Rosenheim – Hochwasser und Hitze sind keine Schicksalsschläge, sondern hausgemacht: Mit dieser Botschaft hat der Agrarwissenschaftler – Kreisgruppe Rosenheim kürzlich für Aufsehen gesorgt. Laut Auerswald wirke der „landnutzungsgetriebene Klimawandel stärker“ als der CO2-getriebene Klimawandel – eine Erkenntnis, die in der öffentlichen Debatte kaum Beachtung finde.
Die Ursachen von Hochwasser und Dürre seien, so der Wissenschaftler, in folgender Reihenfolge zu gewichten: „Acker, Asphalt, Atmosphäre“. Wer die Verantwortung allein bei der globalen Erderwärmung suche, übersehe den entscheidenden regionalen Hebel. Das Gefühl der Ohnmacht angesichts des globalen Klimawandels sei verständlich, aber trügerisch: „Das lähmt, das macht uns fertig“, zitiert die Kreisgruppe Rosenheim des Bund Naturschutz den Referenten.
Auerswald, ehemals Forscher an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising, machte deutlich, dass das untere Mangfalltal durch Versiegelung, Drainage und Bodenverdichtung regional zu einem Hitze-Hotspot geworden sei.
Die Art der Landnutzung wirke viel stärker auf die Zunahme von Hitzetagen als die bisherige globale Erderwärmung durch CO2. Lokalem Hitzestress könne man aber bereits mit einfachen Mitteln begegnen: mehr Bäume, Dachbegrünung sowie die Entsiegelung von Plätzen und Hofflächen. Auch beim Thema Hochwasser zeigte Auerswald auf, dass nicht die Regenmenge das entscheidende Problem sei, sondern die Geschwindigkeit des Abflusses. Straßen und Gräben leiteten Starkregen in wenigen Minuten ab, während ein 500 Meter langes Wiesental denselben Regen über mehr als acht Stunden zurückhalte.
Ein typischer Forst mit Lkw-befahrbaren Wegen erreiche dabei eine Straßendichte, die einer Großstadt wie München gleiche. „Versiegelung ist ein Problem des ländlichen Raums“, so Auerswald. In Bayern seien inzwischen sechs Prozent der Fläche praktisch wasserdicht versiegelt – darunter wohl die meisten der rund zehn Millionen Pkw-Stellplätze. 80 Prozent der Grundwässer in Süddeutschland sinken laut Auerswald als Folge dieser Entwicklung.
Sein Appell war eindeutig: „Kaum vorstellbar, dass wir Extreme meistern, wenn wir schon an der Normalität scheitern. Wir sollten aufhören, die Böden zu verdichten, zu versiegeln und die Landschaft zu drainieren, und wegen des erst noch kommenden CO2-getriebenen Klimawandels bestehende Verdichtung, Versiegelung und Drainage rückgängig machen.“ Neben dem Vortrag berichteten die Vorsitzenden der Ortsgruppen Bernau und Wasserburg, Pia Ostler und Max Finster, von Naturschutzerfolgen: Die artenreichen Wiesen des Hitzelsbergs seien nun als „geschützter Landschaftsbestandteil“ gesichert und müssten einem geplanten Chaletdorf mit 39 Einheiten nicht weichen. Zudem konnten mit Unterstützung des Landratsamts Flächen in den Weiher Filzen angekauft werden, die nach Wiedervernässung Lebensraum bieten und durch Wasserrückhalt die Siedlungen schützen.
Rainer Auer, Erster Vorsitzender der Kreisgruppe Rosenheim, verwies auf zwei anstehende Gerichtsverfahren: Im Januar 2027 soll der Verwaltungsgerichtshof über die Planfeststellung zum Ausbau der Autobahn A8 auf sechs plus zwei Streifen entscheiden. Auer zufolge würde ein Urteil gegen den A8-Ausbau dem regionalen und globalen Klimaschutz dienen, da dadurch viele Hektar weiterer Bodenversiegelung verhindert würden.