Bad Endorf – Seit Jahrzehnten gehört das Heilwasser zu Bad Endorf. Nun wird die historische Thermalwasserbohrung trotz millionenschwerer Sanierungsversuche dauerhaft verfüllt. Was dahintersteckt, welche Folgen das für die Chiemgau Thermen hat – und ob Kurgäste sich Sorgen machen müssen.
Die Entscheidung ist gefallen. Die älteste Quelle der Bad Endorfer Gesundheitswelt – die Bohrung „Endorf 2“ – wird nach mehr als einem Jahr intensiver Sanierungsarbeiten dauerhaft verschlossen. Das haben Aufsichtsrat und Vorstand der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) AG am Freitag beschlossen.
Technische und
geologische Hindernisse
„Umfangreiche ingenieurtechnische und geologische Prüfungen haben ergeben, dass eine vollständige Sanierung der rund 4.500 Meter tiefen Bohrung aus technischen und geologischen Gründen nicht mehr realisierbar ist“, erklärt Dietolf Hämel, Vorstand der Gesundheitswelt Chiemgau AG.
Schon mit Beginn der Bohrung im April 2025 traten erste Komplikationen auf. In einer Tiefe von 900 Metern war plötzlich Schluss. Die Spezialisten versuchten vergeblich, mit ihrer Bohrtechnik weiter in die Tiefe vorzudringen und mit Kameras die Ursache des Hindernisses zu ergründen. Ohne Erfolg.
Die Arbeiten mussten abgebrochen werden. Der technische Ablauf der Bohrung musste mehrfach angepasst werden, zusätzliche Schutz- und Entgasungseinrichtungen waren erforderlich.
Im April 2026 war die Bohrung vom tiefsten Punkt bei etwa 4.850 Metern bereits bis auf rund 1.900 Meter verfüllt worden. „Da hatten wir noch die Hoffnung, dass wir mit einer quer abgelenkten Bohrung zum Förderhorizont des Thermalwassers gelangen könnten“, so Hämel. Doch auch das war technisch nicht möglich. Auch ein weiterer Versuch in 600 Metern Tiefe war nicht erfolgreich. Deshalb wurde am Freitag (3. Juli) entschieden, die Bohrung zu verfüllen. Die Bohrung „Endorf 2“ musste auf Anordnung des Bergamtes Südbayern saniert werden, weil das Förderrohr nicht mehr dicht war und Thermalwasser unkontrolliert in den Untergrund sickerte.
Die Kosten waren zu Beginn auf 11,5 Millionen Euro veranschlagt. „Insgesamt werden Sanierung und Verfüllung nun 19 Millionen Euro kosten“, informiert Dietolf Hämel. Abzüglich der Förderung des Freistaates Bayern verbleiben damit 13 Millionen Euro bei der GWC.
„Die getätigten Aufwendungen waren der GWC als Eigentümerin der Bohrung gesetzlich geboten, um die Sicherheit am Standort jederzeit zu gewährleisten“, betont Hämel.
Thermalwasserversorgung
weiter stabil
Für die Besucher der Chiemgau Thermen hat diese Maßnahme keinerlei Auswirkungen. Seit Februar 1976 wird das Heilwasser in den Chiemgau Thermen verwendet – zuerst im Kurmittelhaus, dann in der Thermenlandschaft. Der Förderbetrieb der Bohrung „Endorf 2“ musste aufgrund des Sanierungsbedarfs schon vor Jahren eingestellt werden. 250 Kubikmeter Thermalwasser – also 250.000 Liter oder fast 1.400 Badewannenfüllungen – dürfen täglich gefördert werden. Diese kommen schon seit mehreren Jahren ausschließlich und zuverlässig über die modernere, aktive Bohrung „Endorf 3“. Sie kann die Versorgung der Chiemgau Thermen auch für die Zukunft lückenlos sichern. „Mit der Bohrung Endorf 3 steht unser Heilbad auf einem starken und verlässlichen Fundament“, so Hämel.
Verantwortungsvolle Zukunftssicherung bedeute auch, veraltete und nicht mehr sanierbare Infrastruktur sicher zurückzubauen. Bis Ende des Jahres sollen die Bohrung komplett verfüllt und die Bohrplattform zurückgebaut werden.
Seinen Heilquellen hat Bad Endorf nicht nur ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Chiemsee-Alpenland zu verdanken, sondern auch seinen Status als staatlich anerkanntes Heilbad. „Es war die historische Bohrung Endorf 2, die Bad Endorf 1987 zum Heilbad gemacht hat“, betont Dietolf Hämel.
Nun sprudelt zwar die Thermalbohrung „Endorf 3“ kräftig weiter und versorgt die Therme mit ausreichend Heilwasser. Ob das allerdings auch dem bayerischen Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen für die Rezertifizierung reicht, bleibt abzuwarten. In einem Merkblatt des Innenministeriums wird das Anerkennungsverfahren erläutert. Dort heißt es: „Soweit Heilwässer die Grundlage der Anerkennung bilden sollen, müssen mindestens zwei staatlich anerkannte Heilquellen (Art. 33 BayWG) mit ausreichender Schüttung und den erforderlichen Schutzgebieten zur Verfügung stehen.“
Rezertifizierung
steht bevor
Bürgermeister Alois Loferer blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich bin zuversichtlich, dass unser Status als Mineral-Heilbad bestätigt wird, denn unser natürliches, ortsgebundenes Heilmittel ist auch in Zukunft durch die Bohrung 3 in ausreichender Menge und nachgewiesener Qualität vorhanden.“ Die Gemeinde werde den Dialog mit den zuständigen bayerischen Ministerien suchen.
Alle zehn Jahre wird der Titel „Heilbad“ in einem Rezertifizierungsverfahren überprüft. „Wir stecken mitten in den Vorbereitungen“, so Loferer. Messungen zur Lufthygiene und zum Lärmschutz wurden bereits abgeschlossen. Bis September müssen die Unterlagen eingereicht werden.