Übersee – Der Moorbrand in der Damberger Filze ist gelöscht. Er war am Sonntag (28. Juni) gegen 23.10 Uhr ausgebrochen und hielt teilweise bis zu 500 Einsatzkräfte in Atem. Am Mittwochmittag (1. Juli) wurde der Großeinsatz beendet. Zurück bleiben verbrannte Erde und die Frage nach der Ursache des Feuers. Brandermittler der Kripo Traunstein haben die Ermittlungen aufgenommen.
Brand wütet in
gesundem Moorwald
„Die Vegetation im Brandbereich der Damberger Filze war mit Latschenkiefern, Waldkiefern, Moorbirken und Fichten typisch für ein durch Entwässerung verändertes Hochmoor“, erläutert Revierförster Anton Ernst. Der Brand habe zuerst die Bodenvegetation aus Heidelbeeren und Gras erfasst. Die enorme Strahlungshitze trocknete die Bäume aus, ehe die Flammen schließlich auch auf sie übergriffen. Fichten und Kiefern brannten mit ihrem hohen Harzgehalt und der geringen Holzdichte lichterloh.
Vor allem der Torf brannte. Seine Mächtigkeit wird in der Damberger Filze auf drei bis vier Meter geschätzt. Die lockere, luftdurchlässige Struktur abgestorbener Pflanzenfasern aus Torfmoosen, Wollgras, Schilf und Heidekraut begünstigt Schwelbrände. In bereits gelöschten Bereichen flackerten deshalb auch immer wieder neue Brandherde auf. „Wir haben eine Fläche gelöscht, sind vorgerückt und plötzlich brannte es hinter uns wieder“, berichten Kameraden der Feuerwehren. Die Glut saß tief im Torfboden. Er wurde in schweißtreibender, kräftezehrender Handarbeit mit Hacken bearbeitet, um die Glutnester zu löschen.
Das Gewitter vom Montagabend (29. Juni) konnte die Situation zwar entspannen, trotzdem behielten die Feuerwehren das Moor weiter im Blick, um einen Schwelbrand zu verhindern. Mit Brandwachen sowie Drohnen mit Wärmebildkameras kontrollierten die Einsatzkräfte die rund sechs Hektar große Brandfläche engmaschig.
Nach Ende der Löscharbeiten am Mittwoch (1. Juli) spricht die Brandnarbe im Moorwald eine klare Sprache. Und die Menschen, die mit den Chiemsee-Mooren leben, versuchen, sie zu verstehen. Das Feuer hat die Vegetation am Boden – Torfmoose, Heidelbeeren und Gräser – regelrecht abrasiert. Verkohlte Baumskelette junger und alter Bäume zeigen, wie hoch die Flammen schlugen. Riesige verkohlte Wurzeln wurden freigelegt, weil die oberen Torfschichten brannten.
„Nach meiner Einschätzung war es vor allem ein Torfbrand“, meint Dr. Lutz Pickelmann. Der Grassauer ist nicht nur Naturwissenschaftler und leidenschaftlicher Moorkundler, sondern hat in der Kendlmühlfilzen auch eine eigene, etwa drei Hektar große Moorfläche. Hier beobachtet er, wie sich die einzelnen Moorzonen – Hochmoor, Übergangsmoor und Niedermoor – in der Obhut von Mutter Natur und unter den veränderten klimatischen Bedingungen entwickeln.
Im Randbereich des Feuers in der Damberger Filze kann man die Löschtaktik der Feuerwehren erahnen. Sie hatten beispielsweise eine „Riegelstellung“ eingerichtet, die mithilfe einer Beregnungsanlage die weitere Ausbreitung des Feuers verhindern sollte. Hier sind zwar die Torfmoose am Boden komplett verkohlt, doch die Bäume scheinen nicht bis zur Krone gebrannt zu haben. Und als hätte jemand eine unsichtbare Schutzwand gezogen, stehen direkt neben Brandruinen des Waldes saftig grüne Bäume.
„Daran erkennt man auch, dass der Moorwald gesund ist und die Bäume ausreichend Wasser haben. Die Brandzone befindet sich inmitten eines saftig grünen Waldes“, beschreibt Dr. Lutz Pickelmann seine Beobachtung. Das zeige, wie wichtig Bäume seien. „Man darf die Funktion des Waldes im zukünftigen Moor nicht unterschätzen.“
Doch warum hat der Torf im Moorwald gebrannt? „In der Zeit vor dem Brand am 29. Juni herrschten sehr trockene Verhältnisse im Moorbereich bei Übersee“, informiert die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landratsamtes Traunstein. Zur extremen Hitze kam ein Niederschlagsdefizit hinzu, das sich am niedrigen Wasserstand in Gewässern und Mooren sowie an den niedrigen Werten der Grundwassermessstellen in der Region zeigte.
