem „leichten Aufatmen“ beim Einsatz, aber keiner richtigen Entspannung und Entwarnung sprechen wollte.
Die Anzahl der Kräfte wird mit Einbruch der Dunkelheit zurückgefahren und die Lage dann weiter beobachtet – auch, um die Helfer zu schonen –, ehe heute Morgen das Einsatzgeschehen wieder an Fahrt aufnimmt. Übersees Bürgermeister Herbert Strauch erfuhr gegen 0.40 Uhr von dem Waldbrand und machte sich daraufhin gleich auf den Weg zum Einsatzort, um sich das Ausmaß der Flammen anzuschauen. Für ihn war es beruhigend, dass der Brand „weit weg von Siedlungsgebiet ausgebrochen war und somit keine Gefahr bestand“. Die Gemeinde übernahm gestern die Getränkeversorgung der Einsatzkräfte, die bei immer noch sommerlichen Temperaturen um die 30 Grad stundenlang beschäftigt waren. Strauch selbst wird weiterhin im Gremium der örtlichen Einsatzleitung nah am Geschehen dranbleiben, um die Entwicklung mitzuverfolgen. „Wir schauen, dass wir die Einsatzkräfte weiter gut versorgen. Mein Dank geht schon jetzt an alle Helfer aus dem gesamten Landkreis für die Zusammenarbeit – hoffentlich geht alles gut vorüber.“
Noch keine Hinweise
auf die Brandursache
Zur Brandursache gibt es übrigens noch keine Hinweise und auch keine Vermutung: Solange die Löschmaßnahmen nicht weitestgehend abgeschlossen sind, werden den laufenden Ermittlungen der Polizei Grenzen gesetzt.
Fakt ist jedoch: Die Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate begünstigt solche Waldbrände. „Mit dem deutlichen Anstieg der Temperaturen hat es sich in den vergangenen Tagen schon abgezeichnet, denn wir hatten mehrere kleinere Feuer in der Vegetation, die alle rechtzeitig abgefangen wurden“, so Feuerwehr-Sprecher Hobmaier. Zudem seien viele Gewässer mit wenig Wasser versorgt, weshalb Kreativität bei den Feuerwehren gefragt gewesen sei, wie man an das Löschwasser kommt. Zwischenzeitlich musste sogar der Chiemsee für das Löschwasser herhalten.