Spektakuläres Wendemanöver auf A8

von Redaktion

Ein umgekippter Milchlaster hat am Mittwoch, 1. Juli, auf der A8 bei Irschenberg für eine Vollsperrung und stundenlangen Stau gesorgt (wir berichteten). Um die im Stau stehenden Autofahrer zu befreien, organisierte die Polizei ein kontrolliertes Wendemanöver. Bei dem Unfall entstand ein Sachschaden von rund 400.000 Euro.

Irschenberg/Bad Aibling – Starke Nerven waren am vergangenen Mittwoch bei etlichen Autofahrern gefragt, die stundenlang im Mega-Stau ausharren mussten. Gegen 10.30 Uhr hatte ein 64-jähriger Italiener aus noch unbekannter Ursache auf der regennassen A8 zwischen den Anschlussstellen Irschenberg und Bad Aibling die Kontrolle über seinen Milchlaster verloren. Laut Angaben der Polizei schlitterte der Sattelzug im Gefällebereich des Irschenbergs vom rechten Fahrstreifen über die gesamte Fahrbahn und prallte gegen die Mittelschutzplanke. Der Tankauflieger kippte auf die Seite und blockierte somit die Fahrbahn vollständig. Während der Fahrer unverletzt blieb, war die Autobahn in Fahrtrichtung Salzburg fortan komplett gesperrt. Wie berichtet, veranlasste die stundenlange Blockade der gesamten Fahrbahn die Polizei deshalb zu einer kontrollierten Wende-Aktion. Schließlich handelte es sich um aufwendige Bergungsarbeiten an der Unfallstelle, an der auch mehrere Kräne beteiligt waren. Auch die Reinigung der Fahrbahn von der ausgelaufenen Milch nahm Zeit in Anspruch – wenngleich nur rund 200 von insgesamt geladenen 26.000 Litern Milch ausgetreten waren. „Hierfür waren also keine Spezialreinigungen notwendig“, erklärte am Donnerstagmorgen (2. Juli) ein Sprecher der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim.

Ungewöhnliche
Maßnahme

Aufgrund des Stillstands und der langen Wartezeiten griff die Polizei zur ungewöhnlichen Maßnahme eines organisierten Wendemanövers. Heißt: Polizeibeamte informierten Fahrzeug über Fahrzeug darüber, dass sie auf der Autobahn kontrolliert wenden sollen, um den Stau nach hinten zu verlassen. „Die Fahrzeuge wurden von der Polizei jeweils begleitet oder entsprechend abgesichert, sodass wir sie aus dem Stau befreien konnten“, erklärt der Sprecher. So konnten etliche Fahrzeuge die A8 über die Anschlussstelle Irschenberg verlassen, die Auffahrt also in entgegengesetzter Richtung passieren. Damit ihnen dabei keine auffahrenden Fahrzeuge entgegenkommen konnten, sicherten die Einsatzkräfte die Autobahnzufahrt ab. Ziel war es, die Blockade von hinten aufzurollen. Zunächst wendeten diejenigen Fahrzeuge, die sich ganz hinten am Stauende befanden und somit den kürzesten Weg zur nächsten Ausfahrt hatten. Von dort aus arbeiteten sich die Einsatzkräfte sukzessive nach vorne durch. Ausgenommen von der Befreiungsaktion waren schwere Sattelzüge, Lastwagen mit Anhängern sowie Pkw-Gespanne.

Eine besonders häufig angewendete Maßnahme ist das kontrollierte Wenden der Polizei zufolge nicht. „Das hängt in der Regel davon ab, was genau die Vollsperrung verursacht“, erklärt der Sprecher der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim gegenüber dem OVB. Da der umgekippte Milchlaster die komplette Fahrbahn blockiert hatte, bestand keine Aussicht darauf, dass zeitnah Teile der Strecke wieder befahrbar sind. „Wenn man also von sechs Stunden Bergung ausgeht, können wir solche Maßnahmen ergreifen.“

Klar ist jedoch, dass eine solche Wendeaktion ausschließlich seitens der Polizei angeordnet und durchgeführt werden darf. „Wer auf eigene Faust auf der Autobahn wendet, begeht nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern gefährdet auch den Straßenverkehr“, spricht der Polizeisprecher unmissverständlich über das strikt verbotene Unterfangen, was nicht nur den Falschfahrer in Lebensgefahr bringt.

Aktion dauerte
viele Stunden

Laut dem Polizeisprecher nahm die Wendeaktion viele Stunden Zeit in Anspruch. „Die Kollegen waren damit von kurz nach der Vollsperrung bis zur Freigabe am Nachmittag beschäftigt.“ Nach den stundenlangen und aufwendigen Bergungs- und Reinigungsarbeiten am Irschenberg gab es dann am späten Nachmittag ein erstes Aufatmen, nachdem die Fahrbahn in Fahrtrichtung Salzburg wieder vollständig für den Verkehr freigegeben werden konnte. Laut Polizei staute sich der Verkehr dort jedoch noch „bis in die späten Abendstunden“. Wie die Verkehrspolizeiinspektion mitteilte, fällt der entstandene Sachschaden bei dem Lkw-Unfall auf der A8 am Irschenberg enorm aus und man geht ersten Schätzungen der Beamten zufolge von insgesamt rund 400.000 Euro aus.

Indes war am Mittwoch aufgrund der Ab- und Umleitungsmaßnahmen auch rund um die A8 viel los auf den Straßen der Region. Laut Sebastian Thurnhuber, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, sei dabei jedoch kein Chaos ausgebrochen. „Der Verkehr war mitunter schon dicht, aber es gab aufgrund dessen kein besonderes Aufkommen von Unfällen oder Problemen.“ Als die Autobahn am Abend wieder frei befahrbar war, ging für etliche Autofahrer sowie für zahlreiche Einsatzkräfte, unter anderem Kräfte der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim, der Autobahnmeisterei Holzkirchen sowie der umliegenden Feuerwehren, ein kräftezehrender Tag zu Ende.

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