Eine Leopardendecke und ein großer, roter Fleck

von Redaktion

Nach dem gewaltsamen Tod einer dreifachen Mutter aus Bad Aibling hat die Suche nach Antworten vor dem Schwurgericht Traunstein begonnen. Im Prozess gegen den Ehemann warfen die Umstände der Tat und eine verschwundene Decke mit Leopardenmuster viele Fragen auf. Der Angeklagte schwieg bislang zu den Vorwürfen.

Traunstein – Viele kleine Puzzleteile trägt das Schwurgericht Traunstein zusammen, um den gewaltsamen Tod einer 34-jährigen Ägypterin aus Bad Aibling zu klären. Tatverdächtig ist der 44-jährige Ehemann der Verstorbenen. Er soll seine Frau gemäß der Mordanklage von Staatsanwalt Wolfgang Fiedler am 11. November 2024 mit einem Gegenstand erschlagen haben. Ihre skelettierte Leiche wurde Mitte Juni dieses Jahres in einem Waldstück nahe Bad Aibling durch Zufall entdeckt. Die Hauptverhandlung wird am Montag (6. Juli) und am Dienstag (7. Juli), jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.

Eine von Gewalt
geprägte Ehe

Der Angeklagte schweigt seit Prozessbeginn Anfang Juni dieses Jahres. Genauso konsequent beantragen die drei Verteidiger – Juliane Weber, Claus Erhard und Regina Rick aus München – die Beweismittel bei der Urteilsfindung nicht zu verwerten. Entschieden wurde bislang jedoch noch über keinen einzigen dieser Anträge. Die Kammer will zunächst sämtliche Beweismittel ausschöpfen.

Die Geschichte des Paares, das sich 2014 in Ägypten fand, 2016 heiratete und ab 2019 mit den drei minderjährigen Söhnen nach und nach in zwei Wohnungen in Bad Aibling lebte, hat das Gericht bereits anhand von Zeugen aus dem Familienkreis, ägyptischer Frauen aus einer Facebook-Gruppe in Deutschland oder auch Vertreterinnen eines Frauenhauses in München beleuchtet. Mittlerweile kristallisierte sich eine Beziehung heraus, die von Streitigkeiten um Geld und die Kinder sowie von häuslicher Gewalt und Beleidigungen seitens des 44-Jährigen geprägt war. Die 34-Jährige, eine liebevolle Mutter, wollte offenbar mit den Kindern ein freieres Leben führen, als es ihr Ehemann mit traditionellem Hintergrund ihr zugestehen wollte. Nach einer Trennung 2023 und dem Wechsel in ein Frauenhaus kehrte die 34-Jährige doch wieder zu ihrem Mann zurück.

Eine Sachbearbeiterin der Kriminalpolizei (Kripo) Rosenheim informierte gestern über viele Facetten der monatelangen Ermittlungen und insbesondere über die Zeit vor und nach dem Tod der Geschädigten. Staatsanwalt Wolfgang Fiedler grenzt den Todeszeitpunkt auf den 11. November 2024 zwischen 9.41 Uhr und 15.34 Uhr ein. Vom selben Tag gibt es beispielsweise Fotos mit den Kindern auf einer Straße in der Stadt. Mehrere Anrufversuche des 44-Jährigen auf dem Handy seiner Frau sind am Nachmittag des 11. November 2024 belegt. Zwischen 15.21 Uhr und 15.59 Uhr folgten Bilder bei McDonald’s. Die Buben holte der Vater zwischen 17 und 18 Uhr ab und besorgte um 18.18 Uhr noch Kindernahrung in einem Supermarkt.

Wenig später erstattete der 44-Jährige Vermisstenanzeige bei der Polizeiinspektion Bad Aibling und behauptete, seine Frau habe ihn ohne die Kinder verlassen. Kurz nach 19 Uhr rief ihn ein Beamter in der Wohnung zurück. Danach wählte der Mann noch mehrmals die Handynummer seiner Frau. Wie sie ihr Leben verlor und wo sie getötet wurde, ist bis heute unklar. Ob eindeutige forensische Spuren in der Wohnung existieren, wurde bislang nicht bekannt. Jedoch befand sich auf einem Wohnzimmersofa zu Lebzeiten der Geschädigten eindeutig eine Decke mit Leopardenmuster und einem Raubkatzengesicht. Sie war auf mehreren Handyfotos zu sehen. In eine zumindest sehr ähnliche, teils vermoderte und zerfallene Decke waren die sterblichen Überreste der 34-Jährigen beim Auffinden in einem Fichtendickicht gewickelt.

Die Kripo-Mitarbeiterin, die nochmals angehört wird, ging auf weitere Aspekte ein, die das tragische Geschehen vielleicht etwas erhellen könnten. So hatte der Angeklagte einen Kollegen nach Tipps für eine Fahrzeugreinigung gefragt. Passanten war an einem – allerdings Kilometer vom späteren Leichenfundort entfernten – Grundstück ein „arabisch aussehender Spaziergänger“ aufgefallen, der ein Kästchen vergraben haben sollte. Die Standortdaten der verschiedenen Handys werden nach Worten der Sachbearbeiterin von Kollegen erläutert, die auf dieses Gebiet spezialisiert sind. Unter den gestrigen Zeugen war ein 53-jähriger Nachbar des Angeklagten. Die beiden hatten einige Jahre im gleichen Hotel in Bad Aibling gearbeitet – der Zeuge am Empfang, der 44-Jährige als Koch. Auch er sprach von kulturellen Unterschieden bei den Eheleuten, die Probleme bereitet hätten. Ansonsten habe der Angeklagte auf ihn geizig und nicht ganz offen gewirkt.

Gespräch über
Verschwörungszirkel

Eine über dem Paar wohnende Nachbarin beschrieb die 34-Jährige als zurückhaltend. Die Kinder seien sehr laut gewesen, was sie aber nicht gestört habe. Einmal habe sie Geschlechtsverkehr des Paares mitbekommen, bei dem sich die Frau „eher gequält angehört habe – als ob sie Schmerzen hätte“. Die Nachbarin berichtete weiter von „einem großen dunkelroten Fleck in der Tiefgarage“, etwa so groß wie ein Tisch. Am nächsten Tag sei er weg gewesen. Wann das genau gewesen sei, wisse sie nicht mehr. Auch erinnerte sie sich an Worte des 44-Jährigen von einem „Verschwörungszirkel von Frauen“, die Männer finanziell auspressen wollten. Nach Ostern dieses Jahres habe der Angeklagte gesagt, seine Frau sei in Berlin.

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