„Gerade entwässerte oder teilentwässerte Moorbereiche können bei längeren Trockenphasen in den oberen Torfschichten stark austrocknen“, erläutert die UNB. „Es könnte zu einer Selbstentzündung gekommen sein, denn durch die extreme Hitze der vergangenen Woche, die intensive Sonneneinstrahlung und den Wassermangel können am nicht bewachsenen und beschatteten Torfboden Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius entstehen“, sucht Ökologe Ralf Strohwasser, der vor fast 30 Jahren die Renaturierung der Kendlmühlfilzen betreute, nach einer Erklärung. Hinzu komme, dass Moore auch Methan freisetzen, das sich entzünden könnte. „Dass der Brand von selbst entstanden sein soll, ist nicht ohne Weiteres erklärbar“, gibt Dr. Lutz Pickelmann zu bedenken. Der Torfboden im Brandbereich war der Sonne nicht direkt ausgesetzt, denn auch nach dem Brand sieht man die verkohlten Reste einer Pflanzendecke aus Torfmoosen, Heidekraut, Heidelbeeren und Gräsern.
Zudem scheint die Bodenvegetation keineswegs ausgetrocknet gewesen zu sein, wie am Übergang des Brandfeldes zum gesunden Moorwald erkennbar ist. Heidelbeeren und Gras sind saftig grün. Die Torfmoose sind feucht. Zwar hat es in den vergangenen Nächten geregnet. Aber die Niederschläge waren mit 20 Litern pro Quadratmeter nicht ergiebig genug, um ein zuvor ausgedörrtes Moor innerhalb weniger Stunden wieder in eine grüne Oase zu verwandeln.
Auch der Brandbereich war dicht bewaldet. „Wo der Boden durch Aufwuchs beschattet ist, trocknet der Torf nicht so schnell aus und kann sich nicht so stark erhitzen“, erklärt Pickelmann. Zudem sei der Brand mitten in der Nacht ausgebrochen. Die Webcam der Hochfelln-Seilbahnen (Nord) zeichnete die ersten Flammen am Sonntag gegen 23 Uhr auf. Von einer vorherigen Rauchentwicklung, die auf einen Schwelbrand schon im Laufe des Tages hingewiesen hätte, war nichts zu sehen.
Laut der Waldbrandstatistik des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft wird jeder fünfte Waldbrand vorsätzlich gelegt. 27 Prozent aller Waldbrände entstehen aus Fahrlässigkeit, knapp 46 Prozent aus ungeklärten Ursachen. Die Traunsteiner Polizei hat die Brandermittlungen aufgenommen. Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung hat sie bislang nicht gefunden. Doch es werde in alle Richtungen ermittelt, hieß es auf OVB-Anfrage.
Die Flammen hinterließen auf einer Fläche von etwa acht Fußballfeldern in den Damberger Filze verbrannte Erde. „Unter Umständen eröffnet der Brand der Natur eine neue Chance“, sagt Ökologe Ralf Strohwasser. Niederschläge könnten nun direkt in den Boden eindringen und das Moor natürlich vernässen.
Aufforstung oder
natürliche Regeneration?
„Die Natur könnte sich durch die Ausbreitung der Baumsamen aus angrenzenden Moorbereichen selbst verjüngen“, erklärt Revierförster Anton Ernst. Oder aber man forstet auf.
„Das Moor ist ein Extremstandort.“ Jeder Moorbereich – ob Nieder-, Übergangs- oder Hochmoor – habe eine spezielle Vegetation. Aus forstwirtschaftlicher Sicht würde Ernst für den Brandbereich eine Bepflanzung mit Moorbirken, Kiefern, Latschen und Fichten empfehlen. „Doch das entscheiden die Besitzer“, betont er.
Betroffen vom Brandschaden sind drei Landwirte. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein hilft ihnen durch kostenfreie Vor-Ort-Beratungen zu Schadensbeurteilung, Aufräumarbeiten, Wiederaufforstung und Fördermöglichkeiten.